"Tank oder Teller?"

Kreisbäuerin und MdL Ulrike spricht zum Thema „Zukunft ländlicher Raum. Unterstützt wird sie (v.li.) durch Werner Hofmann (Moderation), Herbert Heisler (Kreisvorsitzender FW) und Gottfried Obermair (Referent für Energie der Fraktion FW im Landtag) sowie Anton Hörmann (MEG MilchBoard), Reinhard Mair von Bayern MeG (beide nicht im Bild). Foto: Bauer

Zu einem Vortag mit dem Thema „Zukunft ländlicher Raum“, mit anschließender Podiumsdiskussion, haben die Freien Wähler am vergangenen Donnerstag ins Festzelt eingeladen. In dem nur mäßig gefüllten Zelt punkteten die Freien Wähler vornehmlich durch landwirtschaftliche Sachkompetenz.

Dass der ländliche Raum nicht nur aus Landwirtschaft besteht, brachte die Landtagsabgeordnete und Kreisbäuerin aus dem Oberallgäu, Ulrike Müller, in ihrem einführenden Vortag zum Ausdruck. So erläuterte sie die ablehnende Haltung der Freien Wähler zur Abschaffung der Wehrpflicht, sie nahm die Gesundheitspolitik der Koalition, vornehmlich die hohen Kosten der Kopfpauschale aufs Korn, prangerte die Trinkwassermonopole von Konzernen an und wies auf die herausragende Rolle der erneuerbaren Energien hin. Auch die Forderung nach schnellen Internetzugängen, die Entwicklung des ländlichen Tourismus wie auch die Steuerung des Wettbewerbes um Gewerbeansiedlungen seien Stellschrauben, die zur Zukunft des ländlichen Raumes gehörten, so Müller. Mit der Allegorie „Tank oder Teller“, legte die Kreisbäuerin den Finger in die offene Wunde der Milchwirtschaft. Der im Gegensatz zur Milchproduktion höhere Flächenertrag von Biogasanlagen sei schließlich auch seiner Subventionierung geschuldet. Hier gelte es, die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen in vernünftige Bahnen zu lenken, und dem Teller den Vorrang vor dem Tank einzuräumen. Alois Hafner, der sich in der anschließenden Diskussion zu Wort gemeldet hatte, sah das Problem nicht in der Rentabilität von Biogas, sondern in er-ster Linie in der Erzielung eines höheren Milchpreises. Müller äußerte die Hoffnung, dass der Milchpreis wieder die 35-Cent-Marke erreichen könne und erklärte, dass Tierhaltung und Einspeisevergütung verknüpft werden sollten. Insgesamt sei das Bewusstsein für die Belange der Landwirtschaft in der EU-Kommission geschärft worden. Mit der Kommission „High Level Group“ sollen das Ungleichgewicht auf dem Milchmarkt erforscht - und Verbesserungs- möglichkeiten aufgezeigt werden. Auch die durch die EU geplante Aufhebung der Milchkontingentierung wurde kritisch hinterfragt. So wusste MdL Leopold Herz zu berichten, dass der Entfall der Obergrenzen in der Schweiz zu einer Überschwemmung des dortigen Milchmarktes geführt habe. Einen leidenschaftlichen Appell für den Erhalt der Konkurrenzfähigkeit der Milcherzeuger lieferte Anton Hörmann von der MEG Milch Board. Demnach müsse durch Zusammenschlüsse sicher gestellt werden, dass die Milchproduzenten mit den teilweise weltweit operierenden Milchkonzernen Vertragsverhandlungen auf gleicher Augenhöhe führen könnten. Hier sei die „High Level Group“ in besonderem Maße gefordert. Werner Hofmann, der die Veranstaltung moderierte, forderte gar, dass die etablierten Parteien in dieser Sache aufeinander zugehen müssten. Als eine Herzensangelegenheit bezeichnete Ulrike Müller die Ablehnung der grünen Gentechnik. Angestoßen hatte das Thema Armin Trestele aus dem Zuhörerkreis, der die Frage stellte, was die Politik gegen das Patentieren von Tieren und Pflanzen zu tun gedenke. Der Forderung nach einem Volksbegehren musste der ebenfalls anwesende MdL Bernhard Pohl jedoch eine Abfuhr erteilen. Regelungen zu dieser Problematik seien nicht auf der Ebene des Freistaates Bayern zu treffen. kpb

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