Neue Funde

Überraschung unterm Spielplatz

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Luftaufnahme von „Insula 7“ mit „Haus 2“, dessen Mauerreste zu erkennen sind.

Kempten – Mit Funden auf dem Gelände des zukünftigen Römerspielplatzes des Archäologischen Parks Cambodunum (APC) hat das archäologische Grabungsteam gerechnet. Dass sie auf die Grundrisse von drei Gebäuden im Bereich der „Insula 7“ stießen, war dann doch eine kleine Überraschung.

Wie Grabungsleiter Ernst Sontheim erklärte, sei dieses Areal auf dem nach früheren Grabungen erstellten Plan nämlich „nur gestrichelt eingezeichnet, da mit den damaligen Mitteln nichts gefunden wurde“. Üppig sind die Mauerrelikte auch jetzt nicht, lediglich die Rollierungen aus dem Unterbau der Fundamentmauern zeigen das ehemalige römische Viertel an. Die Mauern seien, so Sontheim, unter anderem im Mittelalter als Baumaterial verwendet worden und bis in die 1960er Jahren seien hier zudem Schrebergärten angelegt gewesen, die wohl die noch letzten Reste zerstört hätten.

Immerhin, beim so genannten „Haus 2“ ist noch ein Teil seiner ursprünglichen Fundamentmauer und des Estrichbodens im Innenraum vorhanden. „Die Achsen der Gebäude scheinen sich aber nicht mehr am Raster der römischen Stadtanlage zu orientieren“, zieht Sontheim einen Vergleich zur Ausrichtung der benachbarten Insulae.

Zwei Möglichkeiten

Das lässt für ihn zwei Vermutungen zu: „Entweder die Gebäude stammen aus der Anfangszeit von Cambodunum, vor der planmäßigen Ausrichtung nach den Hauptstraßenachsen, oder sie stammen aus der Spätphase von Cambodunum, als Teile der Stadt schon nicht mehr bewohnt waren beziehungsweise die Umsiedlung in die Nachfolgerstadt Cambidanum an der Westseite der Burghalde schon im Gange oder bereits erfolgt war.“ Zwar könne man vor den exakten Untersuchungsergebnissen noch nichts Genaues sagen, aber „möglicherweise standen hier Handwerkshäuser.“ Es seien „fast nur Rollsteine“ für das Fundament verwendet worden, sodass „es sich vermutlich nicht um Häuser der Oberschicht handelt“, begründet er. Im Gegensatz zeigten die „akkuraten Kanten“ der angrenzenden „Insula 4“ eine deutlich bessere Qualität.

"Sehr teuer"

Zu seiner Theorie eines Handwerkerviertels würde auch das bisherige Prunkstück der Funde gut passen: ein fast völlig intakter Mühlstein, in dem der einstige Kaufpreis eingemeißelt steht: ein sich überlagerndes „S“ und „H“ für die Währung Sesterz(en); „C“, das Ziffernzeichen für 100; „X“, Ziffernzeichen für zehn; „I“, Ziffernzeichen für die Eins, wobei davon zwei nebeneinander stehen und damit eine Zwei anzeigen. 112 Sesterzen hat das gute Stück also gekostet „Das war sehr teuer“, vergleicht Sontheim den Preis mit dem Tagesbedarf von vier Sesterzen eines Arbeiters.

Auch unter den zahlreichen Beifunden auf dem Areal mit Münzen von römisch bis zum Mittelalter, Fingerringen und diversen Fibeln ist ein besonders schönes Stück: Eine sehr gut erhaltene Fibel mit roten, blauen und orangefarbenen Emaille-Einlagen, die einen Panther darstellt.

In wenigen Wochen sollen übrigens erste Untersuchungsergebnisse mehr Klarheit zu den Funden bringen.

Christine Tröger

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