"Die Quote wird nicht erreicht"

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Nicht jeder Arbeitsuchende mit Behinderung hat so viel Glück wie Sylvia Huber (Mitte). Sie hat ihren Traumjob als Arbeitsberaterin bei der Agentur für Arbeit schon lange gefunden und fühlt sich auch im Kreis ihrer Kollegen – hier mit dem stellvertretenden Leiter Horst Holas und Pressesprecher Reinhold Huber – ausgesprochen wohl.

Kempten – Von einer „relativ stabilen Situation“ auf dem Allgäuer Arbeitsmarkt berichtete der stellvertretende Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, Horst Holas; aber auch von einer konstant hohen Zahl von Arbeit suchenden Menschen mit Behinderung.

„Behinderte Menschen haben es schwerer Fuß zu fassen“, auch bei insgesamt so günstigen Zahlen wie derzeit, bedauerte er. Als Mut machendes Beispiel stellte er Sylvia Huber vor, die trotz ihrer seit Kindheit schweren Gehbehinderung mit Leib und Seele Arbeitsvermittlerin bei der Agentur für Arbeit in Kempten ist. Dort habe sie „ganz normal” als Azubi angefangen und später ein Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin angehängt, erzählte sie fröhlich auch davon, dass es Probleme eigentlich nur während ihrer Schulzeit mit Lehrern oder Eltern von Mitschülern gegeben habe. Dass viele Arbeitgeber einen Bogen um Schwerbehinderte schlagen, liege ihres Erachtens „nach wie vor an Vorurteilen“, wie geringere Leistungsfähigkeit oder viele Krankheitstage, was sie nicht bestätigen könne. Sie selbst arbeite zum Beispiel auch als Schwerbehinderte 100 Prozent. Schließlich werde die Arbeit am Computer ja nicht durch ihre Gehbehinderung beeinträchtigt, erklärte sie. „Viele Behinderungsarten sieht und merkt man gar nicht“, aber „unsere Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft und jeder der aus der Norm fällt, ist erstmal komisch“, zeigte sie sich glücklich über „so eine tolle Stelle und täglich mit Kunden zu tun“ zu haben. 

Privatwirtschaft zurückhaltend 

Ein echter Glücksfall, wenn man die von Holas genannten Zahlen betrachtet. Danach waren im November dieses Jahres 840 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet – 30 mehr als im November des Vorjahres –, knapp 600 davon mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife, 480 sogar mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Nach dem Sozialgesetzbuch seien, so Holas, Unternehmen mit über 20 Arbeitsplätzen zwar verpflichtet, davon fünf Prozent mit Behinderten zu besetzen, aber „diese Quote wird im Allgäu nicht erreicht“. Viele Arbeitgeber zögen es vor, eine Ausgleichsabgabe in Höhe von mindestens 105 Euro pro Monat zu zahlen. So liege die Schwerbehinderten-Quote bei privaten Arbeitgebern lediglich bei drei Prozent – entsprechend 2069 unbesetzte Pflichtarbeitsplätze von insgesamt 5200; öffentliche Arbeitgeber, wie Behörden und Ämter, hätten ihr Soll mit 5,2 Prozent wenigstens „gerade erreicht“. 

Hohe Zuschüsse 

Dabei gebe es unter anderem Eingliederungszuschüsse bis zu 70 Prozent der Lohnkosten oder technische Beratungen, falls ein Fahrzeug behindertengerecht ausgestattet werden müsse oder Umbauten am Arbeitsplatz nötig würden, wofür es ebenfalls finanziellen Ausgleich gebe. Pressesprecher Reinhold Huber wünschte sich, dass Arbeitgeber, die mit dem Gedanken spielen einen Menschen mit Behinderung einzustellen, „offensiv auf uns zugehen und die Angebote nutzen“. Zudem entkräftete er die mögliche Hemmschwelle Kündigungsschutz: „Aus betriebsbedingten Gründen ist eine Kündigung ganz normal möglich“, machte er deutlich. Christine Tröger

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