DGB-Region löst sich auf

Kampf um Tarifverträge

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Die Vertreter der Allgäuer Gewerkschaften Ludwin Debong (v.l.), Werner Gloning (beide DGB), Dietmar Jansen (IG Metall), Werner Röll (ver.di) und Peter Schmidt (NGG) zeigen sich mit dem Jahr 2013 zufrieden.

Kempten – Die Region „Allgäu-Donau-Iller” des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat sich zum 1. Februar aufgelöst. Ehrenamtlich arbeitende Kreisverbände übernehmen nun die Aufgaben der bisherigen Doppelregion.

Das verkündete Ludwin Debong am Donnerstag beim Jahrespressegespräch der Gewerkschaften in der Niederlassung der IG Metall Kempten. Er ist nun DGB-Kreisvorsitzender des Allgäus. Debong war bislang stellvertretender Vorsitzender der DGB-Region Allgäu-Donau-Iller. „Wir stehen vor einer Neuorganisation“, sagte der 53-Jährige. Werner Gloning, bislang der Vorsitzende der DGB-Region Allgäu-Donau-Iller, wird als Gewerkschaftssekretär weiterarbeiten. „Wir hatten 2013 einen Zuwachs von 3761 auf 3793 Mitglieder, insbesondere bei den Erwerbstätigen“, erklärte Peter Schmidt, Geschäftsführer der Region Allgäu der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). 

Der Anteil von unter 27-Jährigen sei von 13,83 auf 14,24 Prozent gestiegen. „Unser Jugendstammtisch ist der Grund für den wachsenden Anteil von Jugendlichen seit vielen Jahren.“ Im vergangenen Herbst habe es nach zehn Warnstreiks einen Tarifabschluss in der Milchwirtschaft gegeben. Das Ergebnis seien 3,5 Prozent mehr Lohn für 2013 und weitere 3,2 Prozent für 2014 gewesen. Zudem habe man erreicht, dass Auszubildenden im erlernten Beruf für 24 Monate ohne Bedingungen übernommen werden. „Wir versuchen gezielt bei Tarifverträgen, die Jugendlichen mitzunehmen“, versicherte Schmidt. Probleme bereite nach wie vor das Hotel- und Gaststättengewerbe. „Dort haben sie vor einigen Jahren eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung eingeführt, obwohl die Betroffenen Mitglied im Hotel- und Gaststättenverband sind.“ 

Die zweite Problembranche sei das Bäckerhandwerk, wo eine extrem hohe Fluktuation üblich sei. Schmidt ärgerte sich über die Insolvenz von Bergland Lindenberg, die die Gesellschafter Bayernland und Arla-Foods herbeigeführt hätten. „Die Leute sind nun in einer Transfergesellschaft.“ Ein weiteres Ärgernis sei die Tarifbindung bei Mindelabpack, einer Firma, die die Endverpackung für Süßwarenhersteller übernimmt. Der Arbeitgeber weigere sich, den ausgehandelten Tarifvertrag zu unterschreiben. Dabei gehe es um eine Lohnerhöhung von 7,45 Euro auf 9,45 Euro pro Stunde, kritisieren die Gewerkschafter. 

Kritik am Klinikum 

Der Mitgliederstand im Allgäuer Bezirk der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) sei mittlerweile um rund 300 auf insgesamt 13 500 gewachsen, berichtete der Geschäftsführer Werner Röll. „Im Klinikum Kempten werden Menschen, die in der ausgelagerten Klinikservice-GmbH arbeiten, nach dem ungünsti- geren Gebäudereinigungsvertrag bezahlt“, bemängelte er. Röll forderte eine bessere Bezahlung für die Beschäftigten von Reha-Kliniken. Das Kemptener Kommunalunternehmen (KKU) schließe seit dem Ausstieg aus dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst nur noch freie Verträge ab. „Wir kritisieren als ver.di den Weg der Stadt zur Schuldenfreiheit bis 2020, da er auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird.“ Im ganzen Bereich Dienstleistungen sei die Bezahlung äußerst schlecht, falls sie nicht tariflich geregelt ist. „Mich ärgert der staatlich subventionierte Niedriglohnsektor.“ Er hoffe, dass der Mindestlohn bald und ohne Ausnahme in Kraft tritt. 

 Der Betriebsrat bei Dachser in Kempten könne kritischer sein, in Memmingen habe die Firma gar keinen, so der ver.di-Mann weiter. „Im Bereich Einzelhandel landen bei uns seit ein oder zwei Jahren immer wieder Fälle, in denen ältere Beschäftigte unter Druck geraten.“ Arbeitslose beschwerten sich darüber, dass in den Allgäuer Jobcentern bei der Vermittlung kaum ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten berücksichtigt würden. „Die Beschäftigten in den Jobcentern haben schlichtweg zu weinig Zeit, um sich mit ihrem Gegenüber auseinanderzusetzen.“ 

Die IG Metall Kempten habe ihre Mitgliederzahl von rund 9800 halten können, erklärte der Erste Bevollmächtigte Dietmar Jansen. Davon seien etwa 1600 Jugendliche. „Wir haben eine Beschäftigtenbefragung mit einem 18-seitigen Fragebogen durchgeführt“, so Jansen. 2286 Beschäftigte hätten sich daran beteiligt. Bei Leiharbeitern müsse eigentlich nach 18 Monaten überprüft werden, ob sie nicht fest übernommen werden. „Aber die Arbeitgeber kündigen dann oft die Verträge und stellen die Betroffenen später als Leiharbeiter wieder ein.“ Mit der Kampagne „Revolution Bildung“ wolle die IG Metall eine deutliche Verbesserung im Bildungssystem durchsetzen. Ein Schwerpunkt für das Jahr 2014 sei die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. „Wir werden uns als IG Metall bei der Kommunal- und Europawahl einmischen.“ 

Für die Mütterrente 

An Europa führe kein Weg vorbei, meinte Werner Gloning vom DGB. „Die Nationalstaaten allein schaffen es nicht mehr, große Konzerne zu kontrollieren. Aber wir brauchen ein anderes Europa.“ Die Bedeutung der Betriebsratswahlen werde in der Öffentlichkeit ungeheuer unterstützt. „Wir müssen als DGB deutlich machen, wie wichtig Tarifautonomie und Tarifverträge sind.“ Bei den gesetzlichen Neuerungen zur Rente beurteilte Gloning die Veränderungen bei der Reha und Erwerbsunfähigkeit positiv. „Die Mütterrente ist absolut richtig. Die Finanzierung ist eine sozialpolitische Sauerei, da sie durch einen Griff in die Rentenkasse und nicht durch Steuergelder finanziert wird.“ Die Rente mit 67 Jahren sei für ihn nach wie vor „sozialpolitischer Schwachsinn“. Altersarmut werde ein Problem, das bis in die Mitte der Gesellschaft reiche. Im Allgäu sei das Rentenniveau relativ niedrig. Der DGB habe im Allgäu derzeit rund 30 000 Mitglieder.

Franziska Kampfrath

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