Mögliche Kooperation im Visier

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Gemeinsamer Netzbetrieb? VWEW und AllgäuNetz prüfen derzeit eine künftige Kooperation auf diesem Geschäftsfeld.

Kaufbeuren/Allgäu – Das Kommunalunternehmen Vereinigte Wertach Elektrizitätswerke GmbH (VWEW) und die Allgäu Netz GmbH & Co. KG (AN) prüfen gegenwärtig, inwieweit das Erbringen von gemeinsamen Netzdienstleistungen ökonomische Vorteile für beide Unternehmen bringt. Dies bestätigte Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse als Aufsichtsratsvorsitzender der VWEW auf eine Anfrage des Kreisbote in einer schriftlichen Stellungnahme.

Im Ergebnis würde dann der bisher im Kommunalunternehmen etablierte Netzbetrieb inklusive der Arbeitskräfte in die 2005 durch das Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW) in Kempten gegründete AN ausgegliedert werden. 

Wie Bosse mitteilte, sei die Prüfung strategischer Optionen zur Weiterentwicklung von Unternehmen nichts Ungewöhnliches, sondern „vielmehr wiederkehrende und originäre Aufgabe der Unternehmensleitungen“. Gerade im Bereich des Netzbetriebes sei in den letzten Jahren für alle Verteilnetzbetreiber ein erheblicher Kostendruck entstanden, der sich weiterhin verschärfen werde. Insbesondere durch die kürzlich von der Bundesregierung verabschiedete neue Anreizregulierungs-Verordnung (ARegV 2.0) verstärke sich der Effekt, denn die staatlich genehmigten Netzeinnahmen sinken laut Bosse über die Dauer einer Regulierungsperiode von fünf Jahren jährlich, bis ein vorab festgelegter Effizienz­wert erreicht wird. 

Gleichzeitig stiegen aber die Anforderungen an den Unterhalt der Netze, da den Verteilnetzen aufgrund der anwachsenden Einspeisung von erneuerbaren Energien, eine immer stärkere Bedeutung zukommt. „Das Projekt zwischen VWEW und Allgäu Netz ist in diesem Kontext als Bündelung gemeinsamer Kräfte zu verstehen“, erläutert der Aufsichtsratsvorsitzende, „und wird ergebnisoffen durchgeführt.“ Es untersuche „relevante Arbeitsbereiche nach prozessoralen, investiven und kapazitiven Synergiepotenzialen“. Welche Auswirkungen eine mögliche Umsetzung des Projektes auf die wirtschaftlichen Parameter der Unternehmen haben würden, sei noch nicht valide darstellbar. Erst mit Vorliegen des Projektergebnisses Ende des Jahres könnten diese Fragen beantwortet werden. 

Wie Bosse erklärt, seien die Aufsichtsräte und Gesellschafter danach aufgefordert, die Projektziele und -ergebnisse abzugleichen und eine Entscheidung herbeizuführen. Dann würden in diesem Zusammenhang auch soziale Gesichtspunkte in die Bewertung einfließen. Das Projekt habe nicht den Arbeitsplatzabbau zum Ziel. „Die Beschäftigten werden, sofern das Projekt umgesetzt wird, keine Nachteile in Kauf nehmen müssen“, heißt es in der Erklärung, „alle Mitarbeiter der VWEW und auch der AN werden ihren Arbeitsplatz behalten.“ 

In beiden Häusern werde das Projekt sehr transparent kommuniziert und die Betriebsratsvorsitzenden von VWEW und AN seien über ihren Sitz im Lenkungsausschuss informiert und könnten mitgestalten. Somit werde das Projekt nicht gegen die Belegschaft, sondern in enger Abstimmung mit ihr durchgeführt. „Ich bitte um Verständnis, dass noch nicht alle Fragen, entsprechend des Projektstandes, mit Zahlen unterlegt werden können“, so der Aufsichtsratsvorsitzende abschließend in seiner Stellungnahme.

von Wolfgang Becker

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