Freigabe in aller Stille

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Seit dem Bezirksmusikfest rollt auch der Autoverkehr unter der neuen Bahnunterführung an der Augsburger Straße. Unser Foto zeigt Stadtbaumeister Herbert Wagner bei einer Ortsbesichtigung.

Buchloe – Seit dem Bezirksmusikfest rollt der Verkehr durch die neue Unterführung an der Augsburger Straße. Eine feierliche Einweihung gab es nicht. Eher unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde die Straße zwischen Buchloe und Lamerdingen freigegeben.

Trotzdem, das Ganze wirkt noch etwas unfertig, weil der Mittelstreifen fehlt. Den wird es aber nicht geben. Das sagte Stadtbaumeister Herbert Wagner unserer Zeitung mit Verweis auf die Rechtslage.

Ursache der Baumaßnahme war das Brückenerneuerungsprogramm der Bahn. Die mehr als 110 Jahre alte Brücke galt als nicht mehr sanierungsfähig. Zudem war die Unterführung sehr schmal, ein Fuß- und Radweg war ebenfalls nicht vorhanden.

Als die Bahn die Pläne für die Brückenerneuerung vor einigen Jahren auf den Tisch legte, nutzte die Stadt die Gelegenheit, ihre Vorstellungen über einen Fuß- und Radweg in die Planungen einzubringen. Die Kosten dafür musste die Stadt allerdings selbst bezahlen. Bürgermeister Josef Schweinberger hatte im Stadtrat von einer einmaligen Chance gesprochen, die man nur alle einhundert Jahre einmal bekomme. Das Argument überzeugte auch den Stadtrat, der trotz der Verschuldung der Stadt sich mehrheitlich für die Übernahme der Kosten für den Rad- und Fußweg aussprach. Der Neubau der Brücke musste die Bahn als Verursacher bezahlen. Für den Straßenbau war das Staatliche Bauamt in Kempten zuständig, da es sich um eine Staatsstraße handelt.

Die neue Unterführung ist breiter und höher als die alte. Noch vor einem Jahr konnten gerade einmal zwei PKW nebeneinander durch das Nadelöhr fahren und das war schon knapp. Mit der neuen Breite von 11,80 Meter können nun sogar zwei Busse ohne Probleme aneinander vorbeifahren. Außerdem sorgt eine Beleuchtung für mehr Sicherheit.

Technisch war das Brückenbauwerk eine Herausforderung an die Ingenieure. Der Bahnverkehr sollte möglichst nur ganz kurzfristig unterbrochen werden. Deshalb bauten die Ingenieure die neue 1800 Tonnen wiegende Brücke neben der alten Brücke auf (wir berichteten). Auf Schienen schoben die Techniker dann nach dem Abriss der alten Brücke das neue Bauteil auf Schienen ein. Mit dieser Technik gelang es, den Schienenverkehr bis auf eine Woche aufrecht zu erhalten. Dafür dauerte die Straßensperrung umso länger. Eigentlich sollte die Straße noch vor Weihnachten 2015 fertig sein. Doch es gab eine Reihe von Verzögerungen.

Wegen des hohen Grundwasserstandes mussten die Techniker eine Bodenwanne einbauen, auf der die neue Straße verläuft. Während der Brückenbauarbeiten sorgten Grundwasserpumpen und Spundwände dafür, dass die Baustelle nicht überflutet wurde. Nach Auskunft des Staatlichen Bauamtes in Kempten war der Bau der Bodenwanne sehr aufwändig, da der ganze Bereich in einer Kurve liegt.

Überschattet wurden die Bauarbeiten beim Einschub der neuen Brücke durch einen schweren Arbeitsunfall.

Für die Bahn ist die Buchloer Brückensanierung ein Baustein des Großprojektes „Elektrifizierung und Ausbau der Strecke München-Memmingen-Lindau“. Bis ins Jahr 2020 werden mehr als 300 Millionen Euro in die Region investiert. Insgesamt umfasst das Streckennetz in Bayern 6000 Kilometer. Nach Auskunft der Bahn sollen in einer der größten Investitionsoffensiven etwa 200 Brücken neu gebaut oder saniert werden. Weiter werden rund 1200 Kilometer Gleise binnen fünf Jahren ausgetauscht. Im Zuge der Buchloer Bauarbeiten wurde nicht nur die Brücke an der Augsburger Straße erneuert sondern auch eine kleinere Brücke über einen Feldweg nahe Holzhausen gebaut.

von Siegfried Spörer

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