Lange Debatte

Raumbedarf beschlossen

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Gebaut wird momentan nur am Gehweg vor der Sankt-Martin-Grundschule. Deren Sanierung erhitzt aber bereits jetzt, in der Vorbereitung des Architektenwettbewerbs, die Gemüter im Markt­oberdorfer Stadtrat.

Marktoberdorf – Erneut diese Standortdebatte. Manche hielten sie für ausgestanden, doch die Diskussion um die Zukunft der Sankt-Martin-Grundschule befeuerte die jüngste Stadtratssitzung ein weiteres Mal. Letztendlich stimmten 17 Stadträte für das Fortbestehen von Grundschule und angeschlossenem Hort am bestehenden Standort in der Stadtmitte.

Sieben Räte sprachen sich teilweise vehement dagegen aus. Auch um einen zweiten Beschluss, der die Raumplanung für zukünftig zwölf Klassen (drei Züge) und sechs Hortgruppen vorsah, wurde mehr als eineinhalb Stunden gerungen.

Die Verwaltung hatte das Thema auf die Tagesordnung gebracht, da die Rahmenbedingungen eines Architektenwettbewerbs für die Sanierung der Grundschule festgezurrt würden, wie Stadtbaumeister Ralf Baur erklärte. Dazu müsse der Stadtrat nun auch über den Raumbedarf für hochgerechnet 300 Schüler befinden. Eine wiederholte „welt­anschauliche Diskussion um den Standort der Schule“ habe er nicht erwartet, sagte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Man führe ohnehin nur die Beschlüsse der letzten acht Jahre weiter, so das Stadtoberhaupt. Bereits vor gut zwei Jahren hatte sich der damalige Stadtrat mehrheitlich für die Beibehaltung der Schule im Zentrum entschieden.

Zurück auf Los?

Zurück auf Los sei keine Schande, plädierte Walter Breiner (Freie Wähler) und forderte den Stadtrat auf, den innerstädtischen Standort infrage zu stellen: Zu viel Verkehr und zu wenig entwicklungsfähigen Platz für kommende Schülergenerationen sah der Kinderarzt als große Nachteile an. Er erhielt Unterstützung von Fraktionskollege Carl Singer, der die Zukunftsfähigkeit einer dreizügigen Schule mit rund 300 Schülern unterhalb des Kirchbergs in starke Zweifel zog und eine Machbarkeitsstudie verlangte. Auch Franz Barnsteiner (Freie Wähler) mahnte die sehr begrenzte Parkplatzsituation entlang der Eberle-Kögl-Straße an. Ulrike Wieser und die SPD-Fraktion bemängelten, dass die Stadt sie nicht hinreichend über die Raumplanung informiert habe. Quasi aus dem Stegreif und ohne Alternativen zur Abstimmung gebeten zu werden, lehnte Wieser kategorisch ab. Erich Nieberle (SPD) hatte bereits im Vorfeld eine Vertagung der Entscheidung beantragt, die aber abgelehnt wurde.

So überfahren sich die Einen fühlten, so entschlossen zeigte sich die CSU-Fraktion, beim Thema Sankt-Martin-Schule den nächsten Schritt zu gehen. „Eine neue Diskussion zum Standort wird es mit uns nicht geben“, sagte Eduard Gapp (CSU). Es gelte lediglich zu bestimmen, mit wie vielen Klassen man planen könne, betonte der Bürgermeister angesichts einer ausufernden Debatte.

Wolfgang Wieder, in der Stadtverwaltung für Schulen und Kindergärten zuständig, hatte zuvor dem Gremium die Hochrechnungen vorgestellt, anhand derer ein Raumbedarf für zwölf Klassen und sechs Hortgruppen aufgestellt wurde. Die neuen Baugebiete an der Saliterstraße seien dabei ebenso berücksichtigt wie ein zu erwartendes Wohngebiet auf dem ehemaligen Krankenhausgelände. Beide Areale liegen im Sprengel der Sankt-Martin-Grundschule. Bei der Berechnung der Kinderhortgruppen sei man von einem Bedarf von 40 bis 42 Prozent der Schülerzahlen ausgegangen, legte Wieder dar.

Vom Lernen in der Innenstadt

Die Diskussion nahm zeitweise seltsame Züge an. Da ging es um „geländewagenfahrende Helikoptermütter“ (Andreas Grieser, CSU), die ihren Nachwuchs gefälligst in die Grundschule zu Fuß gehen lassen sollten – anstatt Parkplätze zu blockieren, die es an dieser Stelle ohnehin nicht gebe. Es ging um die Höhe eines optimalen Schulgebäudes und darum, dass auch im zweiten und dritten Stock Lernen möglich sei (Eduard Gapp, CSU). Außerdem wurde die Behauptung diskutiert, dass die erfolgreiche Kooperation zwischen Musikakademie und den Chorklassen der Grundschule an dieser und nicht an anderer Stelle möglich sei (so Thorsten Krebs und Arno Jauchmann, beide CSU). „Ein anderer Ort würde auch eine andere Schule bedeuten“, warf Thorsten Krebs mahnend in die Runde.

Seit rund 150 Jahren befindet sich die Sankt-Martin-Schule in der Innenstadt. Die aktuellen Pläne, die von der Mehrheit des Stadtrats und der Verwaltung getragen werden, sehen sie auch in weiteren 50 bis 100 Jahren noch dort.

von Angelika Hirschberg

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