Perfekte Diesel Power

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Viele Zuschauer sahen beim Traktor-Pulling in Kaufbeuren so manchen Traktor „aufsteigen“.

Mauerstetten/Kaufbeuren – Leichter Dieselgeruch lag über dem „Fahrerlager“, die „Rennstrecke“ war eine 100 Meter lange Gerade aus planierter Erde und es gab einen Anhänger, der die Teilnehmer absichtlich bremste. Am vergangenen Sonntag veranstalteten die „Pullingfreunde OAL“ ein Traktor-Pulling, das viele Teilnehmer und Besucher, Jung und Alt, aus Kaufbeuren und der Umgebung anlockte.

Peter Kehrbaum aus Germaringen wirkte als Organisator: „Wir sind sehr zufrieden mit der Veranstaltung, 90 Teilnehmer in zwölf Klassen hatten sich angemeldet, ein Teilnehmer kam sogar aus Regensburg bis zu uns.“ Viele Besucher, schönstes Sommerwetter und ein fachkundiger Moderator mit Handmikrofon immer am Ort des Geschehens, machten es zu einer rundum gelungenen Veranstaltung.

Überlaut brüllende Motoren hörte man im Gewerbepark Kaufbeuren allerdings nicht, es waren alles Serientraktoren, die der Straßenverkehrsordnung entsprachen, gefahren von Schlepperfahrern mit gültiger Fahrerlaubnis. Eingeteilt wurden die Fahrzeuge in verschiedene Klassen nach Gewicht, von 800 Kilogramm bis über 18 Tonnen. Die Veranstaltung mit zwei „Rennstrecken“ galt als Motorsportveranstaltung und hatte sogar ein „Fahrerlager“. Dort wurde eifrig über Reifendruck diskutiert und über Ballastierung, um genügend Anpressdruck zu erreichen.

Beim Traktor-Pulling wird ein angehängter Bremswagen von einem Traktor über eine Gesamtstrecke von 100 Metern geschleppt. Der Bremswagen rollt dabei nur auf der Hinterachse. Die Vorderachse besteht aus einer breiten Kufe. Zu Beginn des „Pulls“ (aus dem Englischen „to pull= ziehen“) ruht ein bewegliches Zusatzgewicht über der Hinterachse, was einen geringen Zugwiderstand ergibt. Im Laufe eines Pulls fährt das Zusatzgewicht immer weiter nach vorne über die Kufe, was dadurch einen stark erhöhten Zugwiderstand bis hin zum Stillstand des Gespanns bewirkt. Die Position des Gewichtes auf dem Bremswagen wird dabei ausschließlich von der erreichten Weite und nicht von der Geschwindigkeit des Pulls bestimmt. Die Zuglast wird beispielsweise von 13 Tonnen bis auf 18 Tonnen gesteigert. Die erreichte Zugweite des Bremswagens wird zentimetergenau mit einem laserbasierenden Theodoliten, einem Winkelmessgerät aus der Vermessungstechnik, genauestens ermittelt. Meistens „gewinnt“ der Bremswagen. Ein kompletter Zug über die Gesamtstrecke wird deshalb vom Moderator und vom Publikum jedesmal lautstark als Sieg und als „Full-Pull“ gefeiert.

Dass dies keine Veranstaltung nur für ältere, gestandene Landwirte war, zeigt ein Blick in die Siegerlisten. Unter anderem zeigten Julian Rauscher (17, Sieger der Klasse 11) oder Martin Niederthanner aus Nußdorf bei Rosenheim(Sieger der Klasse 7), kompetenten Umgang mit der komplexen, elektronikunterstützten Technik und stufenlosen Getrieben bei den Schleppern der neuen Generation. Julian Rauscher: „Wir haben zu Hause einen eigenen Hof und da fahre ich. Meine momentane Ausbildung zum Industriemechaniker hilft mir natürlich bei der Technik“.

Der Erbauer der beiden Bremswagen, Manfred Begander, der die Bremswagen auf Anregung von Xaver Wagner konstruierte und baute, meinte: „Es gab keine Ausfälle bei den Maschinen, den Schleppern und es wurde niemand verletzt. Insgesamt eine sichere und gelungene Veranstaltung.“

Und der Organisator Kehrbaum meinte als Ausblick: „Vielleicht sind wir nächstes Jahr wieder hier“. Dem Eigentümer der Wiese, Walter Königsberger, und seiner Frau hatte das Spektakel jedenfalls recht gut gefallen: „Bei den Traktoren sieht man 50 Jahre Unterschied von den Kleinen zu den Großen. Eine interessante Veranstaltung“.

von Wolfgang Krusche

Die Sieger:

Klasse 2 - 801 bis 1100 Kilogramm: Stefan Fichtel auf Holder AM2

Klasse 3 - 1101 bis 1500 Kilogramm: Alex Gröger

Klasse 4 - 1501 bis 2000 Kilogramm: Michael Merz auf Deutz D 4005

Klasse 5 - 2001 bis 2500 Kilogramm: Matthias Klinke auf Case 353 Turbo

Klasse 6 - 2501 bis 3000 Kilogramm: Johann Schneider auf Fendt 102

Klasse 7 - 3001 bis 3500 Kilogramm: Martin Niederthanner auf Fendt 209V

Klasse 8 - 3501 bis 4500 Kilogramm: Josef Wirth auf Deutz Agrostar 6.08

Klasse 9 - 4501 bis 5500 Kilogramm: Max Greinwald auf IHC 1046 AS

Klasse 10 - 5501 bis 6500 Kilogramm: Herbert Böckler auf Fendt 412

Klasse 11 - 6501 bis 7500 Kilogramm: Julian Rauscher auf Fendt Vario 718

Klasse 12 - 7501 bis 9000 Kilogramm: Alexander Meggle auf John Deere 6140R

Klasse 13 - 9001 bis 11000 Kilogramm: Manuel Eichberg auf Claas Axion 830

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