Soldaten sind auch Menschen

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Anton Fehlau signiert sorgfältig und stillvergnügt die ihm hingehaltenen Bücher.

Kaufbeuren – Anton Fehlau, Jahrgang 1923, Jung-Autor. Vergangene Woche hat der rüstige 93-Jährige im mit rund hundert Leuten voll besetzten Foyer des Heinzelmannstifts sein Buch „Die Strapazen waren oft unsagbar – Division Das Reich, 15.7.1939-9.5.1945“ vorgestellt und im Anschluß auf Anhieb etwa 60 Stück verkauft.

Das Lampenfieber ist ihm anzumerken. „Sonst ist er nicht so wortkarg, gell, Herr Fehlau“, lächelt Marianne Baur, Pflegedienstleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin des Heinzelmannstifts. Dennoch hat der greise Jung-Autor seinen Humor behalten. Auf die Frage, wie lange er schon der Heinzelmann-Familie angehöre, antwortet er verschmitzt „genau ein Jahr – und mir gefällt’s immer noch.“ Und als er gebeten wird, eine Passage aus seinem Buch vorzulesen, meint er trocken, „in meinem Vertrag steht, ich muss das Buch erstellen. Es vorzulesen ist darin nicht enthalten.“ 

Damit überlässt er diesen Programmteil Verleger Josef Bauer und Marianne Baur, der guten Seele des Stifts, nachdem Geschäftsführer Gerhard Heiligensetzer die Gäste begrüßt hat, unter ihnen Günther M. Goth, den Vorsitzenden der Soldatenkameradschaft Kaufbeuren e.V. und Manfred Hauser, den Bürgermeister von Kaltental. Dort hat Fehlau nach der Rückkehr aus seiner fünfjährigen Kriegsgefangenschaft rund 60 Jahre gelebt, bis er 2015 in den Heinzelmannpark übersiedelte. Seine Frankenhofener Frau Berta Kreuter hatte ihn bereits 2003 als Witwer hinterlassen. 

1941 hatte sich Fehlau knapp 18-jährig freiwillig zur Artillerie der Waffen-SS gemeldet. „Nicht aus Abenteuerlust, sondern im guten Glauben, meine bedrohte Heimat Ostpreußen zu schützen“. Wer sich warm und sicher der Bequemlichkeit und des Wohlstands der westlichen Welt erfreuen darf, wo es seit über 70 Jahren keinen Krieg gab, kann sich so gut wie nicht vorstellen, welche unglaublichen körperlichen Strapazen, Hunger, Hitze, Kälte und vor allem die ständig drohende Gefahr von Verwundung und Tod die Soldaten in den Kriegen der Welt auszuhalten haben. Daher sei es bei uns so wichtig, sagt Bürgermeister Hauser in seinem Grußwort, „dass die Leute, die das noch miterlebt haben, das auch niederschreiben.“ 

Anton Fehlau, ermutigt von einem Zeitungsartikel, hat es getan. Zusammen mit dem Bauer-Verlag in Thalhofen hat er sein umfangreiches Material gesichtet, geordnet und mit Bildern ergänzt. Seine Kriegs­erinnerungen sind keine Glorifizierung, sondern Fehlaus „ganz einfache“ Botschaft an die Nachwelt, niemals den Glauben an das Gute im Menschen zu verlieren. 

Er hat, so beschreibt er in etlichen Episoden seines Buchs, genau wie seine Kameraden „viel ertragen, aber auch oft viel Gutes erfahren“. Hat trotz Elends und Gefahr selbst ebenfalls immer danach getrachtet, menschlich anständig zu bleiben und auch die – von oben diktierten – Feinde als Menschen zu behandeln. „Wir deutschen Soldaten haben, wo es möglich war, uns bemüht, die große Not der zwischen die Fronten geratenen Menschen zu lindern“. Wie er mit zwei Kameraden unter Lebensgefahr ein requiriertes Fuhrwerk nebst drei Pferden den glücklichen Eigentümern zurückgebracht hat, wurde 1984 sogar in einer französischen Zeitung berichtet. Da ist es kein Wunder, dass selbst ehemalige Kriegsgegner mit Hochachtung von diesen Soldaten sprechen. 

Die aus der deutschen Wehrmacht hervorgegangene Bundeswehr dagegen „sieht offenbar die eigenen Väter und Großväter nicht als Kameraden an“, wie Günther ­Goth beklagt. Unter den Tonbandklängen von „Ich hatt‘ einen Kameraden“ kommentiert Fehlau dessen Beitrag mit „Das war jetzt schon schön für uns alte Knaben.“ Während sich abschließend die Gäste am Sekt gütlich tun, signiert Anton Fehlau sorgfältig und stillvergnügt die ihm hingehaltenen Bücher.

von Ingrid Zasche

Zum Buch:

Die Strapazen waren oft unsagbar Division ‚Das Reich‘ 15.7.1939-9.5.1945 von Anton Fehlau 

Bauer-Verlag Thalhofen, 28.04.2016 

ISBN: 978-3-95551-087-9 

Hardcover 80 Seiten mit einem gefalteteten Kartenblatt als Beilage erhältlich im Buchhandel und im Heinzelmannstift.

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