"Gelingende Integration", aber wie?

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„Wie kann Integration gelingen?“ diskutierten: Klaus Beier, Bundesagentur für Arbeit (v. li.), Emilia Müller, bayerische Staatsministerin (CSU), Stephan Stracke, Bundestagsabgeordneter (CSU), Frank Jelitto, Kolping Akademie, Volker Zimmermann, Handwerkskammer Schwaben.

Kaufbeuren – Mit dem sehr leistungsfähigen Arbeitsmarkt in Bayern sind alle Voraussetzungen für eine Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gegeben. „Deutschland steht wirtschaftlich eigentlich hervorragend da“, konstatierte Stephan Stracke, sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag. Zum „Wie?“ hatte er die bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller nach Kaufbeuren ins Kolpinghaus zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Es gebe Probleme wie Unterbringung, Sprachkompetenz und berufliche Integration zu lösen. „Ziel ist eine gelingende Integration“, so Stracke.

Vor zahlreichen Vertretern der Kaufbeurer Helferkreise und Einrichtungen begrüßte Oberbürgermeister Stefan Bosse die Staatsministerin mit dem aktuellen Hinweis, dass in diesem Kolping-Gebäude auch 50 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) untergebracht seien. „2015 sind insgesamt 650 Flüchtlinge in Kaufbeuren angekommen und in 50 verschiedenen Örtlichkeiten untergebracht worden“, erläuterte Bosse der Staatsministerin. Dies sei zugleich Fluch und Segen wegen der aufwändigen Betreuung. 

Sozialministerin Müller bekräftigte „Integration kann nur gelingen, wenn wir Parallelgesellschaften vermeiden“ und bestätigte Bosse in der Entscheidung zur dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge in Kaufbeuren. In Bayern würden 15.000 UMF unter 18 Jahren leben. „Ohne gute Wirtschaft würden wir hier eine andere Diskussion führen“, mahnte Müller und forderte, die „Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt machen“. 81 Prozent der Flüchtlinge seien jünger als 35 Jahre, aber auch der Bildungsstand der Flüchtlinge deutlich geringer als der anderer Ausländergruppen in Deutschland. 

Es brauche Jahrzehnte der Integration, prognostizierte die Staatsministerin, und fügte an: „Wichtig ist dabei die Sprache“. Es gebe deshalb ein Maßnahmenpaket der bayerischen Regierung mit 549 Millionen Euro. In der bayerischen Wirtschaft seien für Flüchtlinge 20.000 neue Praktikumsplätze vorhanden. „Aber wir werden Leistungen für Einheimische nicht reduzieren“ betonte die Staatsministerin. 

In der Podiumsdiskussion erklärte Klaus Beier, stellvertretender Vorsitzender der Regionaldirektion Bayern bei der Bundesagentur für Arbeit, die „Herausforderung in Chancen umwandeln“ zu wollen. Er baue auf flexible Ausbildungsketten, auch für 21- bis 25-jährige Flüchtlinge. 

Frank Jelitto, stellvertretender Vorsitzender der Kolping Akademie, mahnte Lösungen an, beim Übergang von vorher gut betreuten minderjährigen Flüchtlingen, wenn sie dann volljährig werden und aus dem Förderprogramm fielen. Sozialministerin Müller antwortete mit dem Hinweis auf 636 Millionen Euro, die für die Minderjährigen pro Jahr ausgegeben werden. „Brücken kann man nur für eine gewisse Zeit bauen“, so die Staatsministerin. 

Auf Nachfrage von Maria Elisabeth Angst aus dem Zuhörerkreis, bezifferte die Staatsministerin die Kosten für UMF je nach Träger und Einzelfall auf 90 bis 220 Euro pro Tag. 

Volker Zimmermann, Geschäftsbereichsleiter Bildung und Personal bei der Handwerkskammer Schwaben, bestätigte, dass „die Unternehmen bereit sind, sich mit dem Thema Integration auseinanderzusetzen“. Man brauche aber weiterhin die Helferkreise, denn „es hört nicht auf, wenn sie einen Ausbildungsvertrag haben“. 

Unter Beifall der anwesenden Zuhörer fragte Uschi Zasche, ehrenamtliche Helferin beim Deutschunterricht für Afghanen, „warum unsere freiwilligen Kurse nicht auch verpflichtend gemacht werden können, wenn von 20 Schülern nach kurzer Zeit nur noch sechs übrig sind“. Staatsministerin Emilia Müller zeigte Verständnis für die Frustration bei diesem ehrenamtlichen Einsatz, sah aber keine offizielle Lösung.

von Wolfgang Krusche

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