Allgäuer Frauen-Power

Sie sind fesch, mutig, gut drauf und immer guter Dinge: „Allgäuer Dirndl Power“ nennen sich vier Allgäuerinnen, die sich am 2. Mai im Rahmen der „Allgäu-Orient-Rallye“ mit zwei betagten Pkws auf die rund 5000 Kilometer lange Reise von Oberstaufen nach Amman (Jordanien) machen. Auf der ADAC-Fahrsicherheitsanlage Kempten haben sie jetzt nicht nur ihre Fahrzeuge getestet, sondern sich auch noch fahrerischen Feinschliff geholt, um die schwierige Strecke, die auch über steile Schotterpisten und Wüstenpassagen führt, meistern zu können.

„Das Leben ist zu kurz, um nur daheim zu bleiben“, erklärt die 37 Jahre alte Teamchefin Nicki Miller, die aus Petersthal stammt. Und Gitti Wölfle (44, ebenfalls aus Petersthal) freut sich auf „ein tolles Abenteuer.“ Bei der Rallye dürfen nur Autos, die mindestens 20 Jahre alt oder nicht mehr als 2000 Euro wert sind, teilnehmen. 2008, bei der 3. Auflage des Rallye, hatten die Freundinnen den Start verfolgt und waren von der Atmosphäre hellauf begeistert. „Da machen wir das nächste Mal mit“, schworen sie sich. Und jetzt sind sie dabei – mit dem einzigen Frauenteam. Dazu gehört auch die Sulzbergerin und leidenschaftliche Autofahrerin Moni Link (41) und die Dietmannsriederin Katja Jordan. Und mit der 34-Jährigen ist ein echter Motorsport-Profi mit am Start. Jordan wird kurz vor dem Rallyestart noch den 1. Laut des Yamaha-R6-Motoradcups am Lausitzring bestreiten. Obendrein arbeitet sie seit 2001 als hauptberufliche Fahrtrainerin (Pkw und Motorrad) für ihre eigene Firma „fahrspass4U“ und den ADAC. „Ich liebe verrückte Dinge“, sagt die Dietmannsriederin. Ich finde die Idee einer Low-Budget-Rallye für einen guten Zweck einfach super.“ Allgäuer Käserei im Orient In einem Beduinendorf bei Amman entstehe derzeit nämlich gerade aus den Erlösen der bisherigen Rallyes eine Käserei nach Allgäuer Vorbild. Nun soll zusätzlich ein Jugendcamp aufgebaut werden, das Begegnungen zwischen jordanischen und Allgäuer Schülern ermöglichen soll. Wie jedes der insgesamt 88 Rallye-Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz muss auch das „Allgäuer Dirndl Power“-Team“ als Spende jeweils eine Kiste gefüllt mit Spielzeug und Kleidern transportieren. Und die am 12. Mai in Ammann ankommenden Autos werden der Welthungerorganisation der Vereinten Nationen gespendet, die die Fahrzeuge anschließend als Ersatzteile verwertet. Und auch sonst gibt es noch einige ungewöhnliche Regularien. „Pro Person dürfen maximal zehn Euro Übernachtungskosten anfallen“, erzählt Jordan. „Wir werden deshalb in unseren Autos schlafen oder zelten.“ Navigationsgeräte seien genauso Tabu wie Autobahnen oder Mautstraßen. Wie die Teams nach Istanbul kommen, sei ihnen überlassen. Die Allgäuerinnen haben sich entschieden, über Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien in die Türkei zu kommen. „Ab Istanbul ist die Strecke vorgegeben. Genaueres erfahren wir aber erst da unten“, erzählt Jordan. Das Wichtigste sei, dass das gesamte Team in mindestens einem Auto ankommt. Ist das zu schaffen? „Ich hoffe es“, sagte Teamchefin Nicki Miller beim Training auf der ADAC-Fahrsicherheitsanlage. Streikende Technik Mit ihren beiden Opel-Astra-Kombis (Baujahr 1994 und 1996) trainieren die vier Allgäuerinnen die richtige Lenktechnik auf Schotterpisten, Kurvenfahrten, Vollbremsungen und Ausweichen vor plötzlich auftretenden Wasserhindernissen. Bei letzterem hatte der Astra ohne ABS Probleme und verlor wenig später bei einer rasanten Kurvenfahrt auch noch seinen Auspuff. „Gut so. Besser jetzt, als auf der Rallye“, so der Kommentar von Katja Jordan. Befreundete Kfz-Mechaniker würden die Autos vor dem Start noch einmal intensiv auf Herz und Nieren überprüfen. Einen Astra hatte das „Allgäuer Dirndl Power“-Team geschenkt bekommen, einen anderen hatten sie für 500 Euro im Internet ersteigert. Für ein Abenteuer braucht man nicht nur Mut. „Ohne Sponsoren könnten wir das Ganze gar nicht machen“, betont Team-Chefin Nicki Müller.

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