Arbeit am Kompromiss

Die Stadt und die Mobilfunkbetreiber setzen ihre Suche nach Kompromissen bei neuen Handymast-Standorten fort: Gemäß des Mobilfunkkonzepts hat Hans Ulrich-Raithel vom Münchner Umweltinstitut vergangene Woche dem Bauausschuss mögliche Standorte in den Suchkreisen Ellharten/Eggen und Klinikum Kempten präsentiert. Die Prämisse: O2, Vodafone und E-plus sollen ihr Netz abdecken können, ohne die Bürger einer zu hohen Strahlenbelastung auszusetzen.

Noch stehen Handy-Sendeantennen auf den Gebäuden des ehemaligen Schachenmaier-Geländes im Süd-Westen. Die sollen jetzt abgerissen werden, dementsprechend suchen die drei Mobilfunkbetreiber nach Ersatz. Gleichzeitig benötigt O2 einen UMTS-Standort im Suchkreis Ellharten/Eggen. Auch im Bereich des Klinikums will O2 bald aufrüsten. Hier muss bis zu den Sommerferien eine Lösung her, sonst baut der Mobilfunkanbieter eine Anlage im Thingers aus, erklärte Hans Ulrich-Raithel vom Münchner Umwelt-Institut im Ausschuss. Er stellte verschiedene mögliche Standorte vor, die die Bewohner möglichst wenig der Strahlenbelastung aussetzen. Die Suche ist jedoch nicht unproblematisch. Manch ein Standort schont die meisten Anwohner, strahlt dann aber direkt in ein benachbartes Hochhaus. Dadurch schränken sich die Möglichkeiten ein. Was bleibt, wäre für den Bereich Eggen/Ellharten ein möglicher neuer 25 Meter hoher Mast auf dem Gelände der ehemaligen Seifenfabrik Schachenmaier beziehungsweise eine Antenne auf dem Kamin der Eisengießerei nord-westlich davon. Alle drei Betreiber halten diese Standorte für diskussionswürdig, so Ulrich-Raithel, von der Strahlenbelastung her seien sie etwa gleichwertig. Mit höchstens 5,2 beziehungsweise 6,5 Milliwatt pro Quadratmeter verursachen sie zumindest die geringste Immission in der Umgebung. Starke Strahlung Schwieriger wird es bei dem UMTS-Mast, den O2 in dem Gebiet aufstellen will. Dafür käme ein Hochhaus am Heussring in Frage, von dem aus eine Antenne aber mit 145 Milliwatt pro Quadratmeter in ein Nachbargebäude strahlen würde. Denkbar wäre auch ein Hochhaus nahe dem Stadtbad. Das gehört jedoch einer Eigentümergemeinschaft, die einstimmig „ja“ zu einer Antenne auf ihrem Dach sagen müsste. „Völlig illusorisch“, wie der CSU-Fraktionsvorsitzende Erwin Hagenmaier meinte. „Da müsste jeder einzeln zum Notar gehen.“ Die Hausverwaltung habe bereits signalisiert, dass es schwierig werden könnte, ergänzte Baureferentin Monika Beltinger. Auch ein 25 Meter hoher Mast auf dem Stadtbad-Gelände wäre denkbar. Klinikleitung ist am Zug Etwas übersichtlicher, aber nicht weniger verzwickt, gestaltete sich die Suche nach einem Standort im Suchkreis Klinikum. Hier drängt O2 zur Eile. Ist bis zu den Sommerferien kein Kompromiss gefunden, will das Unternehmen seine bestehende Anlage im Thingers aufrüsten. Bereits jetzt verursacht die Anlage bis zu 25 Milliwatt pro Quadratmeter, nach dem Ausbau wären es 38. Die günstigste Lösung, die das Umweltinstitut präsentierte, dürfte wohl wieder an der Erlaubnis der Eigentümer scheitern. Dabei handelt es sich um das Hochhaus einer Eigentümergemeinschaft in der Rudolf-Zorn-Straße. Der Hausverwalter habe auch hier bereits signalisiert, dass keine Chance besteht, dort eine Antenne zu platzieren, so Beltinger. Weitere Standorte, die auch O2 für möglich halte, sind ein Hochhaus der Sozialbau im Burgstallweg, das aber wiederum ein Nachbargebäude mit 20 Milliwatt belaste, und das Klinikum selbst. „Das muss die Klinikleitung mit den Ärzten diskutieren“, meinte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Elf Milliwatt pro Quaratmeter prognostizierte Ulrich-Raithel grundsätzlich für diesen Standort. Das großflächige Krankenhausdach hätte aber den Vorteil, dass man mit mehreren Antennen, entsprechend verteilt, die Strahlungsbelastung noch optimieren könnte, ergänzte er. Zahlen dazu konnte er im Ausschuss aber noch nicht präsentieren. Bürger werden informiert Ebenso möglich wäre ein 15 Meter hoher Antennenturm nahe dem Reichelsberg. Die Vorteile: Der Grund gehört der Stadt und der Standort verspricht eine niedrige Belastung von höchstens 7,2 Milliwatt pro Quadratmeter. Dazu habe sich O2 allerdings noch nicht geäußert, „vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen“, mutmaßte der Experte. Schließlich sei der Bau eines Turms teurer als die Antenne auf ein bestehendes Gebäude zu stellen. Am vergangenen Montag, nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe, kamen im Franziskusheim die Bürger zum Thema Suchkreis Ellharten/Eggen zu Wort. Am kommenden Freitag, 26. Juni, findet im Soldatenheim eine Informationsveranstaltung zum Suchkreis Klinikum statt. Der Bauausschuss wird sich in seiner nächsten Sitzung im Juli erneut mit dem Thema beschäftigen.

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