Musikalische Museumsführung

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Trio „Musenwunder“ im Isergebirgs-Museum: Patrick L. Schmitz (v. li.), Franz Tröger und Aline Joers.

Kaufbeuren – Einen weiteren Schritt auf dem Weg zur kulturellen Vernetzung in Kaufbeuren haben jetzt das Kaufbeurer Stadtmuseum und das Isergebirgs-Museum Neugablonz mit ihrem gemeinsamen Thementag „70 Jahre Neugablonz. Vom Wegmüssen... und Ankommen“ getan.

An einem Tag der offenen Tür wurden den Besuchern die beiden aktuellen Sonderausstellungen anlässlich des 70-jährigen Ortsjubiläums von Neugablonz bei freiem Eintritt zugänglich gemacht. In beiden Häusern gab es zudem eine Reihe von Rahmenveranstaltungen.

Einen verbindenden Sonderplatz nahm dabei das Trio „Musenwunder“ ein. Aline Joers (Gesang und Rezitation), Franz Tröger (Moderation, E-Klavier, Harmonika, Zither, Mini-Gitarre und Mini-Leierkasten) und Patrick L. Schmitz (Gesang, Rezitation und Heinz-Erhard-Darstellung) boten – allerdings gebührenpflichtig – eine besondere Ausstellungsführung an: Unter dem Titel „Mal eben schnell die Heimat wechseln“ brachten sie in den verschiedenen Abteilungen der Ausstellungen thematisch passende heitere und nachdenkliche, gemütvolle und freche Lieder und Texte zu Gehör. 

Sie wiesen darauf hin, dass Migration nichts Neues sei, das habe mit der Vertreibung aus dem Paradies schon in der Bibel angefangen und Fortsetzungen im Auszug aus Ägypten unter Moses sowie Marias und Josefs Flucht nach Ägypten gefunden. Seitdem habe es in allen Jahrhunderten Völkerwanderungen, Vertreibungen und Fluchten vor Krieg oder elendem Verhungern gegeben.

Aber immer konnte man auch Fröhlichkeit und Hoffnung finden, was Lieder wie „Irgendwo auf der Welt gibt‘s ein kleines bisschen Glück“ oder „There‘s a place for us“ aus der Westside-Story belegen. Allerdings gibt es auch Liedtexte voller Vorurteile gegenüber anderen Völkern, so dass Franz Tröger beschloss, mit Rolf-Bernhard Essig lieber ein eigenes Volkslied über Heimat zu schreiben: „Wo es gut ist, ist Heimat, wo die Heimat, ist’s schlimm. Wo nur find’ ich eine Heimat, wo ich ganz daheim bin?“.

Texte quer durch die Weltliteratur und aus allen Jahrhunderten – zum Beispiel von Robert Louis Stevenson („Emigrant aus Leidenschaft“), Ben Rawlence („Stadt der Verlorenen“ über Dadaab, das größte Flüchtlingslager der Welt mit einer halben Million Insassen), Wladimir Kaminer („Russen in Berlin, Ibn Dschubair (im Jahr 1184): „Damaskus“, diverse Heinz-Erhardt-Gedichte oder aktuelle „Deutschland-Bedienungsanleitungen“ für Asylbewerber – ergänzten den musikalischen Teil.

Etwa zur Halbzeit der Führung wurden die Teilnehmer in einen Shuttle-Bus nach Neugablonz verfrachtet. Unterwegs gab es Museums-Zuckerl als „Reiseproviant“ und weitere Musikdarbietungen. Die Teilnehmer waren immer wieder zum aktiven Mitmachen gefordert, sei es beim mehrteiligen Flüchtlings- und „Wortmigranten“-Quiz, bei dem es Glückskekse zu gewinnen gab, oder beim Kanon „Liebe und Ringe sind eeeeendlose Dinge“ im Bus.

Im Isergebirgs-Museum ging es genau so vielseitig weiter. Es folgten erneut thematisch passende Lieder – eines auf japanisch – sowie Texte unter anderem von Ephraim Kishon über fremdes Essen, Gustav Leutelt über einen Wintersonnentag im Isergebirge, Kurt Tucholskys Definition von Heimat, Ruth Klüger („Flucht aus Auschwitz“), eine Hetzrede von Jakob Fischbacher, dem Gründer der Bayernpartei, und das Zitat eines Gesprächs zwischen Gutemine und Methusalix „Ich habe nichts gegen Fremde, aber diese Fremden da – die sind nicht von hier!“ sowie Thomas Morus, der den Londonern in Shakespeares einziger erhaltener Handschrift die Leviten liest: „... So ist das Los der Fremden hier bei uns, und so ist euer Berg von Inhumanität!“.

Zum Abschluss erklang das „Feierabendlied“ in der Adlergebirgsmundart und hinterließ das von dieser etwas anderen Führung beeindruckte Publikum mit gemischten Gefühlen zwischen Lachen über Heinz Erhard und betroffener Nachdenklichkeit: „Sind wir Deutschen wirklich so?“

von Ingrid Zasche

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