Vogelgrippe breitet sich aus

Vogelgrippe im Ostallgäu?

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Das Landratsamt des Nachbarlandkreises Landsberg richtet nach dem Fund einer infizierten toten Lachmöwe vor Breitbrunn eine drei Kilometer breite Schutzzone um den Ammersee ein.

Landkreis – Die Vogelgrippe mit dem Virus H5N8 zieht in Bayern immer weitere Kreise. Nach infizierten Vögeln am Bodensee, wurden auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Starnberg Tote Wildvögel mit dem Virus aufgefunden. Mit dem Fund einer toten Seeschwalbe am Ammersee-Ostufer bei Breitbrunn, die durch die H5N8-Infektion umgekommen ist, ist der Virus vor den Toren des Landkreises Landsberg angekommen. Von dort ist es nicht mehr weit zum Landkreis Ostallgäu.

Auch wenn aktuell laut Ralf Kinkel, Oberregierungsrat beim Landratsamt Ostallgäu und Abteilungsleiter Kommunalrecht, Sicherheit und Verbraucher, keine Verdachtsfälle vorliegen, werden derzeit vier Vögel, die im Ostallgäu und in Kaufbeuren tot aufgefunden wurden, auf den Virus hin untersucht.

Laut Kinkel werden dem Landratsamt Ostallgäu momentan tote Wildvögel gemeldet, das bedeute aber nicht, dass es ungewöhnlich viele tote Wildvögel gebe. „Die Aufmerksamkeit der Bevölkerung ist durch die Berichte über Vogelgrippe-Fälle am Bodensee und in Bayern erhöht“, so der Oberregierungsrat. Kinkels Angaben zufolge hat das Landratsamt vier tote Vögel zur Untersuchung auf den H5N8-Virus in das Labor des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit geschickt. Dies ließe aber nicht darauf schließen, dass die Tode der Taube und eines unbestimmten Vogels in Kaufbeuren sowie zwei toter Schwäne am Schlingener See und Bachtelsee auf die Virusinfektion zurückzuführen sind. Vielmehr ließen die Umstände und der Zustand der toten Wildvögel „aktuell keinen Verdacht auf Vogelgrippe zu“, so Kinkel gegenüber dem Kreisbote. Er hofft, dass das Ergebnis der Untersuchung bis zum Wochenende feststeht.

Prognose für die Vogelgrippe

Aufgrund der aktuellen Verbreitung von H5N8 bei Wildvögeln in Polen, Ungarn, Schweiz, Österreich und Deutschland geht das Friedrich-Löffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) dem Oberregierungsrat zufolge von einem „hohen Eintragsrisiko“ durch direkte und indirekte Kontakte zwischen Wildgeflügel und Nutzgeflügel aus.

Im Landkreis Ostallgäu sind 1077 Geflügelbestände mit insgesamt 36.307 Tieren registriert. Die zehn größten Geflügelhalter haben rund 20.000 Tiere, so dass es im Landkreis vor allem kleine Haltungen gibt, sagte Kinkel auf Anfrage. Im Fall eines Nachweises für H5N8 würde um den Fundort oder Geflügelbetrieb ein Sperrbezirk eingerichtet. „Dort ist alles Geflügel im Stall zu halten, Transporte von Geflügel sind eingeschränkt, Geflügelmärkte verboten und Geflügelhalter haben strengere Reinigungs- und Desinfektionsvorschriften einzuhalten“, so der Oberregierungsrat. Wie Kinkel weiter erklärt, werden „je nach Beurteilung des Risikos Maßnahmen wie eine Stallpflicht oder das Verbot von Geflügelmärkten oder -ausstellungen auch auf den gesamten Landkreis ausgeweitet“.

Ansteckungsrisiko für Menschen

Das Risiko einer Ansteckung für den Menschen ist laut Kinkel eher gering. In Einzelfällen könne es auch zu einer Übertragung dieser Influenzaviren auf Säugetiere oder Menschen kommen. „Dies setzt jedoch einen engen Kontakt zwischen einem infizierten beziehungsweise erkrankten Vogel und einem Tier beziehungsweise Menschen voraus. Deshalb besteht das größte Ansteckungsrisiko für Menschen, die beruflichen Kontakt zu Geflügel haben oder Geflügelhalter sind“, betont Kinkel. 

Was zu tun ist, wenn Sie einen toten Vogel finden und weitere Informationen und Verhaltensregeln:

• Fassen Sie tote Wasservögel (zum Beispiel tote Wildenten, Wildgänse oder Schwäne) nicht an, sondern informieren Sie das Veterinäramt über den Fund toter Wasservögel unter der Telefonnummer 08342/911-213. Die Vögel werden dann von Mitarbeitern des Veterinäramtes oder der Feuerwehr fachmännisch geborgen und zur Analyse an ein Labor versandt. Von der Vogelgrippe sind vor allem Wasservögel und Hausgeflügel betroffen, Singvögel weniger beziehungsweise nicht.

• Wenn Sie (Hobby-) Geflügelhalter sind, Ihre Tierhaltung jedoch bislang noch nicht beim Veterinäramt gemeldet haben, holen Sie dies umgehend unter Angabe von Name, Adresse und Anzahl der gehaltenen Tiere nach.

• Leinen Sie Ihren Hund an, wenn Sie mit ihm im Uferbereich spazieren gehen. Jagende Hunde können Wildvögel aufschrecken und damit zu einer Virusverbreitung führen. Wenn Sie als Katzenhalter nah am Uferbereich wohnen, wird empfohlen, die Tiere nicht frei laufen zu lassen. Eine Übertragung auf Hunde und Katzen ist eher unwahrscheinlich, aber nicht ganz ausgeschlossen.

• Der Verzehr von Geflügelfleisch, Eiern und sonstigen Geflügelprodukten ist unbedenklich. Selbst bei einer Infektion von Hausgeflügelbeständen ist für den Verbraucher keine Gefahr zu erwarten, weil das Virus bereits bei +70 Grad Celsius – und damit bei der üblichen küchenmäßigen Zubereitung – sicher abgetötet wird.

von Martina Staudinger

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