Museum interkulturell

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Anhand des Stadtmodells von 1699 lässt Barbara Schlichtherle (links) die Gruppe markante Gebäude wie Rathaus, Martinskirche oder Fünfknopfturm finden. Auch RC-Präsident Wolfgang Zasche und Ehefrau Uschi (Mitte) folgen interessiert den Ausführungen.

Kaufbeuren – Zuwendungen des Rotary Clubs Kaufbeuren(RCK) ermöglichten einen weiteren Schritt auf dem Weg zur totalen Barrierefreiheit, wofür das Kaufbeurer Stadtmuseum bereits im Juli 2016 das Signet „Bayern barrierefrei“ erhalten hatte (wir berichteten): Vergangenen Dienstag fand gemeinsam mit dem dieses Jahr amtierenden Präsidenten des RCK, Wolfgang Zasche, die erste „Interkulturelle Museumsführung“ statt.

Fünf Teilnehmerinnen eines VHS-Deutschkurses für Zuwanderer nahmen zusammen mit ihrer Dozentin Priska Reisinger daran teil. Olga aus Russland, Maria aus Italien, Rana aus Aserbaidschan, Monika aus Rumänien und Erika aus Ungarn folgten interessiert den Ausführungen von Museumsführerin Barbara Schlichtherle. Anhand des Stadtmodells von 1699 ließ sie die jungen Frauen markante Gebäude wie Rathaus, Martinskirche oder Fünfknopfturm finden. Im Bereich Religion zeigte sie die Problematik der katholisch/evangelischen Stadtgeschichte, wies darauf hin, dass am Tänzelfest bis vor circa 100 Jahren nur evangelische Kinder teilnehmen durften oder zeigte unterschiedliche „Religionserkennungszeichen“ wie Rosenkranz, Gebetsketten oder „Perlen des Glaubens“. Bei den Webern demonstrierte sie, wie aus der Pflanze Flachs in zahllosen mühsamen Einzelschritten schließlich Stoff entsteht. Dabei lockte Schlichtherle die Gruppe immer wieder mit Fragen aus der Reserve und brachte sie dazu, in – wenn auch noch gebrochenem – Deutsch eigene Erlebnisse zu erzählen und Vergleiche zur Kultur ihrer Herkunftsländer zu ziehen.

Großes Ziel des Projekts sei „ein niedrigschwelliger Zugang“, erläuterte Museumsleiterin Petra Weber, sowie der Austausch zwischen den Kulturen und die Herstellung eines persönlichen Bezugs der Zielgruppe zu den ausgestellten Objekten. Dazu war die Gruppe ermuntert worden, eigene Erinnerungsgegenstände mitzubringen und diese im Anschluß Bereichen zuzuordnen, die sie in der Führung kennengelernt hatten.

Derzeit befindet sich das Projekt mit der VHS in der Probephase, 2017 soll es fest ins Programm übernommen werden. Zielgruppe für das Format sind Teilnehmer von Deutschkursen, Integrationskursen sowie Klassen für Berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Asyl angedacht. Das im Anschluss an die letzte Sonderausstellung „Vom Wegmüssen und Ankommen“ (wir berichteten) in Zusammenarbeit mit Frauke Miera, der Leiterin des Projekts „Kaufbeurens Geschichte weitererzählen“, und Ihrer Kollegin Elcin Schütze eigens entwickelte und vom RC Kaufbeuren finanzierte Führungskonzept soll „museumsaffinen“ Ehrenamtlichen anhand gegeben werden.

Seit 2011 unterstützt der Rotary Club die museumspädagogische Arbeit des Stadtmuseums Kaufbeuren finanziell mit jährlich 2.500 Euro. Verschiedenste Projekte konnten auf diese Weise realisiert werden, darunter der ausleihbare Museumskoffer für die dritte und vierte Klasse, ausleihbare Audioguides mit einem Modul zur NS-Geschichte für die neunte und zehnte Klasse, ein Führungsangebot für Grundschulkinder sowie ein englischer Audioguide, der in Kooperation mit einem P-Seminar des Mariengymnasiums entwickelt wurde. So wird das Stadtmuseum wirklich mehr und mehr ein „Museum für alle“.

von Ingrid Zasche

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