Stadt am Fluss

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Engagiert für die Wertach: Toni Immler (links) als Gast beim Bürgerforum Kaufbeuren mit Oliver Schill.

Kaufbeuren – Stadt am Fluss oder besser „Buron am Wertachstrand“: Was bedeutet dies für Kaufbeuren und seine zukünftige Entwicklung? Welche Potenziale schlummern hier? Welche Chancen ergeben sich für die Naherholung? Diesen Fragen widmete sich Architekt und Stadtplaner Toni Immler bei einem Vortrags- und Diskussionsabend des Bürgerforums unter dem Titel „Kaufbeuren – Stadt am Fluss. Naherholung an der Wertach“.

Dabei gelang es ihm nicht nur, Bilder in die Köpfe der Besucher zu zaubern und Impulse zu geben, er sorgte auch für eine anregende Diskussion des sehr interessierten Publikums im weiteren Verlauf des Abends. 

Mit einleitenden Worten wies Vereinsvorsitzender Oliver Schill auf die herausragende Bedeutung des Themas für die Zukunft Kaufbeurens hin: „Der Wertachraum zählt hier zu den Top fünf Handlungsfeldern beim integrierten Stadtentwicklungskonzept, kurz ISEK.“ Es gelte, Perspektiven für die Stadt aufzuzeigen und Prozesse in Gang zu bringen. 

Der Stadt- und Landschaftsplaner Immler gilt als profunder Kenner des Themas Naherholung an der Wertach. Er spricht sich seit seiner Ankunft in Kaufbeuren vor rund 30 Jahren dafür aus, die Wertach näher an das städtische Leben heranzubringen und hat zusammen mit Lehrerin Felicitas Freuding schon viele Ideen und Projekte auf den Weg gebracht. In seinem Vortrag vor gut 30 Interessierten gab Immler einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der Wertach. Dabei spannte er einen farbigen Bilderbogen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit, unter anderem mit Bademöglichkeiten für Groß und Klein oder im Biergarten am sogenannten Elysium nahe der Füssener Straße. 

Potenzial für Naherholung 

Mit Bildern von verbauten Zugängen aber auch mit „traumhaften Eindrücken“ der von Immler als „Wertachschlange“ bezeichneten Flusslandschaft mitten in der Stadt im Bereich des Tänzelfestplatzes zog er Vergleiche mit einer „Wildnis wie am Amazonas“. 

„Es gibt nur wenige Flüsse, die sich so attraktiv als grünes Band durch eine Stadt schlängeln, wie die Wertach“, schwärmte der Landschaftsplaner und ergänzte, dass andere Städte zwar schlechtere Voraussetzungen, aber dennoch mehr für die Naherholung der Bewohner investiert hätten. Dabei geht es ihm nicht um kostspielige Investitionen, sondern um die Nutzung des Potenzials vorhandener Stellen und Möglichkeiten für Naherholung, beispielsweise eine Aufkiesung oder bessere Zugänglichkeit zum Wasser mit Spielmöglichkeiten für Kinder sowie Sitzgelegenheiten für Erwachsene in Form von Bänken oder einer Ufertreppe. Er demonstrierte dies an zahlreichen Beispielen aus Augsburg, Pfersee, Göggingen und Kempten. 

Das Bewusstsein, welches Potenzial ein Fluss mitten in der Stadt bietet, ist laut Immler unterschiedlich ausgeprägt. Zuziehende aus anderen Städten sähen mehr. Dies bestätigte Petra Scheiber, die vor 40 Jahren aus München zugezogen war: „Man nimmt den Fluss gar nicht wahr.“ Anton Freuding, der im Kaufbeurer Norden lebt, beschrieb die dortigen Möglichkeiten als „schönsten Platz für Spaziergänger“ und sprach von einem „Juwel“, das seitens der Stadt als Eigentümer nicht bearbeitet und verfügbar gemacht werde. 

Der Vortragende freute sich über die bisher erreichten Ziele, welche mit Unterstützung vieler Organisationen und Vereine erreicht wurden. Dazu gehört die Durchgängigkeit des gut sechs Kilometer langen Wertach-Wanderweges mittels Beschilderung, ein Wasserspielplatz und Erlebnispfad sowie der Bienenschaukasten und die zusätzlich angebrachten Lehrtafeln durch die Lenkungsgruppe Wertach. In Letzterer sind neben der Bürgerstiftung Kaufbeuren, der Allianz Lebensraum Wertach und dem Heimatverein Kaufbeuren auch das Umweltamt der Stadt als Mitglieder etabliert.

von Wolfgang Becker

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