Wertach-Wanderweg jetzt durchgängig – Interessengruppen diskutieren Gestaltung

Schöner wandern an der Wertach

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Am Parkplatz Wertach-Freizeitpark können Wanderer ihre rund 1,5-stündige Tour entlang des Flusses starten.

Kaufbeuren – Nachdem es laut Oberbürgermeister Stefan Bosse gelungen ist, die Strecke des Wertach-Wanderwegs durchgängig zu gestalten und einige Lücken zu schließen, wird nun über verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten nachgedacht.

Bei einer eigens einberufenen Runde berieten sich der Oberbürgermeister und Mitglieder der Verwaltung mit Vertretern der „Wertachallianz“, einem Zusammenschluss unterschiedlicher Interessengruppen, sowie mit Beteiligten aus Umweltschutz und Bürgerschaft, wie der beliebte Rundweg "Wertachwanderweg" in Kaufbeuren noch attraktiver gestaltet werden kann. Mit am Tisch saßen auch Johann Marschall und Walter Rüffer von der Bürgerstiftung. Sie hatten seinerzeit bereits einige Wegweiser am Wertach-Wanderweg finanziert. 

Rund anderthalb Stunden Wegstrecke warten auf denjenigen, der sich für einen Marsch auf dem Wertach-Wanderweg entscheidet. Dieser führt nun durchgängig vom Parkplatz am Wertach-Freizeitpark (DAV Kletterzentrum) im Stadtteil Haken bis zum Bärensee bei Hirschzell. Zwar ist der Weg ausgerüstet mit Wegweisern, Abfallbehältern und „Dog Stations“, dies ist jedoch einigen Beteiligten nicht genug. „Die Wertach weist an ihren Ufern durchaus eine große Vielfalt auf. Trotzdem kann er noch attraktiver gestaltet werden“, so Johann Marschall von der Bürgerstiftung (BS): „Den Wanderern könnte beispielsweise diese Vielfalt an Vögeln und Pflanzen in Form von Schautafeln nahegebracht und erklärt werden“. Auch das gestalten eines „Besinnungsweges“ oder das Anbringen von Werken hiesiger Künstler an vereinzelten Streckenpunkten hält er für eine interessante Möglichkeit. Der Frage nach einer möglichen finanziellen Förderung eines solchen Kunst-Projekts mit regionalen Künstlern von Seiten der Stadt musste Günther Pietsch von der Kulturförderung jedoch einen Absage erteilen. „Natürlich wollen wir keine ‘Möblierung’ der Wertach“, stellte Marschall klar – trotzdem sei man für kreative Ideen offen. 

Dem stimmte auch der städtische Baureferatsleiter Ralf Baur zu. Seiner Meinung nach sei der Wertach-Wanderweg als städtischer Erholungsraum vielen Bürgern noch nicht präsent: „Wenn es uns gelingt, den Freizeitbereich durch Infos über die hiesige Natur oder Kunstwerke thematisch zu entwickeln, würde dies sehr zur Attraktivität beitragen“. Um zu gewährleisten, dass die entsprechenden Objekte am Wegesrand ihren Zweck auch erfüllen, sollten laut Baur die entsprechenden Abschnitte von eigenen Gremien betreut werden – so zum Beispiel der LBV für eine Beschilderung der Vogelarten. 

Wanderer anlocken – aber wie? 

Diplom-Biologin Andrea Gimple Andrea vom Umweltamt der Stadt erklärte, die Idee, den Wanderern die Flora und Fauna an der Wertach nahe bringen zu wollen, sei grundsätzlich zu begrüßen. Sie erinnerte jedoch daran, dass es entlang des Weges viele Schutzflächen für Tiere und Pflanzen gebe, die berücksichtigt werden müssen. Nicht allein die Attraktivität des Weges, sondern auch die Möglichkeiten der „Besucherlenkung“ müssten ins Auge gefasst werden. „Es nützt die schönste Lehrtafel nichts, wenn die darauf abgebildeten Tiere schon verscheucht sind“, fasste Gimple ihre Befürchtung zusammen. Sie schlug vor, zumindest einzelne Stellen entlang des Weges zu renaturieren. Von Seiten des LBV kam daraufhin die Anregung, eigene „Vogel-“ oder „Biberexkursionen“ anzubieten. Deren Leiter könnten mittels Schautafeln oder sinnvoll platzierten Fernrohren den Teilnehmern die Natur nahebringen, ohne Schutzgebiete zu verletzen. 

Heidi Frank-Krieger, Umweltbeauftragte der evangelischen Kirche in Kaufbeuren, schlug vor, den Weg im Hinblick auf die einzelnen Lebensräume erst einmal genau zu kartieren. Vor einer „Überfrachtung“ des Naturraumes warnte Umweltschützer Dr. Christoph Greifenhagen und bekam dabei Unterstützung von Günther Pietsch. 

Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) zeigte sich bei diesem Thema zwiegespalten. Auf der einen Seite gebe es viele Menschen, die eine weitere „Möblierung“ der Wertach ablehnten. Auf der anderen Seite sei es aber ein wichtiges Ziel, unternehmungslustige Menschen durch attraktive Angebote in der Stadt zu halten. Zur Kartierung, die Heidi Frank-Krieger angesprochen hatte, erklärte der Rathauschef, es gebe für einen kleinen Bereich des Weges bereits ein Naturschutzgutachten. Zudem sollten ja grundsätzlich nur einzelne Wegabschnitte „bespielt“ werden – für welche Konzepte man sich am Ende auch immer entscheide. Dann sprach Bosse ein in seinen Augen nicht zu vernachlässigendes Problem an: Verschmutzung und Vandalismus. Markus Trinkwalder, stellvertretender Sachgebietsleiter des Amtes für öffentliche Ordnung, schlug vor, am Wertach-Wanderweg auch Problemzonen mit einzubeziehen. Schließlich gebe es an dem Fluss nicht nur Natur – interessant sei ebenfalls, wie die Wertach durch beispielsweise das Wasserwirtschaftsamt genutzt werde. „Die Wertach als Melkkuh“, so Trinkwalder. Durch verschiedene Beiträge aus der Runde wurde zudem deutlich, dass immer wieder viel Müll vom Ufer entfernt werden müsse.

Kooperation mit dem Landratsamt 

Eine interessante Option brachte Baureferatsleiter Baur ein: Das Landratsamt Ostallgäu sei bereits „recht weit“ mit dem Fernradweg Ostallgäu. Hier könne man sich durchaus eine Kooperation vorstellen, die auch eine finanzielle Förderung durch die EU beinhalte. Zwei Ideen würden derzeit verfolgt: Eine größere Raststation für Radfahrer an der Crescentia-Brücke, sowie eine Aussichtsplattform im Bereich des Tänzelfestplatzes. 

Bosse zeigte sich nach rund einer Stunde Diskussion erfreut über die rege Anteilnahme der Beteiligten. Als wichtige Erkenntnisse der Sitzung fasste er zusammen, dass eine weitere Gestaltung des Wertachufers grundsätzlich von allen Beteiligten begrüßt werde. Noch sei aber vieles zu klären, der Weg zu einem ideal konzipierten Wertach-Wanderweg bestehe aus vielen kleinen Schritten. Zunächst müssten die einzelnen Naturschutzverbände noch eingehender gehört werden. Klar sei, dass das Bewusstsein der Bevölkerung für den Naturraum Wertach einer Stärkung bedürfe. Falls die Idee einer Gestaltung durch Künstler weiter verfolgt würde, schlug Bosse einen Aufruf an regionale Kunstschaffende vor, um weitere Anregungen zu sammeln.von Michaela Frisch

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