„Wenn die Bücherei sich nicht ändert, dann schafft sie sich ab“

Hehre Ziele für Stadtbibliothek

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Ein neues Bibliothekskonzept soll die Stadtbücherei Kaufbeuren zukunftsgerechter machen.

Kaufbeuren – „Die Stadtbücherei sollte der Bedeutung Kaufbeurens gerecht werden“. Diese These stellte Büchereileiterin Michaela Gemkow in der jüngsten Sitzung des Schul-, Kultur-, und Sportausschusses auf. Hintergrund ist ein neues Bibliothekskonzept für die Stadtbücherei Kaufbeuren, das Gemkow zusammen mit ihren Team erarbeitet hatte. In der Sitzung stelle sie es dem Gremium vor.

Als öffentliche Schlüsselinstitutionen für den Zugang zu Informationen und Bildung würden die Bibliotheken eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zur Agenda 2030 der Vereinten Nationen spielen, so Gemkow: „Die klassische Ausleih- und Bestandsbibliothek soll um weitere Säulen erweitert werden: die Bibliothek als öffentlicher Ort, die Anpassung an den digitale Wandel, und als Kooperationspartner der Sprach- und Leseförderung“.

Ein ausführlicher Blick auf die Benutzergruppen zeige, dass 25 Prozent der getätigten Ausleihen auf das Umland von Kaufbeuren fallen würden. Die Analyse der Bewegungen zu den Arbeitsplätzen in Kaufbeuren zeige 50 Prozent Pendler, woraus sich eine kurzfristige Überlegung zur Erweiterung der Öffnungszeiten auch samstags ergeben habe. Viele Senioren, sozial Benachteiligte, Familien und Migranten nützten bisher das Angebot der Stadtbücherei. Das solle auch so bleiben meinte Gemkow, denn: „Freier Zugang zu Informationen ist ein Grundrecht und ist Basis der Demokratie“.

Für die Aufgabe der Bücherei als öffentlicher Ort nahm sie die Ausschussmitglieder mit auf einen imaginären Spaziergang in eine helle einladende Büchereihalle mit bequemen Sitzgruppen, in denen Senioren Zeitung lesen, an ruhigen Arbeitsplätzen junge Leute lernen und wo Ehrenamtliche an Gruppenarbeitstischen mit Asylbewerbern die deutsche Sprache lernen.

Mit Bezug auf den digitalen Wandel der Bildungsmedien erklärte Gemkow: „Wenn die Bücherei sich nicht ändert, dann schafft sie sich ab“. Hier habe die Stadtbücherei ihr Angebot schon erweitert, müsse aber bei der weiteren Ausbildung von Medienkompetenz mitwirken. So könnte beispielsweise auch E-Learning in der Bücherei angesiedelt sein.

„Bei der Sprach- und Leseförderung will die Bibliothek Bildungspartner für Kindergärten und Schulen sein“, so die Büchereileiterin. Auch eine Beteiligung des Generationenhauses wäre denkbar, bei der Senioren den Kindern vorlesen. „Lesen ist Kernkompetenz“, sagte Gemkow. „Wir wollen auch vermitteln, dass Bücher nicht nur zum Lernen da sind, sondern auch Spaß machen“.

Das ganze Konzept sei natürlich mit Kosten und viel Arbeit verbunden, die man aber gerne angehen würde.

Die Büchereileiterin beendete die Vorstellung ihres Zukunftskonzeptes für die Stadtbücherei mit der Frage eines Zweitklässlers. „Wem gehört eigentlich die Bücherei?“ Darauf könne man eigentlich nur antworten mit: „Uns allen“.

Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) konnte aus eigener Erfahrung Zeitprobleme während der Woche bestätigen, könnte sich deswegen eine Samstagsöffnung durchaus vorstellen. Der Ausschuss beschloss einstimmig, das vorgestellte Konzept weiter zu verfolgen und bat Gemkow, einzelne Schritte zu konkretisieren und die Kosten zu ermitteln.

von Wolfgang Krusche

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