Regionalität im Trend

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Beim Hofrundgang gab es für Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (rechts) reichlich Informationen aus erster Hand – wobei die Milchpreissituation an erster Stelle stand.

Kraftisried – Um sich einen Überblick der Leistungsfähigkeit und Kreativität der bayerischen Landwirtschaft zu verschaffen und öffentlichkeitswirksam aufzuzeigen, ist Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in diesem Jahr im Freistaat unterwegs, um Betriebe mit den unterschiedlichsten Unternehmensschwerpunkten und Einkommenskombinationen zu besuchen. Am Montag stand der Hof von Familie Brack im Kraftisrieder Ortsteil Berleberg auf dem Programm.

Ein typischer Haupterwerbsbetrieb, der sich neben der klassischen Milcherzeugung parallel mit Biogas, Photovoltaik und der Landschaftspflege (Betreuung von Streuwiesen über ein gefördertes Vertragsnaturschutzprogramm) weitere interessante Standbeine geschaffen hat.

Wie Landwirt Michael Brack dem Staatsminister und den zahlreich erschienenen Gästen – unter ihnen die Landrätin Maria Rita Zinnecker, Landtagsabgeordnete Angelika Schorer, Kreisbäuerin Gabi Paulsteiner, sowie Vertreter von Behörden, der Wirtschaft und der Wissenschaften – bei seiner Begrüßung erklärte, könne sein Hof auf eine lange, traditionsreiche Vergangenheit zurückblicken. So gehörte das Anwesen seit 1453 zum Stiftsgut Kempten. Im 18. Jahrhundert tauchte dann erstmals der Name Brack in entsprechenden Besitzurkunden auf. 1970 hatte sein Vater Georg den Hof bis zur Übergabe im Jahre 2007 geleitet. 

Seitdem kämpft Michael Brack um eine erfolgreiche Weiterführung des Betriebes. Trotz Problemen und Schwierigkeiten bereite ihm die Arbeit viel Spaß. Waren früher 27 Hektar Fläche zu bewirtschaften, seien es heute rund 57 Hektar – davon an die drei Hektar Streuwiesen. Das moderne Stallgebäude biete Platz für etwa 60 Tiere. Zur Zeit sind 55 Milchkühe untergebracht. In einem separaten Teil an die 60 Kälber und Jungvieh. Wie Michael Brack dem Kreisbote erklärte, gebe es hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation an und für sich „nichts zu jammern“, lediglich am Milchpreis müsse sich unbedingt etwas ändern. Die Kombination Milch und Energie würde eine gewisse Stabilität ergeben. Wichtig sei ihm auch ein respektvoller Umgang mit den Tieren, die ja letztlich ein wesentlicher Bestandteil der Lebensgrundlage seien.

Staatsminister Helmut Brunner zeigte sich in seinen Ausführungen beeindruckt was „hier in diesem herrlichen Stückchen Ostallgäu durch Fleiß und familiären Zusammenhalt geschaffen wurde“ und erklärte, dass sich zwischenzeitlich bereits mehr als 60 Prozent der bayerischen Landwirtschaftsbetriebe zusätzliche Einnahmequellen erschlossen und so ihre Unternehmen gezielt für die Zukunft ausgerichtet hätten. Deshalb unterstütze sein Ministerium die Landwirte beim Aufbau weiterer Unternehmensstandbeine. Auch die Fort-, Aus- und Weiterbildung werde intensiv gefördert. Hier gratulierte der Minister Christine Brack, Mutter von fünf Kindern zwischen sechs und 16 Jahren, für deren hervorragenden Berufsabschluss als Hauswirtschafterin.

Marktentlastung

Den Milchmarkt bezeichnete Helmut Brunner als eine „Daueraufgabe“. Dabei sei die Frage: „Wie kriegen wir das Mengenproblem in den Griff?“ der schwierigste Teil. So soll jeder Landwirt pro Kilogramm nicht gelieferter Milch rund 10 Cent erhalten. Im Oktober dieses Jahres könne das Programm starten und – falls die Mittel reichen – bis März 2017 laufen. Er hoffe, dass die Landwirte hiervon Gebrauch machen, schließlich könne auf diese Art und Weise eine echte Marktentlastung erreicht werden. Oberstes Ziel und klares Signal für die Zukunft sei: „Runter mit der Menge!“ Gleichzeitig versicherte der Landwirtschaftsminister, dass die Bayerische Staatsregierung auch in Krisenzeiten fest auf Seiten der Landwirte stehe, um Herausforderungen verstärkt anzupacken.

Abschließend erklärte Helmut Brunner, dass seiner Meinung nach, die Zukunft der bayerischen Landwirtschaft nicht in agrarindustriellen Einheiten und einer Massenproduktion liege. Schließlich könnten andere Agrarexportländer austauschbare Grundprodukte wesentlich effizienter produzieren. „Wir dagegen müssen die Chancen von Premiumprodukten wie Bergbauernmilch oder Allgäuer Bergkäse noch gezielter nutzen, auch wegen des teureren Kostenumfelds“, so der Minister. Speziell auf diesem Gebiet gehe der Betrieb Brack und über 200 weitere Bergbauernbetriebe sowie die Allgäu Milch Käse eG mit ihrer neuen Vermarktungslinie, den „Berg­bauernmilcherzeugnissen“ mit gutem Beispiel voran. Schließlich sei die „Regionalität“ ein echter „Megatrend“.

Bei einer Hofbesichtigung konnten sich der Minister und die ihn begleitenden Gäste einen interessanten Überblick und an Ort und Stelle ein Bild von den Sorgen und Nöten der hiesigen Landwirte verschaffen und sich gleichzeitig davon überzeugen, dass bei entsprechender Nutzung von zusätzlichen Einkommensquellen ein erster Schritt in eine erfolgreichere Zukunft möglich ist.

von Klaus-Dieter Körber

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