Ein Museum für alle

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OB Stefan Bosse (v. li.), Claudia Teodorovic und Angelika Mann vom Behindertenbeirat Kaufbeuren, der Bayerische Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger, Kulturamtsleiter Günther Pietsch vor dem mit einem Rollstuhl unterfahrbaren Stadtmodell.

Kaufbeuren – Mit dem Programm „Bayern barrierefrei“ möchte das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration die Barrierefreiheit voranbringen. Ein wesentliches Symbol der Kampagne ist das Signet „Bayern barrierefrei – Wir sind dabei!“.

Es ist einerseits Anerkennung für konkrete, beachtliche Beiträge zur Barrierefreiheit in Bayern, aber auch Ansporn für weitere Anstrengungen in dieser Richtung. Kürzlich erhielt aufgrund einer Anregung von Claudia Teodorovic (Behindertenbeirat Kaufbeuren) das Stadtmuseum Kaufbeuren dieses Signet ebenfalls verliehen.

Das Museum heimst seit seiner Neueröffnung zu Recht einen Preis nach dem anderen ein: zum Beispiel Pro Suebia 2013, den Bayrischen Museumspreis 2013, den Baupreis Kaufbeuren 2015 und eine ehrenvolle Nominierung für den Europäischen Museumspreis 2015.

Im Beisein von Kulturamtsleiter Günther Pietsch, der die urlaubshalber abwesende Museumsleiterin Petra Weber vertrat, sowie Claudia Teodorovic und Angelika Mann vom Behindertenbeirat Kaufbeuren überreichte der Bayerische Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger das Signet an den Museums-Hausherrn Oberbürgermeister Stefan Bosse. Bisher haben 51 der unterschiedlichsten Einrichtungen das Signet erhalten.

Barrierefreiheit ist nicht nur für Menschen mit einer Körperbehinderung, mit einer Sinnesbehinderung oder einer kognitiven Einschränkung wichtig, sondern auch für ältere Menschen oder Familien mit kleinen Kindern. Bereits bei der Neugestaltung des Stadtmuseums wurden von der damaligen Museumsleiterin Dr. Astrid Pellengahr und ihrem Team die Kriterien für Barrierefreiheit umgesetzt. „Es ist nicht selbstverständlich“, lobte der Sozialstaatssekretär, „dass bei dem ohnehin komplizierten Um- und Neubau des denkmalgeschützten Gebäudes an diese Dinge gedacht wurde“. Ein Aufzug erschließt jetzt sämtliche Geschosse des Museums, im Untergeschoss befindet sich eine moderne Behindertentoilette sowie ein Wickeltisch. Die Ausstellungsflächen sind mit Rollstuhl oder Kinderwagen zugänglich. 

Auch auf Museumspädagogik wurde besonderer Wert gelegt. Auf allen Geschossen gibt es mobile und fest eingebaute Sitzgelegenheiten. Bei einigen Objekten – darunter das Stadtmodell – ist die Steuerkonsole mit dem Rollstuhl unterfahrbar. Der kostenlose Audioguide ist für Träger eines Hörgeräts geeignet. Für Menschen mit Sehschwäche wurden „Taststationen“ eingerichtet, teilweise mit eigens zum Anfassen hergestellten Repliken der Originalstücke. Der historische Kaufbeuren-Film sei dank der Besprechung durch Peter Pius Irl auch für Menschen interessant, die wenig oder gar nichts sehen, berichtete Angelika Mann vom Behindertenbeirat, selbst blind und Leiterin des Kaufbeurer Blindenbundes. 

Und es gibt spezielle Ausstellungsführer für Menschen mit Behinderung. Angelika Mann ist eine von ihnen. In der Tasche hat sie „Spickzettel“ in Braille-Schrift, im Kopf den Weg durch die Ausstellung, den sie sich nur noch gelegentlich mit dem weißen Stecken ertasten muss. Sie demonstrierte dem Staatssekretär den Einsatz der Taststationen „Halsgeige“ und „Ammanns-Hoheitszeichen“.

Staatsekretär Hintersberger zeigte sich beeindruckt von der Umsetzung der „Idee Barrierefreiheit“ im Kaufbeurer Stadtmuseum, die dieses Museum im besten Sinne zu einem Museum für alle macht. Er habe sich total gefreut, dass ihm an diesem Tag gleich als erstes eine begeisterte Schulklasse entgegen gekommen sei und er wolle mit der Verleihung des Signets Danke sagen für eine „ganz bewusste, sehr sensible Ausformung für Menschen mit Handicaps“.

von Ingrid Zasche

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