Erinnerung an den Probstrieder Galgen

Neue Gedenkstätte

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Vor sieben Jahren nahm die Geschichte mit dem Fund eines verwitterten Gedenksteines ihren Lauf. Jetzt endlich konnte Initiator Edmund Off zur feierlichen Einweihung der Gedenkstätte zur Erinnerung an den Probstrieder Galgen einladen.

Probstried – Dreihundert Jahre lang, von zirka 1500 bis um das Jahr 1800, stand auf der Anhöhe über Probstried weithin sichtbar der Galgen. Hunderte von Menschen mussten hier seit dem Bauernkrieg auf qualvolle Weise ihr Leben lassen.

Die meisten Exekutionen fanden in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges statt. Die letzte Hinrichtung, bei der ein Mann aus Haldenwang den Tod fand, wurde kurz vor 1800 vollstreckt. Seit dem vergangenen Wochenende erinnert nun eine aufwändig und informativ gestaltete Gedenkstätte an diese finstren, grausamen Zeiten. Initiator ist der Probstrieder Heimatforscher Edmund Off. Im Jahr 2006 wurde im „Galgenhölzele“, dem kleinen Wäldchen am Original-Standort des ehemaligen Galgens, ein alter, verwitterter, teilweise von Moos überwucherter Gedenkstein gefunden, dessen eisernes Kreuz abgeschlagen war. Edmund Off barg das Kleinod, lagerte es zunächst bei sich zuhause und begann den Geheimnissen des Steines auf den Grund zu gehen. Mit professioneller Hilfe und großem Aufwand konnte von dessen früherer Beschriftung neben den Umrissen eines fürstäbtlichen Wappens eine Seite lesbar gemacht werden. Deren Inschrift lautet: „Omen SH + BB. Dracht, heut ist vielleicht die letzte Nacht.“ 

In regelrechter Detektivarbeit rekonstruierte der pensionierte Kripobeamte Edmund Off, der sich seit gut zwanzig Jahren intensiv mit der Geschichte seines Heimatorts beschäftigt, den Hintergrund dieses einen Satzes. „Die Initialen SH und BB deuten auf den qualvollen Tod des Probstrieder Hauptmanns `Schmid Hans´ und des Gerichtsdieners `Buttel Bastian´ hin, die im Bauernkrieg aktiv waren“, fand Off heraus. Auf der Flucht in Richtung Schweiz wurden die beiden mit einigen Kampfgefährten in Vorarlberg gefangen genommen und auf der Burg Bregenz inhaftiert. Während die anderen fliehen konnten, wurden Schmid Hans und Buttel Bastian zum Tode verurteilt und am 21. Januar 1526 am Probstrieder Galgen gehängt. „Damals wurden viele Leute nicht etwa am Hals, sondern an den Händen aufgehängt, wodurch sie einem langsamen und qualvollen Tod entgegensehen mussten“, weiß Edmund Off. „Dracht“ bedeute so viel wie „hoffen“ oder „glauben“. Der Satz deute also darauf hin, dass die beiden Verurteilten hofften, dass ihre schrecklichen Qualen endlich ein Ende finden, so Off weiter.

 "Mühsamer Weg" 

In jahrelanger Arbeit setzte sich der heute 74-Jährige in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Landratsamt Oberallgäu und der Heimatpflegerin für den nördlichen Landkreis, Ingrid Müller, unermüdlich für die Schaffung der Gedenkstätte ein. „Der Weg durch die Verwaltung war dabei oft mühsam und hemmend“, gibt er zu. Doch nun, nach fast sieben Jahren, in denen Off und viele weitere, von ihm motivierte helfende Hände keinen Aufwand, keine Mühen und keine Zeit gescheut haben, konnte sein Traum verwirklicht werden. Am vergangenen Samstag fand die feierliche Einweihung der Gedenkstätte statt. Dabei nahm der 76-jährige Pfarrer Georg Albrecht – ein echtes Original, dessen Geburtshaus nur wenige hundert Meter vom „Galgenhölzele“ entfernt steht –, gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerin Andrea Krakau die Segnung der Stätte vor. „Wer aus der Geschichte nichts gelernt hat, der macht die gleichen Fehler wieder“, so Albrechts mahnende Worte. Mit dieser Gedenkstätte wolle man an schlimme Zeiten erinnern und gleichzeitig ein Zeichen des Friedens setzen. 

 Da der Originalstandort des Galgens heute inmitten einer intensiv genutzten landwirtschaftlichen Fläche liegt, wurde diese um wenige hundert Meter verlegt und befindet sich jetzt, leicht zugänglich, direkt an der schmalen Straße, die vom östlichen Ortsrand Probstrieds aus hinauf nach Todtenberg („An diesem Galgen wurden so viele Leute aufgehängt, dass ein ganzer Berg von Toten entstand, womit der ganze Weiler den Namen ‘Todtenberg’ erhielt“, so Pfarrer Albrecht), Wirtshalde und Gschlavers führt. Neben dem alten, restaurierten Gedenkstein findet sich hier eine vom Überbacher Kunstmaler Johann Sichler liebevoll und fachkundig gestalteten Informationstafel, sowie ein neues Gedenkkreuz, das Ewald Schiller, ein Heimatvertriebener, der in Probstried eine neue Heimat gefunden hatte, nach einer Vorlage aus den 20er Jahren kostenlos geschmiedet hat. Die gesamte Anlage wurde ausschließlich aus den Geldern örtlicher Sponsoren finanziert. „Das hat die Gemeinde keinen Cent gekostet“, betont Off. „Ich hoffe und wünsche mir, dass das eine Motivation für zukünftige Projekte ist.“

Sabine Stodal

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