"Wir lehnen die Agro-Gentechnik ab"

„Wir brauchen Gentechnik nicht und wollen sie auch nicht in unserer Gesundheitsregion“, machte Landrat Johann Fleschhut für den Landkreis Ostallgäu deutlich. Doch bei den Bemühungen eine gentechnikfreie Landwirtschaft im Landkreis zu erreichen, „stagniert es“, sagte der Landwirt Leo Keller aus Ebersbach vergangene Woche im Landratsamt.

Seit gut zweieinhalb Jahren setzt sich der Landwirt für einen gentechnikfreien Landkreis ein. Unterstützung erfährt er dabei seit 2007 vom Kreistag. Alle 45 Kommunen im Ostallgäu appellieren seitdem an ihre Bauern auf den Anbau mit gentechnisch veränderten Pflanzen sowie auf gentechnisch verändertes Futtermittel zu verzichten. Bis jetzt nur mit einem kleinen Erfolg. Rund zehn Orte erfüllen die Kriterien. Görisried konnte im April 2008 als erste Kommune zur gentechnikfreien Zone im Ostallgäu erklärt werden. Doch bis sich das Ostallgäu als gentechnikfreier Landkreis erklären darf, dauert es noch. Denn mindestens zwei Drittel der Landwirte müssen auf Gentechnik verzichten. Keller habe sich die Arbeit zunächst leichter vorgestellt. Doch er gibt nicht auf und geht weiterhin „von Haus zu Haus“. Da die Initiative von dem Bayerischen Bauernverband im Jahr 2007 ausgegangen ist, vermutet Keller, dass einige Bauern nicht unterschreiben wollen. Schuld seien die Differenzen zwischen dem BBV und dem Bund deutscher Milchviehhalter (BDM). „Da beide Verbände doch das selbe Ziel haben, könnte man doch auch an einem Strang ziehen“, appelliert Keller. Mit anderen Organisationen, wie der Kaufbeurer Greenpeace-Gruppe, funktioniere die Arbeit auch. Koordiniert wird der Arbeitskreis „Gentechnikfreies Allgäu“ vom Bioring Allgäu. Auch die Käsereien, Molkerein und Metzger sollen die Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ als werbewirksames Mittel einsetzten, fordert Christine Räder vom Bioring Allgäu. Keller sieht gerade in der gentechnikfreien Milch eine gute Möglichkeit, „um sich von anderen Regionen positiv abzusetzen“. Mit vier großen Molkereien im Ostallgäu würden derzeit auch schon Vertragsverhandlungen laufen, verriet der Ebersbacher Landwirt. Ebenfalls bei Discountern stünden, laut Germaringer Kreisrat Lorenz Kreuzer, Gespräche an, gentechnikfreie Milch ins Sortiment aufzunehmen. Doch ohne den Verbraucher geht es nicht, dieser „müsse ein Bewusstsein entwickeln“, so Landrat Fleschhut. Ein Schritt in die richtige Richtung sind die rund 5000 gesammelten Unterschriften von Verbrauchern im Ostallgäu, wie Elisabeth Heringer aus Trauchgau, um sich gegen den Einsatz von Gentechnik auszusprechen. „Es soll klar werden, wir lehnen die Agro-Gentechnik ab, weil unkalkulierbare Gesundheitsrisiken, ökologische Schäden und Abhängigkeiten der Bauern von Agrarkonzernen drohen“, verdeutlicht Räder und führt aus: „Das wird sich auch auf die Marke 'Allgäu' positiv auswirken.“ Als Ziel gibt Keller vor, dass bis zum 1. Januar 2010 das Ostallgäu gentechnikfrei ist. Doch damit dürfe nicht Schluss sein. Es gehe nicht nur ums Unter-, Ober- und Ostallgäu, sondern das ganze Allgäu muss gentechnikfrei werden und „danach muss es weitergehen“. Landwirte, die auf Gentechnik verzichten wollen, können sich auf www.bioring-allgaeu.de informieren.

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Verkehrsunfall auf der B16

Auf der B16 zwischen der B12-Anschlussstelle bei Marktoberdorf und Biessenhofen ist es am frühen Nachmittag zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen.
Tödlicher Verkehrsunfall auf der B16

Buntes Treiben beim Buronia-Gala-Ball

Kaufbeuren – Rund 240 festlich gewandete Ballgäste hatten sich am vergangenen Samstag im Stadtsaal eingefunden, um am 151. Buronia-Gala-Ball der …
Buntes Treiben beim Buronia-Gala-Ball

Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Buchloe – Die Stadt lässt sich ihre Kindergärten etwas kosten. Das bedeutet aber auch, dass Gebührenerhöhungen unumgänglich sind. Der Hauptausschuss …
Höhere Elternbeiträge für die Kitas

Kommentare