Im Allgäu einiges im Argen

Werner Gloning. Foto: Archiv

Es ist inzwischen Tradition geworden: Anfang August zieht sich die DGB-Region Allgäu-Donau-Iller zu ihrem „bildungspolitischen Sommergespräch“ ins Allgäu zurück. Dabei soll „fern von der gewerkschaftspolitischen Alltagshektik“, so der DGB-Regionsvorsitzende Werner Gloning, das Thema Bildungspolitik, zusammen mit der bayerischen Landesvorsitzenden der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), Angelika Neubäcker, und der GEW-Vertreterin im DGB-Regionsvorstand, Ilona Deckwerth, aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beleuchtet werden.

Für Gloning liegt dabei im Allgäu noch einiges im Argen. So würden hier jährlich nur zwischen 29 bis 34 Prozent der Schülerinnen und Schüler nach der vier Jahrgangsstufe ins Gymnasium übertreten. In 13 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten seien dies 39 bis 44 und in 12 sogar 39 bis 44 Prozent. „Nachdem unsere Jugendlichen im Allgäu sicher nicht dümmer als in andern Regionen“, so Gloning, „gelte es Ursachenforschung zu betreiben und Abhilfe zu schaffen.“ Für Angelika Neubäcker sind in diesem Zusammenhang auch die starken Schülerströme vom Allgäu nach Baden-Württemberg „ein Alarmzeichen“. Anscheinend sei für viele das dortige Schulsystem attraktiver. "Völlig unübersichtlich" Neubäcker kritisierte „das zergliederte und völlig unübersichtliche Schulsystem“ in Bayern. Dies sei weder gesellschaftspolitisch noch pädagogisch sinnvoll. Die Forderung der GEW sei deshalb „Eine Schule für alle“. Die Schulen müssen so ausgestaltet werden, dass sie sich an den Bedürfnissen der einzelnen Schüler ausrichten und nicht, wie derzeit, umgekehrt. Dies werde inzwischen mit dem Fachbegriff Inklusion umschrieben. Wenig Allgemeinbildung Insbesondere bei der CSU vor Ort habe sie aber den Eindruck, dass dieses Prinzip noch nicht wirklich verstanden worden sei. Inklusion bedeute nicht „nur“ Integration von einem Teil der behinderten Schüler. Neubäcker kritisierte auch, dass speziell im Bereich der Haupt- und Mittelschulen die Allgemeinbildung immer mehr zugunsten der ausschließlichen Befähigung für eine berufliche Tätigkeit zurückgedrängt werde. Schulen dürften sich aber nicht nur an den kurzfristigen Interessen der Wirtschaft orientieren. Ilona Deckwerth wies auf die völlig unbefriedigende Situation im Bereich der Erwachsenenbildung hin. Hier gebe es im Allgäu für die Lehrenden zum größten Teil nur prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Ein Trend, der im Rahmen der Einführung von Ganztagsschulen im Bereich der Betreuung auch dort immer weiter um sich greife. Für Deckwerth ist klar: „Dies kann auf Dauer keine Grundlage für zukunftsorientiertes ganzheitliches Bildungssystem sein.“

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