Ein Wahrzeichen wird gefeiert

40 Jahre Rüdigerbrunnen in Neugablonz: Wahrzeichen einer Stadt und Symbol für Treue und Verlässlichkeit. Foto: Becker

Ein besonderes Jubiläum konnten die Neugablonzer Bürger am traditionell stattfindenden „Tag der Heimat“ feiern: Vor vierzig Jahren war das ehemalige Wahrzeichen der Stadt Gablonz an der Neiße nach einem langen Irrweg in Neugablonz aufgestellt und ein- geweiht worden. Der „Rüdiger-Brunnen“ hatte damit seinen Platz neben der Herz-Jesu-Kirche gefunden – genau wie in Gablonz an der Neiße. Der Vorsitzende der Stiftung Isergebirgs-Museum, Dr. Martin Posselt, hatte vor dem Festakt im Rahmen einer Führung für Staatssekretär Franz Pschierer als Festredner und Oberbürgermeister Stefan Bosse die noch im Aufbau befindlichen Abteilungen drei und vier „Kulturraum Isergebirge“ sowie „Nationalitätsfragen, Krieg und Vertreibung“ vorgestellt. Beide Bereiche sind ab Herbst 2011 vollständig für die Öffentlichkeit zugänglich.

In seinem Grußwort betonte Bosse, wie richtig die damalige Entscheidung von Bürgermei-ster Oswald Wondrak gewesen war, mit Unterstützung von Unternehmern und Spenden den Erwerb und Wiederaufbau des Brunnens zu ermöglichen. Mit der im vorigen Jahr geschlossenen Partnerschaft mit Gablonz an der Neiße bestehe die große Hoffnung, Erinnerungen und kulturelles Erbe zu bewahren. Festredner Pschierer beschäftigte sich mit dem Thema Heimat und erläuterte dies an seiner eigenen Biografie. Heimat sei Lebensgefühl, Kultur und Geschichte. Er stellte auch einen Bezug zu den aktuellen Themen Meinungsfreiheit und Integration her und bekannte sich ausdrücklich zu den Wurzeln der christlich-abendländischen Kultur. Dr. Posselt ging ausführlich auf den Bildhauer Franz Metzner und das Rüdiger-Jubiläum ein. Er betonte den völlig unpolitischen Charakter der Sagengestalt Rüdiger von Bechelaren, der ausschließlich als Symbol für Ehre und Bündnistreue stehe. Die Geburtsstunde Der Weg zum Brunnen reicht über hundert Jahre zurück. Bereits 1904 war von der Stadt Wien der Auftrag für den Bau eines Nibelungenbrunnens an Franz Metzner gegangen, den in Böhmen geborenen Bildhauer und Schöpfer des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig. Die Ausführung des Brunnens vor der Wiener Votiv-Kirche fand jedoch nicht statt, lediglich die bronzene Statue wurde gefertigt und von der Gesellschaft zur Förderung deutscher Kunst und Wissenschaft in Prag erworben und bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges in einem Magazin eingelagert. Nachdem der damalige Bürgermeister der Stadt Gablonz, Dr. Karl R. Fischer, von diesem Werk des ihm bekannten Künstlers erfuhr, erwarb die Stadt 1924 das Originalwerk für 50.000 Kronen. Mit dem Bau einer neuen Herz-Jesu-Kirche auf der Bastei wurde 1931 der Brunnen im Umfeld der Kirche eingefügt und nach den Original-Plänen von Metzner mit den steinernen Relieftafeln von männlichen Torsi vollendet. Ein Wahrzeichen am schönsten Platz in Gablonz an der Neiße war entstanden. „Spätheimkehrer“ am Ziel Mit dem Ende des 2. Weltkriegs landete das Standbild mit seinen Sockelplatten auf dem Abfall und schien verloren. Trotz bestehender Kontakte zum alten Gablonz schlugen alle Versuche seit 1954 fehl, das Wahrzeichen für Neugablonz zu erwerben. Beim Angebot eines Münchner Kunsthändlers im Februar 1968 zum Erwerb des Rüdiger-Brunnens reagierte Bürgermeisters Oswald Wondrak unverzüglich. Gegen die sofortige Hinterlegung von 10000 Dollar (damals etwa 40000 DM) für die Museums-Verwaltung der Tschechoslowakei wurde der Handel perfekt und nach einer letzten Fahrt wurde das Wahrzeichen am 17. Februar 1968 von jubelnden Neugablonzer Bürgern begrüßt. Erst zwei Jahre später, am 30. August 1970, hatte der „Spätheimkehrer“ mit der feierlichen Einweihung neben der Herz-Jesu-Kirche sein Ziel erreicht. Das Schicksal des Bauwerks und seiner mit ihm verbundenen Menschen wurde von Freud und Leid geprägt, fand aber ein glückliches Ende! Sagengestalt Rüdiger Die historisch nicht eindeutig belegte Gestalt des „Rüdiger von Bechelaren“ aus der Nibelungensage entschied sich nach germanischem Sittenkodex für die Erfüllung des Treueschwurs gegenüber seinem Gefolgsherrn Etzel und dessen Gemahlin Kriemhild und fiel im Kampf gegen seine Verwandten und Freunde. Seine Darstellung zeigt ihn im Gebet, sein Schwert über die Arme gelegt vor seinem letzten Kampf. Das Nibelungenlied galt früher als literarisches Bildungsgut; Treue und das Einstehen für ein gegebenes Wort gehörten zu den Erziehungsidealen jener Zeit.

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