Viel Wind um Windkraft

Kein Windrad

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Kein Windkraftverhinderergremium wollten sie sein. Dennoch widersprach der Stadtrat mehrheitlich der Einrichtung einer Sonderfläche Windkraft in Biessenhofen – zum Wohle der Ortsteile Hausen und Bertoldshofen.

Marktoberdorf/Biessenhofen – Es war der Abend der einstimmigen Entscheidungen, nur am Thema Windkraft schieden sich wie so oft die Geister. Dabei wollte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell nur auf „Nummer sicher“ gehen und einer auf Gemeindegebiet Biessenhofen eingetragenen Windkraftzone frist- sowie formgerecht widersprechen.

Die Stadt habe dazu die juristische Möglichkeit, da sie als Nachbargemeinde direkt betroffen sei, so das Stadtoberhaupt in seiner Erklärung vor dem Stadtrat. Konkret geht es um ein „Sondergebiet Windkraft“, das im Flächennutzungsplan der Gemeinde Biessenhofen ausgewiesen ist und nördlich des Galgensees direkt an Marktoberdorfer Flur grenzt. 

Anträge auf den Bau von zwei knapp 200-Meter hohen Windräder liegen für diesen Bereich bereits seit drei Jahren dem Landratsamt vor. Die Ortsteile Hausen sowie ein Teil Bertoldshofens wären dann nur 850 Meter beziehungsweise weniger als zwei Kilometer von möglichen Windrädern entfernt.

 Grund für 17 Stadträte dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen, der Windkraftplanung Biessenhofens in diesem Gebiet zu widersprechen. Sieben Stadträte sahen das hingegen anders. Den Grünen wäre eine Ablehnung zu „pauschal“ und wenig begründbar. Erich Nieberle (SPD) mahnte an: „Wir sollten Mut zur Windkraft beweisen und kein Gremium von Windkraftverhinder- ern werden.“ 

Da allerdings die Gefahr besteht, dass in dem betreffenden Gebiet die 10H-Regelung (Abstand zur nächsten Wohnbebauung zehnfach zur Höhe der Anlage) nicht greife, wollten sich die Stadträte von CSU und Freien Wählern auch auf rechtlich sicherer Seite sehen. „Diese Anlagen bringen Marktoberdorf keinen Cent Steuereinnahmen, dafür alle negativen Begleiterscheinungen“, appellierte Andreas Grieser (CSU) an das Gremium. 

Bei der lebhaft geführten Diskussion, in der sich auch Bertoldshofens Stadtrat Werner Moll (Stadtteile aktiv) für die Fortgeltung der Biessenhofener Windkraftzone aussprach, hätte die Vermutung aufkommen können, dass der Bau der Anlagen unmittelbar bevor stünde. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. 

Beide Anträge sind aus artenschutzrechtlichen Gründen vom Landratsamt zunächst abgewiesen worden und ruhen derzeit vor dem Verwaltungsgericht. Die Rechtslage in Sachen Windkraft sei ohnehin „äußerst kompliziert“, schickte Hell dem Beschluss voran. Woher der Wind wehen wird, weiß also allenfalls der Schwarzstorch.

von Angelika Hirschberg

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