Wenn der Kurze schmerzt

Der Albtraum einer jeden Frau wurde für drei von ihnen Wirklichkeit: Ein Exhibitionist hatte sie belästigt. Der 51-jährige mutmaßliche Täter polnischer Herkunft aus Buchloe musste sich nun dafür vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. Das Gericht sprach ihn schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 5400 Euro.

Vor allem am Bahnhof Buchloe und einmal sogar in einem Zugabteil zwischen Mindelheim und Passau befriedigte sich der Mann in der Zeit zwischen Juli 2010 und August 2011 vor seinen Opfern. Bei seiner Vernehmung bei der Polizei und vor Gericht versuchte der verheiratete 51-Jährige anfangs, sich mit einer skurril anmutenden „Erklärung“ – und in bruchstückhaftem Deutsch – aus der Sache herauszureden. Zwar gab der Angeklagte anfangs zu, zu den fraglichen Zeitpunkten im Blickfeld der Zeuginnen seine Hose geöffnet zu haben. Der Grund hierfür sei aber ein „ganz einfacher“: Seine Vorrichtung zur „Penisverlängerung“, die er unter der Kleidung getragen hatte, habe begonnen zu schmerzen. Deshalb habe er diese an Ort und Stelle abnehmen müssen, nötig sei zudem eine „Massage“ des geplagten Körperteils gewesen. Bei dem Vorfall im Zug war er laut eigener Aussage zudem angetrunken und habe sich allein gewähnt. Zweifelhaft Äußerte der Staatsanwalt bereits zu Beginn der Befragung Zweifel an dieser Darstellung, so löste sich die Argumentation des Beschuldigten spätestens mit den Aussagen der Zeuginnen in Wohlgefallen auf. Eine 27-jährige Buchloerin gab an, er habe am betreffenden Tag im Juli 2010 auf dem Bahnhof sogar mit Pfiffen auf sich aufmerksam gemacht. Als sie in die Richtung der Geräusche blickte, habe sie in einiger Entfernung einen Mann gesehen, der offensichtlich dabei war, sich selbst zu befriedigen. Erst wollte sie ihren Augen nicht trauen, habe dann jedoch sofort die Polizei angerufen. Besonders betroffen gemacht hatte sie aber der Umstand, dass sich zwar einige Passanten in der Nähe befanden, es aber alle abgelehnt hätten, mit ihr zusammen den Mann zu beobachten beziehungsweise diese Beobachtungen den Polizisten mitzuteilen. „Man macht sich schon Gedanken darüber, was beispielsweise gewesen wäre, wenn so jemand einem Kind begegnet oder ob ein solches Verhalten nur der Auftakt zu schlimmeren Taten ist“, erklärte die 27-Jährige während der Vernehmung. So ging es auch dem zweiten Opfer, einer ebenfalls 1984 geborenen Mindelheimerin. Sie sagte aus, der Exhibitionist habe sich mit ihr in einem ansonsten menschenleeren Zugwagen aufgehalten und sich dort ebenfalls sexuell befriedigt. Zuletzt wurde der 51-Jährige wieder am Buchloer Bahnhof von einer dritten Zeugin zwischen stehenden Waggons gesichtet. Alle drei jungen Frauen erklärten, von dem Erlebten nachhaltig geschockt zu sein. Nicht gerade für den Angeklagten sprach zudem die Tatsache, dass er über ein reichhaltiges Vorstrafenregister verfügt. Darin fand sich während der Verlesung durch die zuständige Richterin Yvonne Hondl zwar keine Verurteilung wegen eines sexuellen Vergehens, jedoch eine ganze Reihe Diebstähle. Als mildernde Umstände wollte der Staatsanwalt dann auch nur wenig ins Feld führen: Die letzte rechtskräftige Verurteilung sei bereits elf Jahre her, zudem habe sich der Angeklagte bei seinen exhibitionistischen Handlungen stets nur kurz im Blickfeld der Opfer aufgehalten. Die Erklärung des Beschuldigten, er habe nur seine „Gerätschaft“ vom Penis entfernen wollen, sei jedoch eine reine Schutzbehauptung. Genauso sah es Richterin Hondl. Sie folgte mit ihrem Urteil der Empfehlung der Staatsanwaltschaft, die für den 51-Jährigen 180 Tagessätzen à 30 Euro (bei einem monatlichen Nettoeinkommen des Mannes von rund 1.700 Euro) gefordert hatte.

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