"Gegenwind am Hart" sucht Konsens mit dem Stadtrat Marktoberdorf

Energiewende ohne Konzept

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Das ist der Zustand, den die Bürgerinitiative unbedingt verhindern will: So könnte der Hart aus Bertoldshofener Sicht einmal aussehen.

Marktoberdorf – Heftiger Ostwind im wahrsten Sinne des Wortes bläst der Stadt im Hinblick auf die Teilfortschreibung ihres Flächennutzungsplanes (FNP) Windenergie entgegen. Während sich eine Bürgerinitiative formiert, gibt es unterschiedliche Ansichten zur Eignung der einzelnen Suchräume bei den Beteiligten.

Am 8. August hat sich die Interessengemeinschaft „Gegenwind am Hart“ gebildet, um gegen die Windkraftpläne der Ostallgäuer Kreisstadt zu kämpfen. Hauptsächlich die Bürger des Ortsteils Bertoldhofen halten die möglicherweise auf dem Hart entstehenden Windräder für eine Bedrohung ihres Dorfes und die Lebensqualität ihrer Bürger. Mit Stellungnahmen des Landkreises, der Stadt Marktoberdorf und eines Windkraftplanungsbüros soll das Projekt von verschiedenen Seiten beleuchtet und durch Inhalte aus dem Internetauftritt der IG „Gegenwind am Hart“ ergänzt werden. 

Am Dienstag den 17. September führte Landrat Johann Fleschhut mit Vertretern der IG „Gegenwind am Hart“ ein vertrauliches Gepräch. Leider findet sich die IG derzeit nicht zu einer Stellungnahme – weder zum Inhalt des Gespräches, noch zu ihren generellen Forderungen – bereit. Wie der Sprecher Michael Holzmann jedoch am Telefon erläuterte, wolle man zunächst „die Stadträte auf die Seite der IG ziehen“. Pressvertreter seien herzlich willkommen, wenn am Donnerstag- morgen (26. September) die Stellungnahme zur Teilfortschreibung des FNP an die Stadt übergeben werde. 

Landrat hält Suchraum 4 für "problematisch" 

Auch Landrat Fleschut gab sich zum Inhalt des Gespräches, das er in beratender Funktion geführt habe, zugeknöpft. Allerdings bat er um Verständnis für die IG, die auf jeden Fall eine offene Kontroverse mit dem Stadtrat vermeiden wolle. Auf die Frage nach seiner persönlichen Einschätzung des Sachverhaltes wies er darauf hin, dass der Landkreis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht für die Genehmigung zuständig sei. Als Träger öffentlicher Belange allerdings sei der Kreis mit Stellungnahmen zum FNP beteiligt. Den im FNP dargestellten Suchraum 4 auf dem Hart halte er persönlich jedoch für problematisch. Es sei nun an der Stadt, im Abwägungsverfahren zu prüfen, ob dieses Gelände insbesondere aus Sicht des Landschaftsschutzes geeignet sei. Auch Belange des Denkmalschutzes im Hinblick auf das Schloss, die Martinskirche und die Kurfürstenallee seien dabei berührt. Ein absolutes k.o.-Kriterium liege jedoch vor, wenn die noch nicht abgeschlossene artenschutzrechtliche Prüfung Hinderungsgründe für die Windkraft offenbare. Er bedauere, dass die vorliegende Planung der Stadt nicht wie anderen Ortes im Dialog, auch mit den Nachbarkommunen, erfolgt sei. Außerdem müsse der FNP mit dem Regionalplan abgestimmt werden. Generell solle es Windkraftwerke nur dort geben, wo sie ausdrücklich gewünscht seien. Es sei nicht tragbar, dass einmal genehmigte Windräder 20 und mehr Jahre toleriert werden müssten, ohne dass es ein schlüssiges Energiekonzept gebe.  

Regionalplan engt Handlungsspielraum ein 

Dem Vorwurf des Landrates, man habe sich nicht an dem Dialog beteiligt, begegnete der marktoberdorfer Bürgermeister Werner Himmer mit dem Hinweis, dass die Stadt sich schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit dem Thema Windkraft beschäftigt habe und das durch den Landrat erwähnte Dialogverfahren erst später in Gang gesetzt worden sei. Obwohl auch er persönlich den Suchraum 4 kritisch sehe, wolle er natürlich dem Stadtrat, der in der Sitzung am 28. Oktober über die eingegangenen Stellungnahmen zu entscheiden habe, nicht vorgreifen. Stadtbaumeister Peter Münsch äußerte sich kritisch zur Fort- schreibung des Regionalplanes Allgäu. Es sei zu befürchten, dass dieser den Kommunen keinerlei Handlungsspielraum mehr einräume. Außerdem könne auf die Fortschreibung nicht gewartet werden, denn zum 1. Januar 2015 falle der sogenannte „Systemdienstleistungsbonus“ weg und bis dahin müsse deshalb, als Anreiz für Investoren, der Netzanschluss für neue Windkraftanlagen bereits erfolgt sein. 

"Priveligierte Bauvorhaben" 

Dies bestätigte auch Bernd Wohlfahrt, der Aufsichtsratsvorsitzende des Marktoberdorfer Planungsbüros „modwind energiesysteme ag“. Seit etwa zwei Jahren plane diese Gesellschaft, so Wohlfahrt, Windenergiesysteme mit kommunaler und Bürgerbeteiligung in der Region und für die Region. Er vertrat die Ansicht, dass Entscheidungen über die Ausweisung von Windkraftkonzentrationsgebieten nicht nach den Wünschen einzelner Mandatsträger oder Entscheidungsgremien erfolgen könnten, sondern als privilegierte Vorhaben auf der Grundlage des 2011 geänderten Baugesetzbuches getroffen werden müssten. Hin- sichtlich der Auswirkungen von Windrädern auf dem Hart erklärte er auf der Grundlage von Berechnungen, dass dort gebaute Windkraftanlagen weder emissionsmäßig, noch mit ihrem Schattenwurf störend in Erscheinung treten würden. We- gen der Tallage beurteilte dagegen er den Suchraum 5 (Geltnachtal) als völlig ungeeignet. Dass aus Bertoldshofener Sicht die Windräder auf dem Hart deutlich sichtbar seien, lasse sich nicht weg diskutieren, aus der Sicht von Marktoberdorf jedoch würden dort installierte Windräder optisch kaum in Erscheinung treten. 

 Bertoldshofen eine soziographische Leiche? 

Das Dorf Bertoldshofen sei, das versucht die IG „Gegenwind am Hart“ in ihrem Internetauftritt deutlich zu machen, in doppelter Hinsicht durch öffentliche Bauvorhaben betroffen, denn auch die Ortsumgehung Marktoberdorf/Bertoldshofen greife tief in das Landschaftsbild und die Natur im Umfeld des ländlichen Ortsteils ein und mache Bertoldhofen in Verbindung mit den geplanten Windkraftanlagen zu einer „soziographischen Leiche“. Der gesamte offene Breif an den Landrat, den Bürgermeister und weitere Mandatsträger finden Interessierte auf der Homepage der Interessengemeinschaft Gegenwind Hart als PDF-Datei zum lesen oder als Download. von Klaus Bauer

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