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Den Dingen auf den Grund gehen

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Eine Führung im Grabungsfeld ist immer beeindruckend.

Isny – Dr. Doris Schmid, Leiterin der Ausgrabungen in der „Altstadt Süd“, hatte jetzt einmal mehr zu einer Begehung des Grabungsgebietes eingeladen und es waren vor allem interessierte Isnyer Bürger, die zu der Führung gekommen waren.

Seit 2012 wird nun schon in dem Areal zwischen Blaser Turm und Diebsturm gegraben, archiviert und dokumentiert was aus dem Boden zu erfahren ist. Inzwischen ist auch das dritte Grabungsfeld fast abgeschlossen, ein Ende der gesamten Aktion ist vor Herbst/ Winter 2015 allerdings nicht zu erwarten.

Dr. Doris Schmid hatte für diese Führung einiges an Bildmaterial vorbereitet und konnte vor allem eines feststellen: Der Ursprung Isnys, die Wirtschaftsgebäude des Fronhofs, liegen nicht in diesem bisher untersuchten Abschnitt, auch wenn dieses Gebiet schon immer als „Hofstatt“ geführt wird. Im Augenblick sind die ältesten Funde auf das Jahr 1319 zurück zu datieren, weil Holzuntersuchungen recht genau festlegen lassen.

Besonders zu betonen ist, dass im feuchten Boden unter Isny sich auch Holzteile recht gut erhalten haben und eine Analyse der Jahresringe besonders erfolgreich war. Für die Grabungskräfte ist der Fund der Latrinen immer wieder von Bedeutung. Hier finden sich Dinge, die beim Gang auf das „stille Örtchen“ einfach in die weiche Masse fielen und nachdem diese zu Humus wurde, nun wieder frei gegeben wurden. Schmid stellte fest, dass eine Menge Ofenkacheln zu finden waren, die beim Brand aus den oberen Etagen bis in den Keller stürzten.

Spätere Bebauungen sind immer Eingriffe in die archäologische Substanz und da hier fast alles nach dem Stadtbrand von 1631 nur planiert und liegen gelassen wurde, findet man hier erstaunlich viele Relikte aus der Zeit bis zum Brand. So wurden Kellerräume frei gelegt, die eine genaue Datierung ermöglichen. Für die dort aufgerichteten Webstühle (ein Grund für den damaligen Reichtum der Stadt) wurden Hölzer aus den Jahren 1618, 1619 und 1620 verwendet. Man kann also davon ausgehen, dass das Haus darüber noch relativ neu war als es ebenfalls in Schutt und Asche gelegt wurde. „Unter Schutt und Asche“ ist auch der Titel der Ausstellung, die ab kommenden Samstag, 30. August, im Museum am Mühlturm aufgebaut ist. Da können zum ersten Mal die Funde aus den verschiedenen Fundstellen direkt betrachtet werden.

Was ebenfalls von Interesse sein kann, ist die Freilegung verschiedener Straßenabschnitte mit der Pflasterung als Kopfsteinpflaster mit Abflussrinnen und Wagenspuren. Vier verschiedene Brunnen wurden ebenfalls frei gelegt. Drei der Brunnen, ebenfalls aus Flusssteinen, sind entlang einer Stra-ße angelegt und besonders bemerkenswert ist der Fund eines Brunnens mit Holzver-kleidung, der aus dem Lehmschichten freigelegt wurde als wäre er gerade erst eingebaut worden.

Schmid führte die Gruppe zu den direkten Ausgrabungen und zeigte den weiteren Verlauf der Grabungen auf. Mit Freilegung des Gebäudekomplexes bis hin zum Marktplatz nähert man sich einer unter den Häusern verborgenen Bodenschicht, die in den Altersbestimmungen noch weiter zu- rück liegen könnte. Es hat eine gewisse Logik, dass die ältesten Funde in der Mitte des Ortes zu suchen sind und nur durch Zufall in der Peripherie.

Da liegt es auf der Hand, dass unter all den anderen Häusern auch noch Funde zu machen wären, aber Isny wird deshalb nicht abgerissen, auch wenn es den Archäologen in den Fingern juckt. Auch so ist vieles zu Tage gekommen und der Besuch des Museums am Mühlturm ab 30. August ist da mit Sicherheit aufschlussreich…

Manfred Schubert

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