Informationsveranstaltung zum Geothermie-Projekt in Mauerstetten

"Es handelt sich nicht um Fracking"

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Fachlich kompetent: Vor einem großen Publikum erläuterte Prof. Dr. Merkel von der TU Freiberg das Geothermie-Vorhaben in Mauerstetten.

Mauerstetten – Fracking oder nicht? Das war eine der Fragen, die die Verantwortlichen des Geothermie-Projekts auf Mauerstettener Flur den besorgten Bürgern im Rahmen einer Infoveranstaltung beantworteten. Seit Monaten ist das Projekt in der Diskussion

Die offensichtlich in den Medien angestoßene Diskussion über ein sogenanntes „Fracking-Verfahren“ hatte gleich mehrere Hundert Interessierte bewegt, die Informationsveranstaltung des Mauerstettener Bohrloch-Betreibers Exorka zu besuchen. Dabei meldeten sich ausschließlich die Personen zu Wort, die lediglich Risiken in dem Projekt sahen und ihre Bedenken zum Ausdruck brachten. Die Veranstaltung war auf Initiative der Gemeinde zustande gekommen. 

Bürgermeister Armin Holderried zeigte sich „überwältigt von dem Interesse“, welches von einer großen Betroffenheit der Bevölkerung zeuge. Das zurzeit noch in der Genehmigungsprüfung des Bayerischen Bergamtes liegende Vorhaben wird durch mehrere externe Einrichtungen aus der Forschung begleitet. Per Definition findet laut Prof. Dr. Broder J. Merkel von der TU Bergakademie bei diesem Projekt „kein Fracking“ statt. 

Etwa dreihundert Bürger, überwiegend aus Mauerstetten, sowie Kaufbeuren und Umgebung hatten sich in der Mehrzweckhalle eingefunden. Laut Holderried gab es bei der ersten Veranstaltung nur eine „moderate Beteiligung“ mit wenigen Bürgern. Er betonte die neutrale Haltung der Gemeinde, die sich in einer Stellungnahme mit einer Stimme Differenz knapp gegen das Vorhaben ausgespro- chen hatte. Im ersten Teil des Abends erläuterten Experten der TU Bergakademie Freiberg bei Dresden, von Geo Thermal Engineering in Karlsruhe und von Q-con GmbH in Bad Bergzabern anhand von illustrierten Vorträgen die vorgesehenen Abläufe unter der Erde. Mithilfe eines Forschungsprojektes soll heißes Wasser als Energieträger für Wärme- und Stromerzeugung gewonnen werden (wir berichteten mehrfach).

"Totale Überwachung" 

Unternehmer Curd Bems von Exorka zeigte sich zuversichtlich: „Wir sind überzeugt, Wärme hier umsetzbar machen zu können.“ Prof. Merkel von der TU Bergakademie erläuterte ausführlich die Geologie im Alpenvorraum mit dem in Tiefen bis 4.000 Meter vorhandenen heißen Wasservorkommen. Mit „hydraulischer Stimulation“ bei Druckverhältnissen von 314 bar handele es sich um ein seit Jahrzehnten angewandtes Verfahren. Damit werde die Ge- steinsschicht des Malm durchlässiger gemacht und die Fördermenge an heißem Wasser auf eine wirtschaftliche Größe erhöht. Auch die Zugabe von Kohlendioxid und verdünnter Salzsäure sei unproblematisch. Er betonte ausdrücklich, dass es sich nicht um „Fracking“ handele, bei dem mit Drücken von 1.000 bar und chemischen Zugaben gearbeitet würde und schloss mit den Worten: „Wir werden in Zukunft Strom brauchen und Geothermie ist ein potentes Mittel dafür.“ 

Seismologe Dr. Stefan Baisch von Q-con begleitet das Projekt durch eine seismische Überwachung. Obwohl nach seinen Worten vor Ort ein äußerst geringes seismisches (erdbebenartiges) Risiko vorliege, würden mit einem hochempfindlichen Überwachungssystem die operativen Maßnahmen täglich rund um die Uhr überwacht, um auch ein Restrisiko abzufedern. „Mit dem Monitoring haben wir den Hosenträger zum Gürtel gemacht“, so der Wissenschaftler, „und bei geringsten Anzeichen wird das Projekt gestoppt, denn dann hat auch der Betreiber kein Interesse daran, Schäden an der Oberfläche zu riskieren.“ 

Bedenken der Bürger 

In der anschließenden Diskussion stellten sich die Referenten den Bürgern unter Moderation des Geologen Dr. Horst Kreuter von GeoThermal Engineering. Dabei ging es unter anderem um die verwendeten Laborproben, die Gefährdung des Trinkwassers, den Ort und die Anzahl der Bohrungen sowie deren Ausdehnung unter der Erde, warum „im Ostallgäu gebohrt“ würde, die Risiko-Versicherung oder die Energiebilanz (siehe auch unten). Stefan Hild von Exorka erläuterte den Zeitplan vorbehaltlich eines Genehmi- gungsbescheides. In diesem Jahr würden lediglich die Vorbereitungen für die seismische Überwachung erfolgen. Erst im nächsten Jahr könnte dann die Versuchsreihe starten und nach etwa sechs Monaten abgeschlossen werden. Bürgermeister Holderried bot bei Bedarf der Bürgerschaft auch zukünftig weitere Info-Veranstaltungen an.

Das sagen die Verantwortlichen

• „Die geförderten 400 Tonnen Kalkstein-Proben haben wir nicht weggeworfen, sondern sie für „B-Proben“ verwendet, die in völliger Übereinstimmung mit den ersten Proben standen.“ (Curd Bems, Exorka) 

• „Die Versuchsbereiche werden von mehreren Nichtleiter-Schichten zum Teil ohne und mit Grundwasser unter hohem Druck überlagert, sodass eine Vermischung ausgeschlossen ist. Zudem ist die Verrohrung dreifach ineinandergelegt.“ 

„Es gibt jetzt keine neue Bohrung, sondern nur einen Bereich von mehreren zehn Metern für den Feldversuch. Erst bei Erfolg werden von einer zentralen Bohrung ausgehend zwei Bohrungen im Abstand von mehreren Hundert Metern abgelenkt.“

„Man muss Geothermie da nutzen, wo sie möglich ist. Sie funktioniert 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr.“ 

 (Prof. Dr. Broder J. Merkel, TU Bergakademie) 

• „Für die Haftung bei Schäden gilt die Beweislast-Umkehr. Die Versicherungssumme wird von der genehmigenden Behörde festgelegt.“ „Die Energiebilanz ist zehnmal besser als bei Fotovoltaik.“(Curd Bems, Exorka) 

von Wolfgang Becker

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