In Buchloe startet ein zukunftsweisendes Projekt für Pendler

Testfahrer für Elektroautos gesucht

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„Großer Bahnhof“ auf dem Buchloer Bahnhof. Die Auftaktveranstaltung zur Elektromobilität fand nicht nur in den Medien große Beachtung.

Bereits im Oktober sollen in Buchloe 14 Testfahrer ausgesucht werden, die für ein halbes Jahr kostenlos ein Elektrofahrzeug gestellt bekommen, Strom inklusive. Als Zugabe gibt es noch die Erlaubnis, das Fahrzeug auch für andere Fahrten privat zu nutzen. Dies ist Teil einer groß angelegten Studie, die den Nutzen der Elektroautos für Pendler zeigen soll.

Es klingt ein wenig wie Utopie. Ein Arbeitnehmer parkt sein Elektroauto am Buchloer Bahnhof auf dem P-R-Platz, schließt das Ladekabel an und kommt abends nach getaner Arbeit wieder mit der Bahn zurück nach Buchloe, um mit dem Auto nach Hause zu fahren. Die Batterien sind wieder mit Strom aus erneuerbaren Energien aufgeladen. Nicht zu Zeiten, wenn die Netze überlastet sind, sondern intelligent gesteuert vom Bordcomputer des Autos, der mit dem Computer des Stromanbieters kommuniziert. Der Strom soll dabei von Sonnenkollektoren, Biogasanlagen oder Windkraftanlagen in der Region erzeugt werden. 

Ganz so fern ist diese Utopie aber nicht. Bereits im Oktober sollen 14 Testfahrer ausgesucht werden, die für ein halbes Jahr kostenlos ein Elektrofahrzeug gestellt bekommen, Strom inklusive. Als Zugabe gibt es noch die Erlaubnis, das Fahrzeug auch für andere Fahrten privat zu nutzen. Auf den Datenschutz müssen die Probanden allerdings verzichten, denn ihre Mobilitätsdaten sind Bestandteil des Forschungsprojektes „ePlanB“, das die Entwicklung von intelligenten Lademanagementsystemen forcieren soll. Berücksichtigt werden dabei die Nutzerangaben wie Rückkehrzeit, Netzauslastung, Strompreis oder beispielsweise Wetterprognosen. 

Das Projekt startet am 6. Oktober mit einer Pendlerbefragung auf dem P+R-Platz in an der Karwendelstraße in Buchloe. Die Auswahl der Probanden erfolgt anhand eines Kriterienkataloges und weitergehender Analysen. Wer sich bewerben will kann in Kürze die Informationen auf der Projekthomepage www.eplanb.de abrufen. Parallel dazu erfolgt der Aufbau der acht Ladesäulen mit jeweils zwei Ladepunkten auf der P+R-Anlage an der Karwendelstraße in Buchloe. Der Feldversuch ist für die Dauer von zwei Jahren geplant. Der Plan sieht vor, dass die kostenlosen Elektroautos nach jeweils sechs Monaten an den nächsten Testfahrer weitergegeben werden müssen. 

Die Auftaktveranstaltung gab es letzte Woche in Buchloe. Die Stadt wurde ausgesucht, weil sich Buchloe zum zweitgrößten Umsteigebahnhof in ganz Schwaben entwickelt hat. Rund 500 Pendler, so habe eine Befragung aus dem Jahr 2009 ergeben, nutzten täglich den Bahnhof, betonte Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger. Die Pendler kommen aus dem ganzen Ostallgäu. Aus München angereist, wenn auch nicht mit dem Elektromobil, war Staatssekretär Franz Josef Pschierer. Für ihn ist die Elektromobilität ein Zukunftsthema für die bayerische Automobilindustrie. „Das Projekt unterstützt unser Ziel, Bayern zum Vorreiter bei der Elektromobilität zu machen. Wir stehen erst am Anfang und es ist ein langwieriger Weg“, betonte Pschierer. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft. Seine Ansätze gehen weit in die Zukunft. Elektroautos, so Mauch, führen zu neuen Lasten im Stromnetz, vor allem dann, wenn eine große Anzahl der Autos zur gleichen Zeit an die Ladestationen gehen, wie dies bei Pendlern typischerweise der Fall ist. 

Ziel sei es daher, durch eine intelligente Steuerung Spitzen zu begrenzen. Dies soll dann zur optimierten Ausnutzung des Stromnetzes führen. Mauch wies draüber hinaus darauf hin, dass intelligente Ladesysteme und die Nutzung erneuerbarer Energien zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes führen werden. Dies werde helfen, die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, die gegenwärtig in Gefahr sind. Mauch sieht nicht nur für Buchloe sondern auch für den Landkreis Ostallgäu einen erheblichen Mehrwert durch das Projekt. „Es lenkt die bundesweite Aufmerksamkeit auch auf Buchloe und die Region“, sagte Professor Mauch. 

Ganz billig ist der zukunftsweisende Feldversuch nicht. Das Budget wird etwa 1,3 Millionen Euro betragen. Davon tragen die Lechwerke AG und die LEW Verteilnetz GmbH rund 650000 Euro, der Freistaat Bayern fördert das Vorhaben mit knapp 600000 Euro. Landkreis und die Stadt Buchloe beteiligen sich jeweils mit rund 36000 Euro. Nicht nur Buchloes Bürgermeister Schweinberger ist stolz auf das zukunftsweisende Projekt. Auch Landrätin Maria Rita Zinnecker konnte in der Diskussionsrunde darauf verweisen, dass kaum eine Region die Energiewende so aktiv vorantreibe wie der Landkreis Ostallgäu. Auch für die Lechwerke und die LEW Verteilnetz GmbH ist das Projekt zukunftsweisend, geht es doch um die langfristige Optimierung der Energienetze bei zunehmender Zahl von Elektroautos. Vorstandsmitglied Norbert Schürmann von den Lechwerken und Dr. Norbert Kerber von der LEW Verteilnetz GmbH konnten viele Fragen beantworten. 

Gekommen waren auch die Landtagsabgeordneten Angelika Schorer und Dr. Paul Wengert und viele Bürgermeister aus dem Landkreis. Alle fanden das Projekt überzeugend, lediglich Stadträtin Amely Beutlrock befand, statt ein neues Parkdeck für Pendler zu bauen, solle man die Pendler lieber mit Elektrobussen aus dem Umland nach Buchloe befördern. Bürgermeister Josef Schweinberger antwortete, dass Pendler dies nicht annehmen würden. von csp

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