Sorge um die Fußgänger

Hier in der südlichen Schwabenstraße sollen sich künftig Autofahrer, Radler und Fußgänger die Straße gleichberechtigt teilen.

Nicht ganz unumstritten ist das sogenannte „Shared Space“-Konzept im Stadtrat. Dies bekamen die Verwaltung sowie das mit der Planung beauftragte Ingenierbüro Moo- ser in der letzten Sitzung des Bauausschusses deutlich zu spüren (wir berichteten). In letzter Konsequenz waren es dann Sachzwänge, die schließlich dazu führten, mehrheitlich doch eine Empfehlung für dieses neue Verkehrskonzept in der südlichen Schwabenstraße auszusprechen.

Besonders die geplanten Parkflächen in der Mitte der Verkehrsfläche, die gemeinsam von Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern genutzt werden soll, waren vielen Ausschussmitgliedern ein Dorn im Auge. Der Raum in der Mitte solle frei bleiben, meinte dementsprechend auch Verkehrsreferent Franz Barnsteiner (FW), denn da fehle die „Sichtbeziehung der Fußgänger“. Das Ziel der Stadtplaner besteht nämlich darin, zwischen der Einmündung Jörglweg und Gschwenderstraße das bisher in Deutschland noch sehr neue „Shared Space“-Konzept umzusetzen. Ein Kerngedanke dieses Flächennutzungskonzepts ist es, den Verkehr nicht nur durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer herunter zu bremsen, sondern durch Unterbrechungen in der eigentlich gradlinigen Straßenführung automatisch für eine Geschwindigkeitsreduzierung zu sorgen. Allerdings scheint es für eine solche Planung noch keine gesicherten Rechtsgrundlagen zu geben – dieser Ansicht war jedenfalls Helmut Schick, der im Rathaus für den Sachbereich Verkehr zuständig ist. Die Unterbrechung des Verkehrs soll auch, wie in der Bahnhofstraße bereits erfolgreich erprobt, durch Aufpflasterungen erfolgen. Nach ersten Planungen könnten solche Pflasterbereiche im Bereich von Straßeneinmündungen und vor dem Eingangsbereich des Landratsamtes in die Straße eingebaut werden. Sowohl Barnsteiner als auch sein Fraktionskollege Peter Grotz sahen hierin allerdings eine unnötige Lärmquelle. Dies wurde auch durch Eduard Gapp (CSU) so unterstützt, der eine farbliche Kennzeichnung dieser Bereiche für ausreichend hielt. Peter Fendt (BP) wollte in dem Ganzen sogar einen „Zirkus ohne Geschäftsgrundlage (gesetztliche Grundlage)“ sehen, bei der „nicht einmal eine Bürgerbeteiligung stattgefunden“ habe. Sorgen um die allgemeine Sicherheit machte sich wiederum Carl Singer (FW), der auf der durch Fußgänger stark frequentierten Schwabenstraße einen Schutz derselben vermisste. Natürlich müsse man dieses Konzept in Zusammenhang mit der geplanten Verkehrsverlagerung sehen, denn, so Betram Mooser, wenn es in diesem Bereich mehr als 3.500 Fahrzeuge gebe, dann sei „Shared Space“ das falsche Konzept. Allerdings, so Mooser, könne eine konventionelle Straße an der betreffenden Stelle ohnehin nicht ge- baut werden, denn mit nur 14 Metern verfügbarer Breite sei nach den bestehenden Vorschriften eine voneinander abgetrennte Verkehrsführung nicht möglich. Nur zwei Möglichkeiten Jutta Jandl (SPD) hielt die geäußerte Kritik ihrer Stadtratskollegen für nicht angebracht und beklagte, dass viele Gremiumsmitglieder nicht mit in die Schweiz gefahren seien, um sich vom „Shared Space“-Konzept im praktischen Betrieb überzeugen zu lassen. Dies sah auch Klara Knestel (Grüne) so, die es nach eigener Aussage „gut fände, wenn in Marktoberdorf mal was neues gemacht würde“. Erst nachdem Harald Schmid (FW) darauf hinwies, dass es im Grunde nur zwei Möglichkeiten gebe, nämlich erstens konventionellen Straßenbau ohne eigene Radwege, oder zweitens eine gemeinsam genutzte Mischfläche, sprach sich der Ausschuss mehrheitlich für die Empfehlung von Shared Space aus. Einzelheiten der Planung sollen dabei, so Bürgermeister Werner Himmer, noch mit der Bevölkerung abgestimmt werden.

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