"Im Zentrum Verfall"

Keine Zierde für die Innenstadt sind die verfallenen Häuser, die mittlerweile in großer Anzahl vorhanden sind. Hier im Ringweg fällt der Leerstand besonders ins Auge. Foto: Frisch

Die alten Häuser mit verwinkelten Höfen und Dachterrassen machen für viele Besucher und auch Anwohner den Charme der Kaufbeurer Innenstadt aus. Wer aber genauer hinsieht, dem fällt schnell auf: Vieles steht leer, hinter den hübschen Fassaden hat meist der Verfall schon Einzug gehalten. Unverständlich, finden viele Einheimische. Auf der Bürgerversammlung in Kleinkemnat bereits thematisiert, kam die Problematik auf der Oberbeu-rer Veranstaltung erneut zur Sprache.

„Im Umkreis werden überall Baugebiete ausgewiesen und viel Geld für die Erschließung bezahlt. Gleichzeitig liegen Häuser, Bauplätze und Nutzgebäude in den besten innerstädtischen Lagen brach“, empörte sich ein Anwesender. Es müssten „aggressive Förderprogramme und ähnliche Anreize“ geschaffen werden, um die entsprechenden Besitzer zur Nutzung und Instandhaltung der Gebäude zu animieren. „Uns ist das Problem bekannt. Wir können nur leider niemanden zwingen, sein Haus zu renovieren oder das Grundstück jungen Familien zum Kauf anzubieten“, verteidigte sich Oberbürgermeister Stefan Bosse im Oberbeurer Pfarrsaal. Für die Weigerungen gebe es verschiedene Gründe, in der Ludwigstraße scheuten die Hausbesitzer zum Beispiel oft die Auflagen und Kosten des Denkmalschutzes. „In Städten wie Hamburg wurden Gebiete ausgewiesen, wo die Leute verpflichtet wurden, etwas zu tun. Bayern hat sich aber bewusst gegen diesen Weg entschieden“, weiß Bosse. „Wenn man einfach jedem Geld geben würde, der in ein innenstädtisches Haus investiert, käme es garantiert zu enormen Mitnahmeeffekten!“ Viele junge Familien, die den größten Anteil an der Nachfrage nach Häusern und Baugrund haben, wollten zudem gar nicht in die Altstadt, auch wenn es entsprechende Angebote gäbe: „Es fehlen die Parkplätze!“ Auch die Mischnutzung mit vielen Gaststätten störe potentielle Anwohner. So sei man gezwungen, den Bedarf an Baugrund „auf der grünen Wiese“ zu decken. „Wenn wir es nicht machen, machen es eben die umliegenden Gemeinden“, so der Rathauschef. Umso mehr freue man sich aber über Initiativen wie die Neugestaltung des bekannten „Momm-Geländes“, wo ein Wohn- und Gewerbepark realisiert wird. „Daran sieht man doch, dass es geht, wenn die Leute nur wollen“, wie ein Oberbeurer bemerkte. Auch für das alte Kino beim „Forettle“ gibt es wohl Pläne: Bosse teilte mit, die Ruine mit Grundstück sei verkauft und es gebe einen Antrag für den Bau von Parkplätzen. Zudem sorge man mit der weiteren Attraktivierung des Angebots, wie beispielsweise durch die Röther-Ansiedlung oder die Neugestaltung des Bereichs „Zollhäusle“, dafür, dass die Innenstadt nicht aussterbe. Bosse musste am Ende jedoch klarstellen: „Eine Universallösung, wie man dem Problem des vermehrten Verfalls begegnen kann, haben wir leider noch nicht gefunden.“

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