Nur Spaß?

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Das „Ensemble Radiks“ zeigte den Schülern an der Berufsschule Ostallgäu ein Stück über Cyber-Mobbing und Medienkompetenz.

Marktoberdorf – Die jungen Schauspieler Manuela Weirauch, Tom Pilath des „Ensemble Radiks“ aus Berlin gastierten mit der mobilen Theaterproduktion „Fake oder War doch nur Spaß“ von Karl Koch an der Berufsschule Ostallgäu. Die Schauspieler thematisierten anschaulich die persönlichen und rechtlichen Folgen von Beleidigungen, Bedrohungen und sexueller Belästigung über Internet und Handy sowie des Datenmissbrauchs.

Außerdem warf das Stück einen Blick auf die Erlebnis- und Medienwelt in sozialen Netzwerken, den „Neuen Medien“ sowie der persönlichen Identität im Zeitalter der Internetkultur.

Zur Einführung fand Schulleiter Remigius Kirchmaier vor den rund 155 Schülern aus acht Fachbereichen und zehn Klassen einführende Worte mit einem aktuellen Cyber-Mobbingfall der Berufsschule.

In der Theatergeschichte geht es um die 17-jährige Lea, die davon träumt, Sängerin zu werden. Als sie schließlich in eine Casting-Agentur aufgenommen wird und ihre vermeintlich beste Freundin Nadine nicht, weckt das deren Neid, erste Sticheleien und Ausgrenzungen beginnen, und schließlich weiten sich Mobbing-Attacken gegen Lea in diversen sozialen Netzwerken sowie über diverse Online-Communities aus. Lea wehrt sich zunächst gegen die Kommentare und Lügen, sie schreibt auch einen Rap-Song gegen die Mobber, den sie online stellt, allerdings mit sehr negativem Feedback. Anonyme Drohungen und Beleidigungen via Telefon und Handy folgen.

Das Theaterstück lässt es zu, sich in Lea hineinzuversetzen. Besonders eindrucksvoll fanden die Zuschauer den Rap-Song-Vortrag der Schauspielerin. Die ausgezeichnet gespielten Dialoge wurden dazu von kurzen Passagen unterbrochen, in denen, mit Hilfe von Kommentaren der Schauspieler, über das Gezeigte reflektiert werden konnte. Die Schüler verfolgten „live“ mit, wie rasant sich so eine Geschichte vom ursprünglich noch harmlosen „Zickenkrieg“ in einem Strudel von Neid und Missgunst, Intrigen und Lügen zu einem fast aussichtslosen Fall entwickelt, an dessen Ende es nur knapp gelingt, das Mobbing-Opfer Lea (hervorragend dargestellt von Manuela Weirauch) davor zu bewahren, sich aus Verzweiflung das Leben zu nehmen.

Im Anschluss an die Vorstellung konnten die Schüler den Darstellern Fragen über das Stück und dessen Thematik stellen. Präventiv regten die Schauspieler mit ihren Fragen wie „Wie hätte die Eskalation verhindert werden können?“ oder „War die Entwicklung absehbar?“ beziehungsweise „Wer hätte an welchem Punkt eingreifen können?“ die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken an. Eine Schülerin meinte: Manchmal höre Mobbing von allein wieder auf, man solle einfach nicht reagieren. Eine andere regte an, man solle sich an Vertrauenspersonen, wie Eltern, Lehrer, Sozialarbeiter wenden. Das erfordere jedoch sehr viel Mut.

„Und wir hoffen, dass die Botschaft des Stückes und der Schauspieler, dass es wichtig ist, an unserer eigenen Courage zu arbeiten, genau hinzuschauen und es nicht zuzulassen, dass jemand zum Mobbing-Opfer wird, bei allen angekommen ist“, so die Verantwortlichen.

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