Flüchtlingszahlen steigen – Kaufbeurer Jugendhilfe berichtet

Es bleibt noch viel zu tun

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Das Kolping-Bildungswerkes in Kaufbeuren ist derzeit für 18 „unbegleitete Minderjährige" da.

Kaufbeuren – Die Asylbewerberzahlen in Deutschland sind in der vergangenen Zeit allgemein deutlich angestiegen. Auch die Stadt Kaufbeuren muss sich dieser Situation zunehmend stellen. Ein bisher in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommenes Pro- blem ist die rasant steigende Zahl von Minderjährigen, die ohne jegliche familiäre Unterstützung bei uns ankommen – im Amtsdeutsch so- genannte „unbegleitete Minderjährige“ (uM). Von 2012 bis 2015 stiegen die Zahlen bisher um das Zehnfache.

Dies wurde in der ersten Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Stadt für das Jahr 2015 in der vergangenen Woche deutlich. Werner Maurer, von der städtischen Abteilung Kinder, Jugend und Familie, Soziale Dienste berichtete dem Ausschuss, dass die Jugendhilfe in Kaufbeuren zweifach betroffen sei. Zum einen haben Ausländer (also auch alle Asylbewerber mit ihren Kindern), die sich mindestens seit sechs Monaten rechtmäßig oder aufgrund einer ausländerrechtlichen Duldung in Deutschland aufhalten, Anspruch auf Leistungen nach dem SGB VIII. Zum anderen obliegt den Jugendämtern für alle Kinder und Jugendlichen die Aufgabe des sogenannten „Kinderschutzes“. 

Jugendämter zuständig 

Aus diesem Kinderschutz leitet sich ab, dass auch in Deutschland aufgegriffene unbegleitete Minderjährige in den Zuständigkeitsbereich der Jugendämter fallen. Zunächst im Rahmen der Abwehr einer Gefährdung nach Aufgreifen durch sogenannte „unmittelbare lnobhutnahme“, später durch Umwandlung der lnobhutnahme in eine sogenannte reguläre stationäre Jugendhilfemaßnahme. Nach den Worten von Maurer herrsche in den grenznahen Jugendämtern von Rosenheim, Passau und der Landeshauptstadt München bereits „Land unter“. Inzwischen erfolgen Zwangszuweisungen an die Jugendämter in Bayern, ein „Maßnahme- und Notfallplan“ wurde ausgearbeitet. Die jüngsten Zahlen sind laut Maurer alarmierend: Nachdem für 2015 ursprünglich rund 5000 uM für Bayern prognostiziert waren, gehen neueste Prognosen von etwa 10.000 bis 15.000 uM aus. 

Für die auf Kaufbeuren angesetzte Quote der Asyldurchführungsverordnung (DV-Asyl) bedeuten dies 48 bis 66 unbegleitete Minderjährige, inklusive der bereits vorhandenen 18, welche im Kolping-Bildungswerk betreut werden. Gerhard Scholze vom Kolping-Bildungswerk in Kaufbeuren ergänzte das Thema durch einen Erfahrungsbericht. Seit Ende des vergangenen Jahres leitet er die Wohngruppe des Trägers für unbegleitete Minderjährige und koordiniert die Arbeit für die Personengruppe vor Ort. Dabei handelt es sich um 18 männliche Jugendliche über 16 Jahre aus Eritrea und Afghanistan. 

„Die Jugendlichen sind in der Regel in gesunden und sozialen Familienstrukturen groß geworden“, so Scholze, „aber durch die Erlebnisse auf der Flucht traumatisiert.“ Beispielhaft erzählt er von einem jungen Afghanen, der neun Monate und einem zwölfjährigen Eritreer, der viereinhalb Jahre unterwegs war. „Die Gruppe funk- tioniert gut. Es gibt klare Regeln für Ordnung und Sauberkeit und nach einem halben Jahr Deutschkurs ist der Alltag machbar“, macht der Betreuer deutlich. 

Doch für die Stadt bleibt noch viel zu tun. So sind eventuell Plätze außerhalb von Jugendhilfeeinrichtungen notwendig sowie Sozialdienst und wirtschaftliche Jugendhilfe werden mit deutlich höheren Fallzahlen belastet. Hinzu kommen rund 35 bis 40 neue Vormundschaften. von Wolfgang Becker

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