"Wieder Tritt fassen"

Was als kleines Versuchsprojekt mit zunächst acht Beschäftigten in einem ehemaligen Billard-Casino an der Brettbuschgasse 1984 begann, wurde zu einem beeindruckenden Erfolg. Heute arbeiten in den Wertachtal- Werkstätten in Neugablonz 56 Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Das 25-jährige Bestehen der Neugablonzer Werkstatt wurde mit einem informativen Festprogramm gefeiert.

„Arbeit erhält die seelische Gesundheit”, betont Volker Holata, Geschäftsführer der Wer- tachtal-Werkstätten GmbH mit Hauptsitz in Kaufbeuren. Was für gesunde Menschen gilt, ist für psychisch behinderte Menschen mindestens genauso wichtig. Im geschützten Rahmen der Wertachtal-Werkstatt bekommen sie „Sicherheit vermittelt, können soziale Beziehungen pflegen, erhalten Anerkennung und empfinden Freude bei einer sinngebenden Aufgabe”, beschreibt Holata die positiven Faktoren. Nach der dreijährigen Versuchsphase im kleinen Rahmen an der Brettbuschgasse wurde Ende der 80er Jahre der Neubau an der Darrestrasse errichtet, in dem inzwischen 56 psychisch gehandicapte Menschen ihren Arbeitsplatz haben. Die Mitarbeiter sind abhängig von ihren persönlichen Interessen und Fertigkeiten in einem der verschiedenen Bereiche tätig, zum Beispiel Industriemontage, Wäscherei, Versandhandel, Metall- oder Elektromontage. Ziel ist es dabei auch, die Menschen wieder fit zu machen für den allgemeinen Arbeitsmarkt. Für diejenigen, denen dies aufgrund ihrer Krankheit nicht möglich ist, stehen auch Arbeitsplätze auf Dauer zur Verfügung. Vom Sinn der Einrichtung überzeugten sich beim Fest zum 25-jährigen Jubiläum des Standortes Neugablonz zahlreiche Ehrengäste, die gemeinsam mit den Beschäftigten und den Betreuern feierten. Ganz im Gedanken der Integration der psychisch gehandicapten Menschen in der Gesellschaft lief das Fest an der Darrestrasse ab. Oberbürgermeister Stefan Bosse freute sich in seiner Rede, dass „die Einrichtung Menschen hilft, wieder Tritt zu fassen”. Das Engagement der Lebenshilfe Ostallgäu e.V. als Träger sowie der Wertachtal-Werkstätten GmbH als Betreiber würdigte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert: „Gerade für Menschen mit psychischer Behinderung sind Arbeit und Anerkennung wichtig, um ein Gefühl der Normalität zu empfinden.” Für viele Beschäftigte sei die Werkstatt auch eine Form „von Heimat” geworden. „Es gibt keinen Grund, dass sie in die Ecke gestellt werden”, ruft Dr. Hans Dick vom bayerischen Sozialministerium den Beschäftigten zu und konzentriert sich in seiner Rede auf die Ziele der Integration. Die Aufnahme in die Wertachtal-Werkstatt ist oft der erste Schritt dazu, denn die Menschen lernen neben den fachlichen Kenntnissen wieder die oft grundlegenden Anforderungen für das Arbeitsleben wie Pünktlichkeit, Ordnung und den Umgang mit Kollegen kennen. Die Arbeit der Betreuer lobt Franz Pschierer, Staatssekretär im bayerischen Finanzministerium: „Wer hier arbeitet, muss eine besondere Einstellung zu Menschen mit Behinderung haben. Es ist sicher eine Form von Berufung.” Uwe Sedlacek, Leiter der Neugablonzer Werkstatt, und sein Team organisierten neben dem offiziellen Teil noch eine Diskussionsrunde, eine Ausstellung sowie Theater- und Gesangsdarbietungen.

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