"Alkohol steigert die Aggressivität"

Anlass zur Sorge bereitet den Verantwortlichen des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West die auch im vergangenen Jahr wieder kontinuierlich gestiegene Zahl der alkoholisierten Tatverdächtigen. Wie Polizeivizepräsident Reinhard Kunkel am Freitag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik mitteilte, stieg der Anteil der unter Alkoholeinfluss agierenden Täter auf 18,1 Prozent. Insgesamt blickte das Polizeipräsidium aber auf ein „gutes“ Jahr 2009 zurück. So konnten 67 Prozent aller Fälle aufgeklärt werden.

Die Aufklärungsquote in Kempten lag sogar bei 70,1 Prozent. Das bedeutet, dass über Zweidrittel aller angezeigten Straftaten aufgeklärt werden konnten. In Bayern liegt die Aufklärungsquote im Schnitt bei 63,9 Prozent. Ein geringer Anstieg von 0,9 Prozent im Vergleich zu 2008 zeigte sich bei der Gesamtkriminalität in Kempten. 5410 Fälle waren es im vergangenen Jahr. Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West lag die Gesamtkriminalität mit 43293 Taten 1,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel sieht es für heuer als eine Herausforderung an, die zunehmende Zahl der alkoholisierten Täter zu reduzieren. „Der Alkohol wirkt enthämmend und steigert somit die Aggressivität bei den Taten“, erläuterte Memel. Über die Hälfte der betrunkenen Tatverdächtigen waren unter 25 Jahre alt. Kunkel berichtete, dass bei den Körperverletzungen sogar jede zweite Tat unter Alkoholeinfluss begangen wurde. Mehr Diebstähle Während die Gewaltkriminalität insgesamt um 37 Fälle auf 1362 gesunken ist, waren in Kempten 25 Fälle mehr zu verzeichnen. Die Straßenkriminalität nahm sowohl in Kempten als auch im gesamten Bereich zu. Ebenso war bei den Diebstählen ein Zuwachs zu erkennen. Bei der Rauschgiftkriminalität gab es im Gesamtbereich einen Anstieg um 8,6 Prozent. In Kempten sank die Zahl dagegen um sieben Prozent. Der leitende Kriminaldirektor, Karl Heinz Alber, schilderte, dass die Wirtschaftskriminalität hingegen rückläufig sei. Dazu zählen zum Beispiel Verstöße gegen das Banken- und Kreditwesen. Bei den Sexualdelikten gab es mit 453 Fällen den niedrigsten Wert seit 2002. Insgesamt, so Memel, gehen beim Polizeipräsidium täglich 450 Notrufe ein, wovon 200 in Einsätzen enden. Zudem werden 118 Straftaten pro Tag begangen und es passieren 65 Verkehrsunfälle. In seinem Resümee beschrieb er außerdem, dass es einen schrittweisen Wandel zum intelligenten Täter gebe, der technische Möglichkeiten nutze. Das beweist auch die zunehmende Zahl der Internetkriminalität. "Nicht wegschauen" Um bei den Bürgern den Mut zur Zivilcourage zu fördern, führt jede Dienststelle heuer zwei Veranstaltungen zur Zivilcourage aus. „Wir wollen, dass die Bürger nicht wegschauen. Aber auch, dass sie sich nicht in Gefahr bringen“, erläuterte Polizeipräsident Memel.

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