Zwölf Engel leisten Hilfe

Das Baby ist da, die Freude ist riesig – und nichts geht mehr. Babystress pur, aber keine Hilfe weit und breit. Denn immer öfter sind Eltern, Geschwister und Bekannte über das ganze Land verstreut. So lautet der Text eines Flyers von „Wellcome – praktische Hilfe für Familien nach der Geburt“, einem Verein der 2002 in Hamburg-Niendorf gegründet wurde, und vergangene Woche in Kaufbeuren für die kreisfreie Stadt und den Landkreis Ostallgäu einen Wellcome-Standort eröffnete.

Die Idee zu „Wellcome“ entstand bei Rose Volz-Schmidt aus einer persönlichen Erfahrung heraus und zwar nach der Geburt ihrer mittlerweile 18-jährigen Tochter. Denn nach vier Tagen Krankenhausaufenthalt kam der „schmerzliche Sturz in die Realität“ mit dem Baby und plötzlich „ging nichts mehr“. Es gab das Gefühl der Überlastung, obwohl das Kind ganz gesund gewesen sei. Volz-Schmidt sprach mit anderen Müttern darüber und merkte, dass sie nicht allein mit dem Gefühl war und gründete daraufhin „Wellcome“. Dieser Verein für bürgerliches Engagement dient dazu, dass ehrenamtliche Helfer zirka zweimal pro Woche für jeweils zwei bis drei Stunden während der ersten Wochen und Monate nach der Geburt ins Haus kommen und die Neugeborenen oder Geschwister betreuen, einfach nur zuhören oder auch ganz praktische Hilfen leisten. Allerdings seien „die Helfer keine Haushaltshilfen“, verdeutlichte Bärbel Mattula, Koordinatorin von „Wellcome“ in Kaufbeuren. „Wellcome“ stoße in eine Lücke hinein, wie es Dr. Volmar Reschke, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, vergangene Woche bei der Eröffnungsfeier nannte. Denn Betreuungshilfen, die den Familien und den jungen Müttern so kurz nach der Geburt unter die Arme greifen, gibt es keine. Auch das Symbol des Vereins – ein Engel, der ein Baby hält – ist mit Bedacht gewählt. „Denn ein Engel kommt, wenn die Not am größten ist und geht dann wieder“, brachte es Dr. Irene Epple-Waigel, Wellcome-Patin, auf den Punkt. Auch sie konnte aus eigener Erfahrung sprechen, wie wichtig jemand ist, der einen in dieser Zeit entlastet. „Denn nicht selten gebe es Probleme bei der Organisation des Alltags“ mit einem Neugeborenen Kind, teilte Christine Haderthauer, Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Kinder und Frauen, in einem Grußwort mit, welches CSU-Bundestagskandidat und Kaufbeurer Stadtrat, Stefan Stracke, verlas. Wie wichtig eine solche Unterstützung gerade auch für alleinerziehende Mütter sei, verdeutlichte Bürgermeister Gerhard Bucher: „Ich schätze so eine Einrichtung ganz besonders, da meine Mutter alleinerziehend war und wenn ich mit ihr darüber sprechen wollte, konnte sie nicht antworten, da sie Tränen in den Augen hatte.“ Landrat Johann Fleshhut ermunterte alle Frauen den Dienst in Anspruch zu nehmen, denn es sei keine „Schwäche zu sagen, ich leiste mir die Hilfe“, sondern „alle haben es nötig“, stieß Volz-Schmidt ins selbe Horn. „Wellcome“ ist in Kaufbeuren beim Kinderschutzbund für Kaufbeuren und den gesamten Landkreis Ostallgäu angesiedelt. Derzeit gibt es zwölf ehrenamtliche Helferinnen, die sich ab sofort um Familien und die Neugeborenen kümmern können. Leiten und koordinieren wird Bärbel Mattula „Wellcome“ in Kaufbeuren. Sie ist gelernte Krankenschwester und selbst Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Sie wird das jeweils erste Gespräch mit den Müttern führen und dort erfahren, was sich die jeweilige Mutter wünscht und was sie sich für Hilfe vorstellt. „Vielleicht kann ich bei dem Gespräch auch schon Probleme lösen“, sagt Mattula, die gleichzeitig einen Aufruf startet. Denn es würden noch für den ganzen Landkreis Helfer fehlen. Nicht nur Frauen, sondern auch Männer sind willkommen. Voraussetzung sei unter anderem, dass eine gewisse Erfahrung mit Kindern vorliegt und sie „sollten einfühlsam und verschwiegen sein“. Bis zu einem Jahr könne die Hilfe in Anspruch genommen werden. Telefondienst hat Mattula montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr unter Tel. 08341/62663. Dort können sich auch Interessierte melden, die gerne ehrenamtlich mitarbeiten wollen. Mehr Infos zu dem Projekt gibt es auf www.wellcome-online.de. Wer „Wellcome“ finanziell unterstützen möchte, kann dies gerne mit einer Spende an Sparkasse Kaufeburen, Stichwort: wellcome, Bankleitzahl 73450000, Kontonummer 29264, tun.

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