Über Standortfrage entschied Kreisausschuss – Roßhaupten verliert Bauhof

Da waren's nur noch zwei

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Für einen langen Winter gerüstet. Rund acht Tonnen Streusalz landen jeden Winter auf einem Kilometer Kreisstraße im Ostallgäu.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Die Sanierung der landkreiseigenen Bauhöfe, deren Gebäude teilweise knapp 100 Jahre alt sind, steht schon seit über einem Jahrzehnt auf dem Plan. Nun packt die Kreisverwaltung also den Umbau der Bauhöfe an – und das mit einem völlig neuen Konzept. Künftig soll es zwei anstelle von bisher drei Bauhofstandorten geben.

In Germaringen im Norden und in Marktoberdorf in der Mitte sollen zwei neue Landkreis-Bauhöfe entstehen, deren Verwaltung ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Landratsamt untergebracht sein wird. Bisher erfolgte der Betriebsdienst an den Kreisstraßen von drei Bauhöfen in Westendorf, Marktoberdorf/Thalhofen und Roßhaupten aus. Der Bauhof in Roßhaupten soll nun geschlossen, Gebäude und Grundstück veräußert werden.

Der Kreisausschuss brachte dieses Projekt am vergangenen Montag auf den Weg, nachdem mehrere Varianten vorgestellt worden sind. Neben der neuen Struktur (Variante 2: Zwei Bauhöfe an den Standorten Markt­oberdorf und Germaringen) standen außerdem die Sanierung und Erweiterung des Bauhofs in Roßhaupten und der Neubau in Germaringen (Variante 1) sowie die Drei-Standort-Lösung Neubau bei Westendorf und Thalhofen sowie die Sanierung des Standorts Roßhaupten (Variante 3) zur Diskussion.

Klarer Favorit

Eine Nutzwertanalyse der Verwaltung, die die Faktoren Winterdienst, Organisation, Kosten und Personal berücksichtigte, brachte einen klaren Favoriten ins Rennen. Die Zwei-Standort-Lösung in Marktoberdorf und Germaringen bringe klare Vorteile, erläuterte Thomas Stöckle, Leiter des Kommunalen Bauamts. So könne die Umsetzung des Winterdienstes verbessert und die Organisation des Betriebsdienstes gebündelt werden. Es fielen weniger Kosten durch eine Reduzierung der Gebäude und Standorte an, sagte Stöckle. Außerdem könnten von Marktoberdorf aus Synergien mit weiteren landkreiseigenen Liegenschaften genutzt werden. Hier brachte Stöckle als Beispiel den gemeinsamen Betrieb einer Auto-Waschanlage von Landrats­amt und Bauhof an.

Die Kosten für zwei neue Bauhöfe an anderer Stelle, schätzt die Verwaltung momentan auf 8,9 Millionen Euro Herstellungskosten. Für den Verkauf der drei jetzigen Bauhöfe und ihren Grundstücken erwartet sie insgesamt 2,7 Millionen Euro zu erhalten. Das ergab eine Verkehrswertschätzung und ist ein Erlös, der die Finanzierung der neuen Standorte unterstützen soll. Landrätin Maria Rita Zinnecker hob als weiteren Charme der Zwei-Standort-Lösung hervor, dass der Betrieb in den alten Bauhöfen bis zum Umzug weiterlaufen könne und so ein reibungsloser Übergang sichergestellt sei.

Wichtigste Aufgabe: Winterdienst

Was sich dann aber ändern wird, ist die Aufteilung des Streckennetzes. Das ist besonders für die Aufgaben des Winterdienstes wichtig, der 325 Kilometer Kreisstraßen künftig von zwei Standorten aus zu versorgen hat. Ein Blick auf die Karte machte klar, dass es in der Mitte und im Norden des Landkreises ein besonders dichtes Netz an Kreisstraßen gibt. 25 Prozent der Straßen werden heute schon von Fremdunternehmen betreut. Das solle sich auch nicht ändern, so Stöckle in Abstimmung mit Bauhofleiter Werner Weigl. „Das geplante Räum- und Streukonzept ist so ausgelegt, dass Fuhrunternehmen künftig vermehrt im Süden eingesetzt werden, ohne dass sich der Gesamtvergabeanteil erhöhe“, erläuterte Thomas Stöckle. Allerdings werde in der Mitte und im Süden über eine neue Verteilung nachgedacht, die besonders die Kreisstraße OAL 1 betreffe.

Kritik aus Roßhaupten

Das vorgelegte Konzept stieß nicht bei allen Ausschussmitgliedern auf Gegenliebe. Roßhauptens Bürgermeister und Kreisrat Thomas Pihusch (Freie Wähler) reagierte überrascht, mit welchem Tempo hier die Schließung eines Bauhofstandorts vorangetrieben werde. Er kritisierte eine Nord-Süd-Schieflage und mahnte, den Winterdienst im Süden zuverlässig sicherzustellen. Zudem zweifelte er Zahlenschätzungen an, die einen Erlös des Bauhofgeländes in Roßhaupten mit rund 690.000 Euro beziffert hatten. „Die Gemeinde Roßhaupten wird an diesem Grundstück am Ortsrand sicher kein Interesse haben“, kündigte er an.

Marktoberdorfs Bürgermeister und ebenfalls Kreisrat Dr. Wolfgang Hell (CSU) äußerte sich im Ausschuss nicht zur Standortfrage. Hernach erklärte er gegenüber dem Kreisbote, dass es allein darum gegangen sei, im Sinne des Landkreises zu entscheiden, wo ein kommunaler Bauhof zweckmäßig sei. Als Bürgermeister von Marktoberdorf zeigte er sich jedoch durchaus erfreut, die Bauhofzentrale in der Kreisstadt zu sehen. Was mit dem bisherigen Bauhof in Thalhofen passiere, werde man genau beobachten. Grundsätzlich, so der Rathauschef, sei auch die Stadt daran interessiert, um sicherzustellen, dass dort an prominenter Stelle etwas Sinnvolles entstehe.

An beiden Bauhöfen in der Mitte und im Norden sollen künftig je 14 Mitarbeiter beschäftigt sein. Mit dem Beschluss des Kreis­ausschusses wird nun die Verwaltung beauftragt, die Finanzierung und Planung des neuen Bauhofkonzepts voranzutreiben. Bis 2021 könnten die neuen Bauhöfe in Betrieb gehen.

von Angelika Hirschberg

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