Wie das Allgäu zur Heimat wird

Mit dem Thema „Neue Heimat Allgäu“ stellt der fkm in diesem Jahr Künstler aus, die durch Flucht, Vertreibung, Umsiedlung oder Kriegsgefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg im Allgäu ansässig geworden waren. Foto: Tröger

Eine ernsthaftere Thematik als in den vergangenen Jahren haben die Freunde Kemptener Museen (fkm) für ihre diesjährige Jahresausstellung gewählt. Unter dem Titel „Neue Heimat Allgäu“ werden Werke von Künstlern gezeigt, die in den frühen Jahren nach Kriegsende 1945 mit ihren Familien „in das im 1000-jährigen Reich weitgehend unversehrt gebliebene Voralpenland gespült“ worden waren, wie Dr. Werner Scharrer vom fkm zur Ausstellungseröffnung formulierte.

Nach einem zwölf Jahre währenden ideologischen Kunstdiktat seien sie in einer Art Aufbruchstimmung gewillt gewesen, „zu einer eigenen, neuen Formensprache zu gelangen“. Jedweder Habe beraubt und „vom Punkt Null aus einen künstlerischen Beginn suchend“, seien sie im neuen Berufsverband auf einen „Stamm gut etablierter Künstler“ getroffen, schilderte er die damalige, nicht zuletzt vom Kampf ums tägliche Brot geprägte Situation der Neuankömmlinge. Ihre Werke waren zuvor im Dritten Reich teilweise als „entartet“ eingestuft oder gar vernichtet worden. So habe beispielsweise Ferdinand Kuschel in den 1920er und 1930er Jahren „zu den bedeutendsten Bildhauern des böhmisch-mährischen Raumes gezählt“. Leider sei es ihm nach seiner Vertreibung aber nicht gelungen, in Kempten an seine erfolgreiche Arbeit anzuknüpfen. Zu unrecht vergessen Ein Schwerpunkt der Ausstellung zeigt Werke des laut Scharrer von „Resignation, Vereinsamung und zunehmender Verarmung“ geprägten Künstlers, der sich letztendlich nur mehr privat mit der Malerei in Wasserfarben und Tempera beschäftigt habe. Feinsinnige Zeugnisse seines Schaffens legen unter anderem der Halbakt „Sitzende Frau“ in Feder und Aquarell ab sowie die Radierung mit Aquatinta „Allgäu“. Die meisten der insgesamt 15 ausgestellten Künstlerinnen und Künstler sind inzwischen verstorben und viele auch zu unrecht vergessen. Anders der Künstler Heinz Schubert, der besonders mit seinen Kemptener Ansichten einen hohen Bekanntheitsgrad erwerben konnte. Er ist beispielsweise mit der Rückseite des „Londoner Hof“ in Bleistift und Kreide aus dem Jahr 1976 vertreten. Als beeindruckenden Farblinoldruck hat die 1935 in Sternberg im Sudetenland geborene Elisabeth Geduld die „Hindelanger Hammerschmiede“ verewigt. Dem fkm ist mit der Ausstellung nicht nur gelungen, „Künstler aus der Versenkung zu holen, die man nach dem Krieg vergessen hat“, wie Vereinsvorsitzende Margarethe Gradmann meinte. Die Bilder zeigen ebenso die unterschiedliche Auseinandersetzung mit und Wahrnehmung der neuen Heimat, wodurch sich auch dem „Urallgäuer“ neue Sichtweisen erschließen. Noch bis zum 28. Juli können die Werke zum Thema „Neue Heimat Allgäu“ in der Schalterhalle der HypoVereinsbank Kempten, Bahnhofstraße 7, zu den üblichen Schalteröffnungszeiten besichtigt werden.

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