Geplantes Windrad bei Königsried stößt den Anwohnern sauer auf

Bürger wehren sich

+
Das ist das mächtige, etwa 3,50 Meter tiefe Betonfundament für das neue Windrad südlich von Königsried.

Bidingen – Die Bürger des kleinen Weilers Königsried bei Bidingen kämpfen gegen die Errichtung von Windkrafträdern in unmittelbarer Nachbarschaft. Ihr Vorwurf: „Bür- germeister und Gemeinderat haben ohne Rücksicht auf die Königsrieder Anliegen ihre Pläne durchgesetzt“.

Es scheint, als hätten sie den Kampf gegen die Windmühlen verloren, die Bürger des kleinen Weilers Königsried. Der Bau eines 185 Meter hohen Windrades, etwa 1000 Meter südlich des Ortsrandes von Königsried hat begonnen, das mächtige Betonfundament steht. Georg Knittel, der die Interessen von etwa 15 Bürgern vertritt, hat aber noch nicht aufgegeben. 

Wie Knittel in einem Brief an den Kreisboten mitteilt, wurde die Bürgerschaft kaum in das Bauvorhaben eingebunden. Außerdem seien an den Betrieb der Anlage harte Bedingungen der Genehmigungsbehörde geknüpft, die für die Betreiber nur sehr schwer einzuhalten seien. 

Eine andere Sicht der Dinge vertritt Bürgermeister Franz Martin. Er weist den Vorwurf mangelnder Beteiligung der Königsrieder zurück. Auch hinsichtlich der Auflagen für das kommunale Windrad sieht er keine Gefahr für den wirtschaftlichen Betrieb. 

Ganz konkret beklagt Georg Knittel, dass zu keinem Zeitpunkt Einvernehmen zwischen den Königsriedern und der Gemeinde Bidingen über den Standort des Windrades herrschte, zumal es auch Alternativen gegeben habe. Auch seien sie im Hinblick auf die Planungen vor zwei bis drei Jahren nur einmal zu einer Gemeinderatssitzung eingeladen worden. Erst mit dem Verkauf der Flächen südlich Königsried sei dann der Stein richtig ins Rollen gekommen, denn der neue Eigner habe die für den Windradbau benötigten Flächen ohne Bedenken an die Gemeinde verpachtet. 

Bürgermeister Martin bestätigte die Bürgerinformation bei der Gemeinderatssitzung, er wies aber darauf hin, dass man hier den Wünschen der Bürger entgegengekommen sei und die Entfernung zum südlichen Ortsrand auf 1000 Meter vergrößert habe. Im Juni 2011 habe es dann einen Bürgerentscheid mit einer vorgeschalteten Bürgerinformation gegeben. Mit 55 Prozent Ja-Stimmen sei das Votum der Bürger für das Windkraftprojekt zwar knapp ausgefallen, aber man habe dann, nachdem es entsprechende Anfragen gegeben hatte, ein zweites Windrad als Bürgerwindrad mit in die Bauleitplanung aufgenommen, so der Bürgermeister. Der gewählte Standort sei mit 865 Metern der höchste Punkt in der Gemeinde und verspreche für die klammen Finanzen der Gemeinde Bidingen einen deutlich höheren Ertrag, als dies beispielsweise im Bereich Bernbach möglich gewesen wäre. 

Mit den Betriebsauflagen der unteren Naturschutzbehörde könnte Georg Knittel noch einen Trumpf im Ärmel haben, denn das Windrad müsse wegen des dort gesichteten Rotmilans, so der Sprecher der Königsrieder Bürgerinitiative, nach dem Mähen der Wiesen für drei Tage abgeschaltet werden. Das Landratsamt hatte, so Knittel, deshalb vorgeschlagen, um die Ausfallzeiten möglichst gering zu halten, das Mähen der Wiesen auf der Basis eines Vertrages zeitlich zu koordinieren. Dieser Vertrag sei, nicht zuletzt wegen seiner Praxisferne, nicht zustande gekommen. Ein wirtschaftlicher Betrieb des Windrades sei damit nicht möglich, so der Sprecher der Bürgerinitiative. Bürgermeister Martin wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Auflage nur für den Tag, nicht aber für die Nacht gelte. Im Genehmigungsbescheid sei außerdem von großflächiger Mahd die Rede, was natürlich auch Interpretationsspielraum lasse. Man habe deshalb dem Landratsamt vorgeschlagen den geschützten Bereich auf 400 Meter rund um das Windrad festzulegen. Ein entsprechendes Protokoll, das auch das Einverständnis der Grundstücksbesitzer zur koordinierten Mahd signalisiert, liege der Genehmigungsbehörde vor. 

Last but not least wirft Knittel der Gemeinde vor, jetzt, wo die Stadt Marktoberdorf Windkraftkonzentrationsgebiete im Bereich der Ortsstellen Ob und Korbsee ausweist, andere Maßstäbe anzulegen. Es gehe um die Bereiche 2a und 2b im Flächennutzungsplan der Kreisstadt argumentierte Martin. Mit Rücksicht auf die genannten Ortsteile wolle man ausschließlich sicher stellen, dass hier bezüglich des Abstandes auch die fünffache Höhe des Windrades, wie in Königsried (ca. 1000 Meter), eingehalten werden.von Klaus Bauer

Meistgelesene Artikel

Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Buchloe – Die Stadt lässt sich ihre Kindergärten etwas kosten. Das bedeutet aber auch, dass Gebührenerhöhungen unumgänglich sind. Der Hauptausschuss …
Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Weichen ausgezeichnet gestellt

Kaufbeuren – Beim traditionell gemeinsamen Neujahrsempfang der Stadt Kaufbeuren und der Bundeswehr konnten die Gastgeber wie jedes Jahr eine große …
Weichen ausgezeichnet gestellt

Pohl setzt auf Zusammenarbeit

Kaufbeuren – Der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler und Kaufbeurer Stadtrat Bernhard Pohl hat sich für 2017 viel vorgenommen. Diesen Eindruck …
Pohl setzt auf Zusammenarbeit

Kommentare