Zum Tode von Eddie Wölfl

"Kaufbeuren war immer meine Heimat"

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Gehörte zur Familie: Seit über 20 Jahren war Eddie Wölfl mit der amerikanischen Soul-Legende Stevie Wonder (li.) eng befreundet.

Kaufbeuren – „Kaufbeuren ist und bleibt meine Heimat.“ Das waren die Worte von Eddie Wölfl im Interview mit dem Kreisbote Anfang letzten Jahres. Wenige Monate zuvor war er aus den Vereinigten Staaten von Amerika zurückgekehrt, um sich am heimischen Standort etwas Neues aufzubauen. In der vergangenen Woche verstarb der gebürtige Kaufbeurer nun in seiner Heimatstadt an den Folgen einer schweren Krankheit im Alter von 63 Jahren. In den USA hatte sich Wölfl insbesondere durch seine Arbeit als Starfotograf von Größen der Musik- und Filmszene einen Namen gemacht.

Wenige Monate nach seiner Geburt in Frankreich kam Eddie mit seiner aus Kaufbeuren stammenden Mutter Edeltraud Wölfl in der Wertachstadt an und wuchs hier auf. Nach einer Ausbildung zum Koch lernte Wölfl während seiner späteren Tätigkeit im Münchner Restaurant Käfer den bekannten französischen Fotografen Jean-Paul Mann kennen und freundete sich mit ihm an. In der neuen Münchner Szene erwachte das schon länger in ihm schlummernde Interesse an der Fotografie. Bald darauf, Ende der Siebziger Jahre, ging er nach Los Angeles in den USA und nahm als dunkelhäutiger Deutscher eine besondere Stellung ein. Doch der Kontakt zur Heimat blieb – zu Verwandten und Freunden.

Nach einiger Zeit entstanden erste Kontakte als Fotograf zu Fotoagenturen. Über sein erstes Engagement bei einer Agentur landete Wölfl dann bei den Schallplattenfirmen, für die er dann Cover von Musikgrößen gestaltete. Später kamen dann die Fotos von Filmstars in bekannten Printmedien der USA hinzu. Sein erstes Shooting fand 1996 mit Stevie Wonder statt, bei dem er seither quasi zur Familie gehörte. Er arbeitete für ihn auf Touren oder privat, für Janet Jackson 18 Jahre, deren Bruder Michael kam später hinzu.

Das Repertoire von Wölfl aus den Achtzigern bis heute umfasst viele Geschichten in Magazinen mit Bildern von Größen wie Anthony Quinn, Ray Charles, Bing Crosby, Quincy Jones, Bruce Willis, Sting oder Al Jarreau. Bill Clinton und Beyoncé Knowles, Sylvester Stallone, Diana Ross, Christopher Lee und John Travolta oder der noch junge Andre Agassi – es gab kaum jemand, den er in den Jahrzehnten des Aufenthalts in den USA nicht mit seiner Kamera verewigt hat. Von ihm selbst gibt es weniger Bilder. Erst vor zwei Jahren entstand ein Bild mit ihm und seinem besten Freund und „Bruder“ Stevie Wonder.

Architekturen auf der ganzen Welt unter außergewöhnlichen Blickwinkeln gehörten ebenso zu seinen Spezialitäten wie Details alter Straßenkreuzer und Naturschauspiele in Farbe und Schwarz-Weiß. Doch der Schwerpunkt lag in seiner Arbeit mit den Menschen – nah dran im Porträt oder bei speziellen Arrangements festgehalten, die der gebürtige Kaufbeurer rund vierzig Jahre weltweit produzierte. Auch sein Bild von Boxlegende Mike Tyson ziert das Cover von DVD-Spielen.

In der Heimat

Seit seiner Rückkehr in Deutschland entwickelte Wölfl neue Aktivitäten. Er war Gast in der Radiosendung „Mensch, Otto“ des Bayerischen Rundfunks und 2015 gab es im Sparkassenforum Kaufbeuren eine Foto- und Video-Retrospektive mit einer Auswahl seiner Bilder. In Dresden hatte er Anfang des Jahres ebenfalls großen Erfolg mit einer Ausstellung und arbeitete für Magazine. Sein Ziel war, nach der Genesung Deutschland in seiner Gesamtheit näher kennenzulernen, intensiv mit den Menschen in Verbindung treten und die landschaftlichen Schönheiten im Bild festhalten. Sein größter Wunsch als Fotograf ging leider nicht mehr in Erfüllung: Präsident Obama, den er einmal getroffen hatte, vor seine Linse zu bekommen.

Wölfl war geschieden und hinterlässt eine Tochter und einen Sohn. Die Verabschiedung findet am kommenden Montag, 17. Oktober um 13 Uhr auf dem Kaufbeu­rer Waldfriedhof statt.

von Wolfgang Becker

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