"Ansonsten fehlt die Lobby"

„Wir protestieren!“ Eine Woche lang legten jetzt die Beschäftigten von 24 Pflegeheimen jeden Tag immer um 10.45 Uhr für zehn Minuten die Arbeit nieder. Es war ein solidarischer Protest, an dem sich auch Angehörige und Bewohner der Einrichtungen beteiligen. „Wir wollen nicht mehr schweigen, wir können nicht mehr schweigen zu den Bedingungen unserer Arbeit. Gesetzgeber und Kassen nehmen uns die Luft für Zuwendung und Pflege“, lautete der Text, der während der Arbeitsniederlegung von den Heimleitern verlesen wurde.

Es war die erste große gemeinsame Aktion des Allgäuer Aktionsbündnisses „Pflege im Aufbruch“, dem sich jetzt 24 Heime in der Region angeschlossen haben. „Mit der Aktion wollten wir nach innen und außen zu verstehen geben, dass es so nicht mehr weiter geht“, meinte Heimleiter Oliver Stiller vom Wilhelm-Löhe-Haus in Kempten. „Die menschliche Pflege und Betreuung bleibt vielfach auf der Strecke“, weiß Pflegedienstleiterin Friederike Wuchenauer. Dass es dennoch menschliche Wärme gebe, sei einzig und allein dem Engagement und der Motivation der Beschäftigten zu verdanken, die dadurch aber wiederum an eigene Grenzen stoßen würden. Viele Probleme Wolfgang Grieshammer, Ge-schäftsführer der Diakonie Kempten-Allgäu, ergänzte: „ Finanzierung, Bürokratie und Fachkräftemangel sind drei Hauptprobleme, die es zu lösen gilt.“ Unterstützung bekommt er von Dr. Philipp Prestel vom AllgäuStift: „Kommune, Bezirk, Land und Bund schieben die Verantwortungen hin und her.“ Angehörige unterstützen Im Wilhelm-Löhe-Haus stehen die Angehörigen hinter dieser Aktion. „Wir sind ja die nächsten, die es zu pflegen gilt“, meinte eine Tochter. Die Solidarität der Allgäuer Heime bei dieser Aktion findet sie bemerkenswert. „Nur gemeinsam können die Heime was erreichen. Ansonsten fehlt die Lobby“, ist sie sich sicher. „Wir pflegen so gut wir können“, meinte Stiller abschließend. Aber „gut“ sei es nicht immer. Im Laufe des Jahres sollten noch weitere Veranstaltungen und Aktion des Aktions-Bündnisses folgen.

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