Fliegerhorstsiedlung: Delta Liegenschaftsverwaltung beruhigt zermürbte Mieter

Ab 1. November wieder eine Heizung

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In der Fliegerhorstsiedlung ist die Bautätigkeit, die aktuell für Aufwertungen und ein eigenes Fernwärmenetz sorgen soll, auch am Sonntagabend nicht zu übersehen.

Kaufbeuren – Die Mieter in rund 200 Kaufbeurer Wohnungen müssen derzeit ohne reguläre Heizung leben: In der Fliegerhorstsiedlung am südlichen Rand der Stadt macht sich angesichts des nahenden Winters so langsam Besorgnis breit. Und Zermürbung: Sind sie doch schon seit Juli nicht mehr an das öffentliche Fernwärmenetz angeschlossen.

Grund: Die Münchner Delta Liegenschaftverwaltungsgesellschaft, die das 7,8 Hektar große Gelände von der BImA gekauft hat, muss eine eigenständige Versorgung mit Fernwärme installieren. Bislang kamen Warmwasser und Heizenergie vom Netz des Fliegerhorstes. Die Arbeiten seien im vollen Gange, so die Delta – laut einer aktuellen Pressemeldung von Erdgas Schwaben ist der Erdgas-Anschluss allerdings bereits seit Ende September fertiggestellt und könnte, so Christian Bergmann, technischer Leiter der Region Süd bei Schwaben Netz, „jederzeit in Betrieb genommen werden“. 

Schimmel an den Wänden und feuchte Räume gebe es in den Wohnungen: Einige Mieter der Fliegerhorstsiedlung machen ihrem Ärger im Rahmen einer „Initiative Fliegerhorst“ mittlerweile sogar auf einer eigens eingerichteten Homepage Luft. Die Delta Liegenschaftsgesellschaft beruhigt indes: Das geplante lokale Fernwärmenetz sei „in der Abschlussphase“, bis 1. November sollen die Arbeiten laut Mitteilung an den Kreisboten abgeschlossen sein. Zudem stelle man derzeit in der Übergangsphase elektrische Heizgeräte zur Verfügung. 

Die Blockwohnungen an der Apfeltrangerstraße stammen noch aus den 1950er Jahren, dienten lange als Unterkünfte für Militärangehörige. Mit der Zeit wandelte sich die Nutzung immer mehr in die Vermietung an Privatpersonen. Bis Juni dieses Jahres gehörte das Areal der BImA (Bundesanstalt für Immobilien). Die verkaufte im Rahmen der Bundeswehrreform an die Münchner Delta Liegenschaftverwaltungsgesellschaft, seit Juli neue Eigentümerin der rund 200 Wohnungen (wir berichteten). 

Damit begannen die Unannehmlichkeiten, denn ein wesentlicher Bestandteil des Kaufvertrages war, so Sandra Moro, verantwortliche Beauftragte der Hausverwaltung der Delta, die Installierung einer eigenständigen Versorgung mit Wasser- und Heizenergie. Seit Juni ist die Siedlung also laut Vertrag vom bisherigen Versorger, dem Fliegerhorst, abgekoppelt. 

Als „Übergangslösung“ stellt die neue Besitzergesellschaft nach eigener Aussage „leistungsstarke elektrische Heizgeräte“ zur Verfügung – gemeint sind damit laut der Homepage der Initiative Fliegerhorst schlicht Heizlüfter, die in den bis zu 110 Quadratmeter großen Wohnungen für die nötige Wärme sorgen sollen. Die derzeitige Baustelle in der Fliegerhorst-Siedlung sei unübersehbar, Handwerker und Bauarbeiter seien im Dauereinsatz, um ab dem anvisierten Termin 1. November die Wohnungen wieder richtig heizen zu können, heißt es dazu von der Delta Liegenschaftsverwaltungsgesellschaft. „Aktuell wird eine der großen Aufgaben, die mit dem Kauf des Geländes verbunden war, abgeschlossen. Die bislang an den ehemaligen Fliegerhorst der Bundeswehr angeschlossene Versorgung mit Wasser- und Heizenergie geht damit in die Eigenständigkeit. Dies war eine wesentliche Bedingung für den Erwerb der Anlage“, so die Erklärung von Sandra Moro. 

Nun seien die „Arbeiten zum Anschluss an ein lokales Fernwärmenetz in der Abschlussphase.“ Ab 1. November verfügen die Mieter demnach über die Vorteile einer energetisch hochmodernen Heizungsanlage vor Ort mit Fernwärme. „Sowohl die zentrale Heizungsanlage und Fernwärmeleitungen zu den Wohnhäusern als auch Übergabestationen, Wasserpumpen und vieles mehr mussten neu angeschafft, verlegt und installiert werden“, beschreibt Moro aus Unternehmenssicht die Zustände der vergangenen Monate. In wenigen Tagen könne die Heizung nun in Betrieb gehen. „Ein Meilenstein, für den wir dankbar sind, da mit den Umbauarbeiten leider unvermeidbare Belästigungen für die Hausbewohner einhergingen“, räumt Moro Unannehmlichkeiten ein. Für noch mehr Fragezeichen sorgte am Freitag eine Pressemeldung des Unternehmens Erdgas Schwaben, in der betont wurde, der Erdgasanschluss einschließlich der Erdgas-Übergabestation sei seit dem 30. September betriebsbereit. Sandra Moro dazu: „Es hat keine Relevanz, ob Erdgas Schwaben bis zum 30. September fertig gewesen ist, da dies nur einen kleinen Teil des Gesamtprojekts ausgemacht hat. Vielmehr ist es das Zusammenspiel vieler beteiligter Firmen und Behörden in Verbindung mit der Komplexität und Größe des Gesamtprojektes, das zu so einer Verzögerung führen kann. Ein Versäumnis der Delta liegt dabei nicht vor. Darüber hinaus ist es nicht im Interesse der Delta, einzelne Projektschritte beziehungsweise Projektpartner öffentlich zu bewerten“. 

Angenommen, die Heizungen in den rund 200 Wohnungen der Fliegerhorstsiedlung funktionieren ab dem 1. November reibungslos, sind weitere Unstimmigkeiten zwischen den Mietern und ihrem neuen Vermieter schon jetzt abzusehen: „Gezielte Entmietung durch Experten“, bemängelt die Initiative Fliegerhorstsiedlung. Das Unternehmen scheint auf Auseinandersetzungen ebenso vorbereitet und bringt sich schonmal wie folgt in Stellung: Die komplette Modernisierung der Wohnungen vorerst eines der Häuser „beinhaltete die Sanierung der Bäder, den Austausch alter PVC-Böden beziehungsweise die Neuaufbereitung des Parketts sowie Malerarbeiten“. Dabei betont Moro, dass hier keine „Luxussanierung“ stattgefunden habe, sondern lediglich eine Anpassung des Wohnstandards an heutige Gegebenheiten: „Es findet keine Entmietung statt, im Gegenteil, wir möchten unsere Mieter behalten“. Von Michaela Frisch

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