Sind Kaufbeurer schlechte Autofahrer?

Laut der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) werden alle Unfälle, die von Autos mit KF-Kennzeichen verursacht werden, egal wo, in der Regionalstatistik dem Zulassungsbezirk Kaufbeuren zugeordnet. Foto: Feuerwehr

Gemessen an der Zahl der Unfälle und deren Kosten für die Versicherer, kurven im Landkreis Kaufbeuren die schlechtesten Autofahrer Deutschlands herum. Das ist nichts Neues, denn seit Jahren belegt Kaufbeuren bei der jährlichen Veröffentlichung von Unfallhäufigkeit und Schadenshöhe bei den Kfz-Haftpflichtversicherungen nach Zulassungsbezirken durch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fordere Platzierungen. Diese Einstufung hat Folgen für die Kfz-Versicherung. Aktuell liegt die Wertachstadt mit rund 40,5 Prozent über dem deutschen Durchschnitt. Die Frage warum das so ist, kann aus Sicht von Oberbürgermeister Stefan Bosse durch das Zahlenwerk der GDV nicht erklärt werden. Er kann nicht glauben, dass die Kaufbeurer im Landesvergleich so schlecht Auto fahren. Daher wendete er sich an die GDV, um konkretere Zahlen zu bekommen. Diese flatterten nun ins Kaufbeurer Rathaus.

Bosses Kritikpunkt an der Statistik ist, dass „keinerlei Aussagen darüber getroffen werden, welche Personengruppe zu welcher Uhrzeit, mit welchem Fahrzeug an welchen Örtlichkeiten die Unfälle verursacht hat“. Damit blieben letztlich nur Mutmaßungen im Hinblick auf die Ursachenzusammenhänge. So zeige aus Bosses Sicht die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik ein völlig anderes Bild der Situation. Demnach, so der Oberbürgermeister, sei die Zahl der erfassten Verkehrsunfälle in Kaufbeuren deutlich niedriger als in vergleichbaren Städten der Umgebung, die wiederum in der Statistik nicht auf vorderen Plätzen erscheinen. Und teure Autos, wie sie beispielsweise in Starnberg haufenweise zu finden sind, fahren in Kaufbeuren auch nicht rum. „Eher das Gegenteil ist der Fall“, so Bosse. Der GDV teilte dem Rathauschef jetzt in einem Schreiben mit, dass aus Sicht der Versicherungen nicht der Blick auf Kaufbeuren und Umgebung von belang sei, sonder „von Kaufbeurern verursachte Unfälle werden unabhängig vom Unfallort ihrer Wohnregion zugeordnet“. Soll heißen: Wenn ein Fahrzeug mit KF-Kennzeichen, egal wo in Deutschland und dem Ausland, einen Unfall verursacht, wird dieser in der Regionalstatistik dem Zulassungsbezirk zugeordnet. Und da gebe es eindeutige Zahlen, die einen Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre darstellen. So hält die GDV fest, dass während sich die Schadenszahl im Bundesdurchschnitt in den vergangenen fünf Jahren tendenziell verringert hat, liegt sie in Kaufbeuren 2009 auf gleichem Niveau wie 2005. Deutschlandweit wurden laut GDV 66 Schäden pro 1000 ganzjährig versicherter Fahrzeuge mit einer durchschnittlichen Schadenshöhe von 3230 Euro bei der Studie erfasst. In Kaufbeuren sind es aber 71 Schäden mit 4200 Euro Durchschnittsschaden. Oder anders ausgedrückt: Wenn es im Zulassungsbezirk Kaufbeuren zu einem Unfall kommt, ist dieser um rund 970 Euro teurer als im Landesdurchschnitt. Um weiter Analysen anstellen zu können, benötigt die GDV neue Zahlen, etwa Unfalldaten der Polizei. In einem Antwortschreiben erklärte Bosse, diese zur Verfügung zu stellen. Er machte aber auch deutlich, dass letztlich nur eine genaue Analyse der Versicherungsdaten (Schadensfälle) verlässlich Aufschluss über die Ursache geben kann. Gleichzeitig erneuerte der Rathauschef sein Angebot, dass sich die Stadt Kaufbeuren organisatorisch und finanziell an einer solchen Analyse beteiligt. Zudem habe auch der Landkreis Ostallgäu eine Beteiligung an der Studie in Aussicht gestellt. Unabhängig von der GDV hat OB Bosse auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingeschaltet, die unter anderem die Versicherungswirtschaft zu beaufsichtigen hat. Dies solle jedoch nicht als Drohung gegen den GDV verstanden werden. Aber: „Sofern der GDV meinem Anliegen nicht entsprechen kann, ziehe ich in Erwägung, das entsprechende Bundesministerium mit dem Sachverhalt zu befassen und koordiniert mit dem Deutschen Städtetag für die erforderliche Transparenz einzutreten“.

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