Festakt zu 50 Jahre Lebenshilfe

Lebenshilfe Ostallgäu feiert Jubiläum

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Gesprächsrunde mit Gästen aus der Politik, die der Lebenshilfe Ostallgäu Glückwünsche zum 50. Geburtstag überbrachten (v. li.): Marktoberdorfs Bürgermeister Wolfgang Hell, Landrätin Maria Rita Zinnecker, Yvonne Schur, erste Vorsitzende der Lebenshilfe Ostallgäu, Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke, MdL Dr. Paul Wengert und Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse. Rechts Lebenshilfe-Moderator Oliver Raabe.

Marktoberdorf – Mit einem großen Festakt feierte am Freitag die Lebenshilfe Ostallgäu ihr 50-jähriges Jubiläum.

Schwungvoll und mit Trommelwirbeln startete der Festakt der Lebenshilfe zum 50. Geburtstag und riss gleich zu Beginn die Gäste von den Stühlen. So stimmte die Trommelgruppe der Wertachtal-Werkstätten gemeinsam mit dem Jazzlsteiner Rock- und Blues-Ensemble auf einen Festakt ein, der ernsthaft und lustig, mahnend und fröhlich zugleich war. Die Lebenshilfe Ostallgäu hatte zur Jubiläumsfeier am vergangenen Freitag ins Modeon geladen, und zahlreiche Gäste aus der großen Familie der Lebenshilfe, Politiker wie Ehrenamtliche waren der Einladung gefolgt.

In ihrer Begrüßungsrede erinnerte Yvonne Schur, erste Vorsitzende der Lebenshilfe Ostallgäu, an die Vision der Gründungsväter und –mütter, die von Anfang an für die Verbesserung der Fürsorge sowie die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung gekämpft hatten. „Wir haben zusammen in 50 Jahren viel erreicht. Aber wir haben noch viel vor uns“, resümierte die Vorsitzende. Im Vordergrund stehe wie zu anfangs auch das Wohl der anvertrauten Menschen, stellte Schur fest. Heute gelte es das moderne Wort der Inklusion mit Leben zu füllen, und Menschen mit Beeinträchtigungen zum selbstverständlichen Teil der Gesellschaft zu machen. Die Lebenshilfe Ostallgäu betreut rund 560 Kinder und Jugendliche und mehr als 700 Erwachsene in Wohnbereichen und Werkstätten. Sie lernen, spielen, musizieren, treiben Sport, arbeiten und wohnen zusammen in mehr als 25 betreuten Einrichtungen und Ge- bäuden. Inklusion kein SparmodellRobert Antretter, Ehrenvorsitzender der Bundesvereinigung Lebenshilfe, nannte die Arbeit der Lebenshilfe und „das, was ich in den Einrichtungen sehe“ denn auch die „ultimative Form der Nächstenliebe“.

Antretter war es auch, der trotz Feierstunde mahnende Worte an Politik und Zeitgeist richtete: Inklusion heiße nicht, es bedürfe der Betreuung und der Barmherzigkeit nicht mehr, sagte der Ehrenvorsitzende und ehemalige Bundestagsabgeordnete in seiner Festrede. Auch die Inklusion habe Grenzen und – vor allem – sie sei kein Sparmodell der Haushalte. Dennoch sei er ein großer Verfechter der Inklusion, die auch den Besuch behinderter Kinder in Regelschulen und –kindergärten vorsieht. „Weil so alle Kinder zu einem ganz frühen Zeitpunkt lernen, Menschen mit Behinderungen anzunehmen und tolerant zu sein gegenüber gesellschaftlichen Unterschieden jedweder Art“, erklärte der Festredner, dem großer Applaus entgegenkam.Zahlreiche Glückwünsche und Gratulationen erhielt die Lebenshilfe von den politischen Entscheidungsträgern der Kommunen, aus der Region und vom Bund, die gemeinsam zu einer lockeren Gesprächsrunde auf der Bühne Platz genommen hatten: Marktoberdorfs Bürgermeister und Hausherr, Dr. Wolfgang Hell, Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke, Landtagsmitglied Dr. Paul Wengert sowie Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse. Sie alle sagten Unterstützung zu, Barrieren abzubauen und die Inklusion im Ostallgäu zu fördern.

OB Bosse kündigte an, den deutschen Vorentscheid für die Special Olympics, die Olympischen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung, 2017 nach Kaufbeuren holen zu wollen.Rundum stimmungsvoll und ganz ohne feierlichen Ernst beschloss die Theatergruppe „Blaue Paprika“, ein Ensemble der Tagestätte Lebenshilfe und der Kulturwerkstatt Kaufbeuren, mit einer Vorschau auf ihr Stück „Auwehzwick“ den Festakt. So mitreißend wie die Veranstaltung begonnen hatte, so endete sie auch mit einem Abschiedsfinale ganz im Sinne einer großen, bunten Welt.

Von Angelika Hirschberg

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