Gut angelegtes Geld

Wenn der Kulturausschuss der Marktgemeinde Altusried tagt und der Tagesordnungspunkt „Offene Ganztagsschule“ auf der Ladung steht, wissen alle Mitglieder, dass es irgendwann um Geld geht. So auch in der jüngsten Sitzung: Was Christoph Betz da an Zahlen präsentierte, wurde von Schulleiter Hermann Danner und Lehrerin Senta Wotsch anhand von  Fallbeispielen  untermauert.

Fakt ist demzufolge, dass für das nächste Schuljahr 36 Vollzeitplätze fest angemeldet sind, neun Interessenten stehen auf der Warteliste. 2007/2008 waren es noch 7,5. Die satte Steigerungsrate ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass diese Entlastung der Eltern umsonst ist. Dass die Zahl der Mitarbeiterinnen und die gesamte Infrastruktur ( beispielsweise für 80 Essen pro Tag ) mit diesem Andrang nicht mehr fertig werden, liegt auf der Hand. Trotz aller Zuschüsse muss die Gemeinde Geld in die Hand nehmen, um eine dritte Gruppe zu etablieren  und einen zusätzlichen Mann (Kinder sollten nach ansicht von Experten nicht nur von Frauen umgeben sein) einzustellen. Dieser muss natürlich erst mal gefunden werden, qualifiziert sein und aus seinem alten Vertrag heraus können. Die Zeit drängt, mahnte Betz in seinem Resumee. Dass das Geld gut angelegt ist, war aus den Äusserungen der Ratsmitglieder herauszuhören. „Problemkinder“ werden nämlich mit der Zeit richtig teuer: Für die Kosten eines Heimplatzes  in der Heilpädagogischen Stätte St. Anna in Leutkirch kann eine Fachkraft vor Ort verhindern, dass diese Maßnahme ergriffen werden muss. Wie schnell es dazu kommen kann, wurde aus den Schilderungen von Danner und Wotsch deutlich. „Kinder sind nicht ungezogen, sie sind unerzogen“, brachte der Rektor die Problematik auf den Punkt. Da stellte sich den Gemeinderäten die Frage, ob sich die Erziehungsberechtigten nicht wenigstens an den Kosten beteiligen sollten, wenn sie sich schon nicht bei ihrer originären Aufgabe einbringen. Der einstimmige Beschluss lautete dahingehend, dass Bürgermeister und Verwaltung beauftragt werden, die Eröffnung einer dritten Gruppe vorzubereiten und zusätzliches Personal einzustellen. Eltern sollen an den Kosten beteiligt werden. Zur Entlastung der Gemeindekasse sind Verhandlungen mit dem Landkreis Oberallgäu über eventuelle Zuschüsse zu führen. In diesem Zusammenhang muss fairerweise erwähnt werden, dass Altusried als einzige Gemeinde vom Landkreis unterstützt wird, da eine Heilpädagogische Tagesstätte noch teurer wäre.

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