Stadt erlaubt weiter Zirkusse mit Wildtieren auf öffentlichen Flächen

Keine Mehrheit für Verbot

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Elefanten-Show im Zirkus Krone (2012).

Kaufbeuren – Einmal im Jahr stellt die Stadt Kaufbeuren ihren Tänzelfestplatz für einen Zirkus zur Verfügung. Heuer wird das der Zirkus Knie sein, für 2016 wurde bereits eine Zusage an den Zirkus Krone gegeben. Beide haben Nummern mit exotischen Tieren im Programm – Veranstaltungen, die die Kaufbeurer Initiative (KI) künftig auf Kaufbeurer Flur nicht mehr sehen will.

Im jüngsten Verwaltungsausschuss reichte sie einen Antrag ein, den Tänzelfestplatz „keinem Zirkus mehr zur Verfügung zu stellen, der mit Wildtieren nach Kaufbeuren kommt“. Die KI folgte damit dem Beispiel anderer Städte wie Erding oder Köln, die entsprechende Verbote bereits umgesetzt haben. Die Gesellschaft habe sich gewandelt, so KI-Sprecher und 3. Bürgermeister Ernst Holy, Kontakt zu exotischen Tieren sei auch in Zoos möglich, zudem würden deutschlandweit immer wieder massive Verstöße gegen geltende Tierschutzbestimmungen in Zirkussen bekannt. Die Bundestierärztekammer fordere sogar ein Verbot von sogenannten Wildtieren im Zirkus. 

Für den Antrag stimmten aber nur die KI und die Grünen in Person von Oliver Schill. 

Der Grund sei nicht, dass man keinen Wert auf Tierschutz lege, argumentierte Dr. Thomas Jahn für die CSU-Fraktion. Jedoch sehe man juristische Probleme. Im Gegensatz zur beispielhaft angeführten Kommune Erding habe man auf Kaufbeurer Gebiet noch keine Verstöße gegen geltende Tierschutzbestimmungen feststellen können, die ein Verbot untermauern könnten. Jahn folgte damit auch der Argumentation von Wirtschaftsreferent Siegfried Knaak, der von einer „unsicheren Rechtslage“ für die Stadt sprach. Jahn erklärte, er setze hinsichtlich des Besuchs von Wildtier-Shows auf die Einsichtsfähigkeit der Bürger. 

Richard Drexl (FW) dagegen brach eine Lanze für die Tierhaltung im Zirkus. „Wo kommen Kinder sonst mit Wildtieren in Kontakt?“ fragte Drexl. Ein Verbot von Wildtieren im Zirkus löse nicht „die Probleme des Tierschutzes“, angesichts des täglichen Umgangs mit Nutztieren in unserer Gesellschaft („Hühnerfarmen“). 

Oliver Schill von den Grünen sah in dem Antrag der KI einen „symbolischen, aber wichtigen Vorstoß“. Aber: „Egal wie man zu dem Thema steht, die Tiere sind nun einmal vorhanden“. Das Problem müsse daher langfristig auf Bundesebene gelöst werden. 

Angelika Zajicek (FDP) sah ein komplettes Verbot von Wildtieren im Zirkus kritisch. „Der Begriff Wildtiere ist missverständlich, praktisch alle diese Zirkustiere sind in Gefangenschaft geboren“. Ein Verbot der exotischen Tiernummern würde laut Zajicek einen „ganzen Berufsstand vernichten“. 

Am Ende standen drei Stimmen von KI und Grünen gegen den Rest der Ausschussmitglieder, die den Antrag ablehnten. Dieser hätte aber auch bei einer Zustimmung erst 2017 Wirksamkeit gezeigt. Denn die Zusagen für die Zirkusse Knie und Krone auf dem Tänzelfestplatz wurden von der Stadt bereits gegeben. 

Info

Für folgende als Wildtiere deklarierte Tierarten in fahrenden Zirkussen möchte die KI ein Verbot auf Kaufbeurer Stadtgebiet durchsetzen: Elefanten, Großkatzen, Kamele, Dromedare, Lamas, Antilopen, Krokodile und Alligatoren, Amphibien, Nashörner und Flusspferde, Robben, Riesenschlangen, Greifvögel, Delfine, Flamingos, Pinguine, Wölfe und Straußenvögel. Mehrere deutsche Städte wie Köln oder Erding haben ein solches Verbot bereits realisiert, zudem haben Länder wie die Niederlande, Österreich oder Belgien Wildtiershows in Zirkussen generell untersagt.

von Michaela Frisch

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