Unfallstatistik zeigt: "Schwache Verkehrsteilnehmer" besonders gefährdet

Weniger Unfälle, aber mehr Tote

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Radfahrer gehören neben den Fußgängern laut Polizeipräsident Werner Strößner zu den Personengruppen, die 2014 im Bereich des Präsidiums Schwaben Süd/West am häufigsten von Unfällen betroffen waren.

Schwaben/Ostallgäu – Auf den ersten Blick erfreulich: Im Jahr 2014 gab es im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in fast allen Städten und Landkreisen weniger Unfälle als noch im Jahr zuvor. Auch gab es insgesamt weniger Verletzte.

Anlass zur Sorge gibt aber laut Polizeipräsident Werner Strößner die Tatsache, dass bei den Unfällen so viele Radler und Fußgänger getötet wurden wie schon lange nicht mehr. Erstmals überstieg zudem bei den Unfallverursachern die Zahl der über 65-Jährigen die der klassischen „Fahranfänger“ und jungen Fahrer im Alter zwischen 18 und 24. 

Die Gesamtzahl der Unfälle im gesamten Präsidiumsbereich ist um 3,5 Prozent auf rund 24.500 Unfälle leicht zurückgegangen – der erste Rückgang seit 2011, wie die Polizei im Unfallbericht für das Jahr 2014 mitteilt. Zusammenhängen dürfte dies laut den Beamten zu einem wesentlichen Teil mit dem milden Winter Anfang 2014. Zurückgegegangen ist zudem die Zahl der Verletzten bei Verkehrsunfällen: Nachdem der entsprechende Wert bis 2003 noch deutlich über 6000 lag, sank die Zahl in den letzten Jahren stabil auf ein Niveau von rund 5500 Menschen jährlich. 

Mehr Tote bei Radfahrern 

Obwohl die Zahl der Unfälle rückläufig ist, gab es mehr Unfalltote. Waren es 2013 noch 45 Menschen, die in Schwaben Süd/West bei Unfällen starben, waren es 2014 schon 50. Betroffen waren vor allem die sogenannten „schwachen Ver- kehrsteilnehmer“ Fußgänger und Radfahrer. So schnellte die Zahl der getöteten Fußgänger von einem in 2013 auf sechs in 2014 hoch. Auf den Straßen im Präsidiumsbereich verloren zudem mit zwölf tödlich Verunglückten doppelt so viele Fahrradfahrer ihr Leben wie noch ein Jahr zuvor. Nachdenklich stimme, so Polizeipräsident Werner Strößner, dass acht von ihnen keinen Helm trugen – „ein Zeichen dafür, dass hier die Präventionsbemühungen noch nicht wie gewünscht greifen“. 

Er appelliert an Radfahrer und Fußgänger, „im Interesse der eigenen Gesundheit und des eigenen Lebens“ für eine gute Erkennbarkeit im Straßenverkehr zu sorgen und vor allem „konsequent Fahrradhelm zu tragen“. Denn auch bei den Radfahrern, die bei einem Unfall verletzt wurden, gab es einen Anstieg um 9,5 Prozent auf 1206 Verletzte. Dies ist die höchste Zahl seit mindestens 1987. 

Viele Fußgänger und Radfahrer, die ihr Leben im Straßenverkehr verloren, waren laut Polizei über 74 Jahre alt. Von ihnen wurden die Unfälle mehrheitlich selbst verursacht. Das Alter der Unfallverursacher spiegele damit zunehmend die gesamte Bevölkerungsstruktur wider, so Strößner. Erstmals liege der Anteil der Verkehrsteilnehmer über 65, die einen schweren Verkehrsunfall verursacht haben, im Schutzbereich mit 19,6 Prozent über dem entsprechenden Anteil der jungen Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren mit 19,2 Prozent. Damit sank der Anteil der jungen Fahrer als Unfallverursacher innerhalb von fünf Jahren um 4,7 Prozent, während der Anteil der Senioren um 4,1 Prozent anstieg. 

Eine positive Entwicklung wurde im Präsidiumsbereich bei den schweren Unfällen mit Pkw-Fahrern und Motorradfahrern festgestellt. Hier konnte mit 23 Verkehrstoten der niedrigste Wert beziehungsweise mit neun Verkehrstoten der zweitniedrigste Wert seit Bestehen der Unfallstatistik verzeichnet werden. Mit 492 verletzen Bikern gab es 2014 ebenfalls den niedrigsten Wert seit Bestehen der Unfallstatistik (Zehn-Jahresschnitt: 646). 

Die verringerten Zahlen bei den getöteten Pkw- und Kradfahrern sind laut Polizeipräsident Strößner ein Beleg dafür, dass die Kombination aus Optimierung bei Straßenbau, Fahrzeugtechnik sowie Rettungs- wesen, aber auch durch die Strategie „Repression und Prävention“ hier mittelfristig zum Erfolg beitragen. 

Strößner bleibt jedoch angesichts der Gesamtentwicklung wachsam: Zwar liege die Gesamtzahl der Verkehrstoten – trotz genannter Steigerung auf 50 – immer noch deutlich unter dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre mit rund 64 Toten pro Jahr. Aber: „Das Leid, das schwere und tragische Unfälle über Beteiligte und Angehörige gebracht haben, kann die Verkehrsunfallstatistik nicht widerspiegeln. Jeder Verkehrstote ist einer zuviel. Wir werden daher weiter die Hauptunfallursachen bekämpfen und damit unseren Beitrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit leisten“. 

Allgemeine Statistik 

2014 ereigneten sich wie in den Vorjahren die meisten tödlichen Verkehrsunfälle in Schwaben Süd/West außerhalb geschlossener Ortschaften. Die Ursachen der Verkehrsunfälle verteilen sich statistisch wie folgt: Am häufigsten krachte es durch Abbiegen, Wenden, Rückwärts-/Ein- und Anfahren (23 Prozent), es folgen Vorfahrtsverletzungen mit 14,9 Prozent und Nichtbeachtungen des Rechtsfahrgebotes mit 13,3 Prozent. 

Aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit passierten 8,8 Prozent der Unfälle, Fehler beim Überholen und Vorbeifahren machen 4,7 Prozent, Missachtungen des Sicherheitsabstandes 9,1 Prozent sowie Alkohol- und Drogeneinfluss 2,4 Prozent der Gesamtstatisitk aus. Wildunfälle betragen laut Polizei etwa ein Sechstel an allen Verkehrsunfällen. Die Gruppe der Kleinunfälle, bei denen keine qualifizierte Unfallaufnahme erfolgt, stellt mit 55,6 Prozent den Hauptteil der polizeilich erfassten Unfälle dar. 

Kaufbeuren 

Während sonst in allen Landkreisen und kreisfreien Städten im Präsidiumsbereich die Zahl der Unfälle sank, blieb sie in der Stadt Kaufbeuren mit 1113 praktisch auf Vorjahresniveau (minimales Plus von 0,3 Prozent). Ein Mensch wurde dabei getötet (2013: keine Unfalltoten). Allerdings gab es hier etwas weniger Verletzte (2013: 250 Verletzte, 2014: 226). 

Ostallgäu

Im Landkreis Ostallgäu sank die Zahl der Unfälle um 3,27 Prozent, (113 Unfälle) leicht, die Zahl der Unfalltoten verdoppelte sich hier im vergangenen Jahr jedoch auf zehn. Auch stieg die Zahl der Verletzten laut Polizeibericht von 748 (2013) auf 808 in 2014.

von Michaela Frisch

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