Besondere Ausstellung

Gedenken an Hengeler

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Haben sich einiges zum Begleitprogramm der Hengeler-Ausstellung einfallen lassen: Der Graffiti-Künstler Robert Wilhelm (v.l.), Nadine Heindl, Studentin der Medienpädagogik, und der Komponist und Musiker Christian Ludwig Mayer.

Kempten – Geboren 1863 in der Sängerstraße 22 in Kempten als Sohn des Verwalters der Josephinen- und Margerethenstiftung; gestorben 1927 in München, wohin es ihn ab 1881 gezogen hatte, unter anderem um Kunst zu studieren – dazwischen ein erfülltes Künstlerleben.

Zum 150. Geburtstag von Adolf Hengeler widmet ihm die Stadt eine umfangreiche Gedächtnisausstellung.

Es ist die erste große Präsentation des Malers, Zeichners und Karikaturisten, der „für die Stadt Kempten die Künstlerpersönlichkeit seiner Zeit“ gewesen sei, hob OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) im Rahmen einer Pressekonferenz Hengelers „im Laufe der Zeit keineswegs geschmälerte Bedeutung“ hervor. Schwerpunkt der Anfang Mai 2013 beginnenden Ausstellung im Gewölbe des Kemptener Kornhauses soll sein Schaffen in der bourgeoisen Münchner Kunstszene sein, mit zentralen Werken aus all seinen Schaffensbereichen: der angewandten Grafik, der freien Malerei und seinen Publikationen „Münchner Fibel“, „Tagebuch zum Ersten Weltkrieg“ oder „Phantasien“.

Dafür wird laut Museumsleiterin Ursula Winkler derzeit der Nachlass des schon zu Lebzeiten prominenten Künstlers und Kunstdozenten „intensiv aufbereitet“ und für die Ausstellung um Leihgaben aus der Neuen Pinakothek in München, aus den Kunstsammlungen Chemnitz sowie verschiedenem Privatbesitz ergänzt. Als das Testament des einzigen Enkels des Malers, Peter von Bomhart, 1978 vollstreckt worden war, waren der Stadt Kempten über 60 Gemälde und Grafiken, über 1300 Zeichnungen und Skizzen sowie diverse Gegenstände aus seinem Besitz zugefallen. Darüber hinaus zählen zur Städtischen Sammlung auch früh erworbene Werke, sodass die Stadt hier „aus dem vollen Schöpfen kann“, wie Netzer sagte.

Drei Phasen

Winkler teilte das Schaffen des Kemptener Künstlers, der „höchst unterhaltsame Kunst“ geschaffen habe, in drei Phasen ein: die frühe, mit den „Fliegenden Blättern“, dann die Phase mit vor allem Malereien und schließlich die dritte Phase, ausgelöst durch seine Erlebnisse im 1. Weltkrieg, durch die „seine Heiterkeit eine starke Zäsur erfahren hat“ und er sich anderen Themen zugewandt habe. Nach seiner Lehre als Lithograph in Kempten etablierte sich Hengeler in München zunächst als Zeichner und später auch als Maler, unter anderem als Mitglied der „Münchner Secession“. In seinen Darstellungen erweist er sich als scharfer Beobachter seiner Mitmenschen, deren Eigenarten er spöttisch-humorvoll auf die Schippe zu nehmen versteht. Ebenso angetan haben es ihm Natur, Tiere oder Fabelwesen, die er nicht minder eigenwillig in Szene setzt. Erinnert der präzise Strich des Zeichners und Karikaturisten Hengeler ein wenig an die Tuschefeder von Wilhelm Busch, sind in seinen Malereien Einflüsse von Künstlerkollegen wie Carl Spitzweg, Franz von Stuck oder Franz von Lenbach nicht zu leugnen. Mit dem Pinsel konzentriert er sich vor allem auf Landschaftsdarstellungen, bereichert durch die für ihn fast zu einem Markenzeichen gewordenen Putten oder auch Personen.

Für die Jubiläumsausstellung unter dem Titel „Adolf Hengeler – Karikaturist, Künstler, Kunstprofessor“ vom 9. Mai bis 6. Januar 2014 ist ein reichhaltiges Begleitprogramm geplant: Unter anderem Aktionen und Workshops mit dem Graffiti-Künstler Robert Wilhelm, eine Schreib- und Druckwerkstatt unter dem Titel „Buchkinder“ oder auch eine „Hengeler-Kunst-Revue“ des hiesigen Komponisten und Musikers Christian Ludwig Mayer.

Ein kleinerer Film zur Hengeler-Bildgeschichte „Künstlicher Absturz“ von der Medienpädagogik-Studentin Nadine Heindl ist bereits im Internet auf Youtube veröffentlicht und soll einen Vorgeschmack auf während der Ausstellung insgesamt zehn solcher Stop-Motion-Szenen geben.   Christine Tröger

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