Wird Gleisübergang geschlossen?

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Diese Schüler des Gymnasiums überqueren regelmäßig das Bahngleis zwischen Mühlsteig und Iglauer Straße. Laut Bahn soll der Übergang aus Sicherheitsgründen geschlossen werden.

Marktoberdorf – Den Fußweg über das Bahngleis zwischen Mühlsteig und Iglauer Straße benutzen täglich zahlreiche Schüler und Anwohner des nahegelegenen Wohngebiets. Für die Schüler bedeutet der höhengleiche Bahnübergang die kürzeste Verbindung zwischen Schulhof und Imbissgelegenheit und ist längst zur Gewohnheit geworden.

Dass der Bahnübergang im Jahr 2002 nur als Übergangslösung für eine Dauer von fünf Jahren von der Bahn eingerichtet wurde, ist keinem dieser Bahngleisüberquerer bewusst.Wen sollte es auch wundern? Die Anfrage des Stadtrats von 2007, in der eine Verlängerung der Frist und ein Erhalt der Querung beantragt wurde, blieb ohne Reaktion seitens der Bahn. Selbst als der ungesicherte Übergang 2009 einen Toten forderte, wurde eine Schließung der Gleisquerung nicht ernsthaft erwogen. 2016 aber steht sie plötzlich wieder im Raum. Laut einer Gesprächsnotiz droht die Bahn, den Bahnübergang aus Sicherheitsgründen umgehend zu schließen. Es sei denn, die Stadt nehme die Planung einer Ersatzlösung in Angriff. 

Dies erklärte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell dem Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung als Grund, warum die Verwaltung ein Ingenieurbüro beauftragt habe, erste Überlegungen zu einer sicheren Unter- oder Überführung der Gleise an der Iglauer Straße anzustellen. Zwei Varianten einer unter den Bahngleisen verlegten Röhre inklusive einer groben Kostenschätzung wurden daher den Stadträten jüngst vorgestellt. Sie sollten entscheiden, ob die Planungen weiter zu führen seien oder eine Schließung des Bahnübergangs in Kauf genommen werde. Denn zur Diskussion standen immerhin geschätzte Baukosten von über einer Million Euro. 

Diese Diskussion wurde dann im Stadtrat auch hart geführt. Es gab eindeutige Stimmen, wie die Georg Martins (Grüne), der die Planungen begraben und die Schüler lieber ein Stück weiter zum „amerikanischen Schnellrestaurant laufen lassen“ wollte. Denn das tue ihnen gut. Andere, wie Veronika Diepolder und Thorsten Krebs (beide CSU) wollten lieber keine zusätzlichen Risiken schaffen und Schüler – trotz Zaun – nicht übers Bahngleis treiben. „Die Planungen sind alternativlos, angemessen und wirtschaftlich“, sagte Diepolder. 

Das wiederum wollte Peter Grotz (Freie Wähler) so nicht stehen lassen. Er plädierte dafür, sehr wohl weitere Alternativen zu prüfen, wie die Kosten für eine Überführung. Werner Moll (Stadtteile aktiv) wiederum schlug vor, bei der Bahn eine Verlängerung anzufragen, bevor ein „weiteres Millionenfass aufgemacht werde“. Auch Meinrad Seelos (Stadtteile aktiv) und Ulrike Wieser (SPD) baten um weitere Gespräche mit der Bahn und zogen einen beschrankten, mit einem Warnsignal versehenen Übergang ähnlich Schweizer Vorbildern in Betracht. 

Am Ende sprachen sich 15 der 23 anwesenden Stadträte dafür aus, die Planungen einer Unterführung weiter zu verfolgen und gleichzeitig bei der Bahn um eine Stellungnahme zu bitten. Im Haushalt der Stadt für 2016 sind bereits 50.000 Euro für einen Teil der Planung eingestellt. Ein Betrag, den der derzeitige Auftrag an das Ingenieurbüro (bis einschließlich der Entwurfsplanung) bereits ausschöpft.

von Angelika Hirschberg

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